17.06.2020 | 17:46 Uhr Gericht erschwert Baumfällungen im Leipziger Auwald

Bach im Auwald
Bildrechte: NABU-Regionalverband Leipzig/Ursula Dauderstädt

Die Stadt Leipzig muss künftig bei Baumfällarbeiten im Auwald zwischen Waldbewirtschaftung und reinen Sanitärhieben trennen. Das hat das Oberverwaltungsgericht Bautzen entschieden und damit einer Beschwerde der Grünen Liga aus dem Jahr 2018 teilweise stattgegeben. Grundsätzlich sei die Bewirtschaftung des Auwaldes aber weiterhin möglich, sagte Stadtsprecher Matthias Hasberg MDR SACHSEN. Der Beschluss ermögliche es, einen neuen Forstwirtschaftsplan 2021 zu erstellen.

Da werden wir genau erklären, was wir in der reinen Waldbewirtschaftung machen werden, also Bäume pflanzen, fällen und auch verkaufen. Das ist auch in FFH-Gebieten weiter erlaubt. Und auf der anderen Seite diese Pflegearbeiten, diese müssen wir nun extra aufführen und ebenfalls nach FFH-Richtlinien prüfen lassen.

Matthias Hasberg Sprecher Stadt Leipzig

Der Forstwirtschaftsplan 2018, der Gegenstand des Gerichtsverfahrens war, wird durch die Stadt Leipzig nicht weiter vollzogen werden.

Erfolg für Grüne Liga

Am Dienstag hatte das Oberverwaltungsgericht Bautzen der Beschwerde der Grünen Liga Sachsen zu Teilen stattgegeben. Die Beschwerde richtete sich gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Leipzig. Das hatte sich auf den Standpunkt gestellt, "dass der streitige Forstwirtschaftsplan 2018 der Stadt keine Verträglichkeitsuntersuchung bedarf, obwohl eine massive Entnahme von Holz in nach dem Europarecht streng geschützten Gebieten des Leipziger Auwaldes erfolgen sollte", erklärte die von der Grünen Liga beauftragte Anwaltskanzlei Baumann. Damit stehe auch fest, so die Anwälte, dass die Stadt diese Verträglichkeitsuntersuchung nicht einfach mit dem Argument umgehen kann, dass diese Baumfällungen dem Erhalt des Leipziger Auwaldes dienen.

Überschwemmtes Waldstück
Einmal im Jahr muss der südliche Auwald künstlich geflutet werden, um die Situation in dem Naturschutzgebiet zu verbessern, da unter anderem durch den Tagebau Wassermangel herrscht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Baumfällungen werden keinen Auwald erhalten und sind hierfür nicht notwendig. Dass die langjährigen massiven Eingriffe nun auch gerichtlich gestoppt wurden, sollte nun endlich auch in Leipzig zu einem Umdenken führen.

Tobias Mehnert Grüne Liga Sachsen e.V.

Der Leipziger Auwald ... ... ist eine der biologisch reichsten und in seiner floristischen Zusammensetzung für Deutschland einmaligen Waldgesellschaften und zählt zu den größten Auwaldgebieten Mitteleuropas. Als Auenwald bezeichnet man einen Wald, der in Überschwemmungsgebieten von Flüssen zu finden ist.
Der Leipziger Auenwald liegt im Wesentlichen in der Überschwemmungszone der Elster, Pleiße und der Luppe.

Der südliche Auwald ist heute Bestandteil des "Leipziger Auensystems" und EU-Vogelschutzgebiet "Leipziger Auwald". Das Gebiet kann als lokaler "Biodiversitäts-Hot-Spot" der Stadt Leipzig und Umgebung bezeichnet werden. Die künstliche Flutung ist seit 2003 Bestandteil der Biodiversitätenkampagne des Freistaates Sachsens und wurde in den Jahren 1994 bis 1998 durch den Freistaat im Rahmen des Landesschwerpunktprojektes "Leipziger Auensystem" erheblich finanziell gefördert.
Quelle: Untere Naturschutzbehörde Leipzig

Grüne: Schutz des Auwalds muss Vorrang haben

Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen begrüßte den Beschluss des OVG. Er schaffe Rechtssicherheit und mache deutlich, dass sich noch genauer als bislang mit dem Auwald auseinander gesetzt werden müsse, sagte Ulrike Böhm, Sprecherin des Kreisverbandes.

Jetzt brauchen wir einen intensiven Austausch der Verwaltung mit der (Fach-)Öffentlichkeit, um darüber zu sprechen, wie der Auwald in Zukunft stärker geschützt und die natürliche Gewässerdynamik wieder hergestellt werden kann.

Ulrike Böhm Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen

Jürgen Kasek, umweltpolitischer Sprecher der Grünen Stadtratsfraktion, erklärt, mit dem Urteil sei auch deutlich geworden, dass die bisherigen Handhabungen insbesondere der Forsteinrichtung und der Wirtschaftspläne zu statisch waren.

Nun ist auch das Land Sachsen gefordert, Leipzig bei der Umsetzung zu unterstützen und zukünftig grundsätzlich bei Bewirtschaftungsmaßnahmen in FFH-Gebieten rechtskonforme Verträglichkeitsprüfungen durchzuführen.

Jürgen Kasek Grünen Stadtratsfraktion Leipzig

Flora-Fauna-Habitatrichtlinien (FFH) ... ist eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union. Ihr Ziel: die Erhaltung der biologischen Vielfalt auf dem Gebiet der Europäischen Union. 1998 wurden die Richtlinien im deutschen Artenschutzgesetz juristisch verankert. Bei Eingriffen in FFH-Gebiete muss damit zuvor eine Verträglichkeitsprüfung erfolgen.

Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.06.2020 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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