Geplanter Strukturwandel Südraum Leipzig: Braunkohle in der Diskussion

Sie ist wie der Gang über heiße Kohlen: die Diskussion über den Kohleausstieg und die Frage, was kommt danach. Im Abschlussbericht der Kohlekommission stehen hunderte Vorschläge dazu. Doch wie können sie umgesetzt werden? Dazu herrscht Redebedarf. 300 Menschen diskutierten darüber am Montag in Böhlen auf der Konferenz zur Regionalentwicklung im Mitteldeutschen Revier, darunter Ministerpräsidenten, Landräte und Bürgermeister.

Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf in Sachsen.
Braunkohlekraftwerk Lippendorf Bildrechte: imago/imagebroker

Es fehlt nicht an Ideen, wie Jobs und Lebensqualität in den Kohlerevieren nach dem Ausstieg aus der Förderung und Verstromung gesichert werden können. Sie reichen von großen Schienen- und Straßenprojekten über die Ansiedlung von Behörden bis hin zu Kultur- und Tourismusprojekten. Die Umsetzung allerdings muss noch besprochen und vor allem auch finanziert werden.

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen deshalb in den kommenden Wochen eine Liste mit den ihrer Meinung nach drängendsten Projekten erstellen. Diese solle dem Bund dann für das geplante Maßnahmengesetz vorgelegt werden, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in Böhlen. Das Gesetz müsse noch in diesem Jahr in Kraft treten. Die betroffenen Bundesländer bräuchten schnell Sicherheit, um die Folgen des Kohleausstiegs 2038 bewältigen zu können, so Kretschmer.

Trügerische Sicherheit

Der sächsische Landtagsabgeordnete Gerd Lippold sieht indes wesentlich mehr Eile geboten, um die Vorschläge umzusetzen. Zu behaupten, die Reviere hätten nun 20 Jahre für den Strukturwandel Zeit, sei verantwortungslos, so Lippold. Denn wann ein Standort vom Netz gehe, entscheide weder der Ministerpräsident oder der Regionalplaner, sondern die Ökonomie aus Sicht der Betreiber. Lippold geht davon aus, dass für die mitteldeutschen Kraftwerke Schkopau und Lippendorf allerspätestens 2030 beziehungsweise 2034 Schluss ist.

Taten statt Worte

Unterdessen haben das Bündnis "Pödelwitz bleibt!" und "Fridays For Future Leipzig" zu Demonstrationen in Groitzsch aufgerufen. Sie wollen in der 15 Kilometer entfernten Kleinstadt gegen die geplante Abbaggerung der Dörfer Pödelwitz und Obertitz protestieren. Am Abend will Sachsens Ministerpräsident Kretschmer dort mit den Groitzschern ins Gespräch kommen. Der sogenannte Bürgerdialog beginnt 19 Uhr im Kinosaal.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 04.03.2019 | ab 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig.

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Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 09:50 Uhr

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2 Kommentare

05.03.2019 19:21 Historiker 2

Der Beitrag wäre noch aussagekräftiger, wenn klar gesagt werden könnte, wie viele Bürger von Pödelwitz jetzt für ihren Ort kämpfen und wie viele das Umsiedlungsangebot schon vor Jahren angenommen haben. Auch wäre es wichtig zu ermitteln, ob die jetzt Kämpfenden erst in den letzten Jahren zugezogen sind. Das Kraftwerk Lippendorf wurde noch vor ein paar Jahren als das modernste Braunkohlenkraftwerk der Welt gepriesen. War das eine Falschinformation? Kanzler Schröder (SPD) lobte im Jahr 2000 das Werk als Spitzenleistung.

05.03.2019 00:15 Wikreuz 1

Man soll bitte zu erst klären ob in Polen an der Grenze zu u Deutschland die dann notwendigen Kohlekraftwerke schon gebaut sind. Man soll also über eine Schienenverbindung nachdenken, die Kohle und Arbeitskräfte schnell nach Polen bringt. Das Co2 kommt ja nicht wie bei der Produktion von Batterien für E-Autos über die Grenze!

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