23.07.2019 | 19:20 Uhr Nach Aufregung um Schweinefleisch-Verbot setzen Kitas in Leipzig Entscheidung aus

Zwei Leipziger Kindergärten haben Schweinefleisch aus ihrem Speiseprogramm genommen. Das provozierte Aufregung in sozialen Medien, eine Kita erhielt sogar Drohungen. Jetzt wurde der Entscheid erst einmal ausgesetzt.

Konfuzius- und Rolando-Toro-Kita in der Lößniger Straße
Ein Streifenwagen der Polizei steht am Dienstagnachmittag vor der Kita "Rolando-Toro". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach einer öffentlichen Debatte um die Streichung von Schweinefleisch vom Speiseplan zweier Leipziger Kindergärten hat der Träger der Einrichtungen seinen Beschluss vorerst ausgesetzt. Der Leiter der Kitas, Wolfgang Schäfer, begründete das mit der medialen Aufregung nach dem Bekanntwerden seines Beschlusses. Im nächsten Kindergartenjahr - das Mitte August beginnt - will Schäfer das Thema noch einmal ausführlich diskutieren.

Riesenwirbel in sozialen Netzwerken

Die Leitung der beiden Kitas hatte sich nach Angaben der "Bild"-Zeitung aus Rücksicht vor zwei muslimischen Mädchen im Alter von zwei und drei Jahren zunächst zu einer Menü-Änderung entschlossen und seit einer Woche Schweinefleisch und Gelatine-Produkte komplett gestrichen. In sozialen Netzwerken entstand daraufhin eine heftige Debatte um diese Entscheidung. Eine Kita wurde sogar bedroht. Um mögliche Gefahren abzuwehren, stand zeitweise ein Polizeiauto vor den beiden benachbarten Einrichtungen.

Wir sind überwältigt von der ganzen Sache.

Wolfgang Schäfer Kita-Leiter

Die mediale Aufregung um die Entscheidung, auf Schweinefleisch und tierische Gelatine zu verzichten, kann Wolfgang Schäfer vom freien Träger nur schwer nachvollziehen. Er habe den Eindruck, dass Kindergarten-Speisepläne insgesamt immer weniger Gerichte mit Schweinefleisch vorsähen. Die Mehrheit der Eltern hätten die Entscheidung begrüßt. Aus der Politik und im Netz erntete Schäfer allerdings zum Teil scharfe Kritik.

Kein generelles Verbot von Schweinefleisch in Kitas

Andere Träger von Kindertagesstätten in Leipzig versuchen derweil die Gemüter zu beruhigen. In evangelischen Kindertagesstätten in Leipzig wird Schweinefleisch nicht vom Speiseplan gestrichen. Dies sei nicht nötig, da die Essensanbieter immer mehrere Gerichte zur Auswahl hätten, sagte die Kita-Fachbereichsleiterin der Diakonie Leipzig, Christiane Michalski. Wer aus religiösen Gründen auf Schweinefleisch verzichte, bekomme ebenso wie Allergiker oder Vegetarier einen Extra-Speiseplan für das Kita-Essen.

Quelle: MDR/LVZ/Bild/dpa/sm/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.07.2019 | 22:00 Uhr in den Nachrichten

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