09.02.2020 | 09:10 Uhr Studie: Rund zwölf Prozent der Leipziger Kinder sind übergewichtig

Forscher des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) Adipositaserkrankungen der Universitätsmedizin Leipzig haben das Ernährungsverhalten von über 1.200 Kindern an Leipziger Schulen untersucht. Aus der Studie sollen Rückschlüsse auf die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas gezogen werden. Erste Ergebnisse zeigen: Rund zwölf Prozent der Schüler sind übergewichtig.

Ein dickes Kind
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Was essen Kinder in der Schulzeit? Wer nutzt die Schulkantine und wer kauft sich vom Taschengeld das Mittagessen im nahegelegenen Supermarkt? Antworten auf diese Fragen gibt die neue Schulernährungsstudie der Universitätsmedizin Leipzig. Krankhaftes Übergewicht wird durch viele Faktoren erzeugt. Neben der Genetik und biologischen Faktoren spielt auch die soziale Umwelt eine Rolle.

"Wir fokussieren uns auf die Verhältnisse der Ernährungsumwelt im Schulkontext", sagt Tobias Lipek, Leiter der Leipziger Schulernährungsstudie. "Das Erkennen veränderbarer Einflüsse ist wichtig, um eine gesundheitsförderliche Lebenswelt in Schulen für alle Kinder zu gestalten."

1.215 Kinder an 41 Schulen untersucht

Die Wissenschaftler untersuchten dazu 1.215 Kinder an 41 Leipziger Schulen. Es nahmen Schüler der Klassenstufe vier, sechs, sieben und acht teil. Im Zeitraum von Sommer 2018 bis Sommer 2019 wurden die Kinder gewogen und vermessen. Zusätzlich beantworteten sie Fragen über ihre Ernährung, ob sie an der Spulspeisung teilnehmen und wofür sie ihr Taschengeld ausgeben. Weiterhin analysierten die Wissenschaftler die Speisepläne der Schulessensanbieter und erstellten für jede Schule eine Karte mit allen Lebensmittelläden im Umkreis von 800 Metern. Hier sollten die Kinder einzeichnen, wo sie Lebensmittel während der Schulzeit einkaufen und welche.

Schulessen
Kinder, die regelmäßig an der Schulspeisung teilnehmen, sind seltener übergewichtig. Bildrechte: colourbox

Zwölf Prozent der Kinder haben Übergewicht

Wie die Studie zeigte, sind rund zwölf Prozent der untersuchten Kinder übergewichtig oder adipös, also krankhaft fettleibig. Dieser Wert decke sich mit den Erkenntnissen anderer deutschlandweiter Studien, so die Forscher. 67 Prozent der Schüler gehen regelmäßig in die Schulspeisung. "Die absoluten Zahlen zeigen, dass unter den Schülern, die regelmäßig in der Schulkantine essen, weniger übergewichtige Kinder sind als unter denen, die nicht teilnehmen", sagt Peggy Ober, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin des Projekts. Es sei eine Tendenz zu sehen, dass Kinder, die nicht an der Schulspeisung teilnehmen, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, übergewichtig zu werden.

Was ist Adipositas? Der lateinische Begriff Adipositas bedeutet starkes oder krankhaftes Übergewicht, oft wird er auch als "Fettleibigkeit" übersetzt. Ein grobes Maß dafür ist der Body-Mass-Index. Mit zunehmendem Übergewicht steigt das Risiko für Erkrankungen, die mit der Adipositas zusammenhängen.

53 Prozent aller erwachsenen Deutschen sind übergewichtig, 16 Prozent sogar adipös. Bei den Kindern und Jugendlichen sind rund 15 Prozent übergewichtig, sechs Prozent sind bereits adipös.

Sechs von zehn Anbietern der Schulspeisung erfüllen mit ihren Speiseplänen in Leipzig mindestens 60 Prozent der freiwilligen Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die Schüler wählten in der Studie aber zu selten Menüs mit Vollkornprodukten, Gemüse und Fisch. Stattdessen griffen sie zu oft zu Fleischgerichten. Die Analyse zeigt zudem, dass die Qualität des Essens vom Preis abhängig ist.

Neun Prozent essen an Schultagen kein Frühstück

Rund neun Prozent der untersuchten Kinder essen meistens kein Frühstück an Schultagen, knapp sechs Prozent essen es nie. "Wir haben gesehen, dass der Anteil übergewichtiger Schüler unter den nicht frühstückenden höher war", sagt Ober. Was die Ursache dafür ist, können die Forscher aber nicht sagen.

Unsere Zahlen zeigen, dass die Schüler, denen viel Taschengeld zur Verfügung steht, häufiger in die umliegenden Geschäfte gehen und Lebensmittel kaufen.

Tobias Lipek Leiter der Leipziger Schulernährungsstudie

Laut den Ergebnissen der Studie verfügen die Leipziger Schüler im Schnitt über 15,37 Euro Taschengeld im Monat. Kinder, die nicht an der Schulspeisung teilnehmen, gehen davon öfter in den umliegenden Geschäften Lebensmittel kaufen. Diese sind oft ungesünder als die angebotene Schulspeisung. Eine bessere Akzeptanz und höhere Teilnahme am Schulessen würde laut den Forschern zu einer verbesserten Kindergesundheit beitragen.

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Quelle: MDR/al

2 Kommentare

Elsburg vor 37 Wochen

... völlig richtig, Danke!
Elterliche Verantwortung steht immer +andauernd an oberster Stelle, d.h. gilt für
24h/tgl +365Tage'p.a.!

Als Eltern= tgl.Vorbild ~ab Geburt~ dürfen wir nie Wasser predigen +selbst nur Wein trinken.

Schon auf der Wickelkomode liegend, werden Eltern sehr genau beobachtend fixiert +folglich als Vorbild adaptiert in vielen Bewegungsabläufen; sie halten daraus abgeguckt uns praktisch nachahmend den Spiegel vor Augen ~ +sogar sehr intelligent~ >spiegelbildlich< !

Mit dem beginnenden Sprechen werden dann alle Bezugspersonen zum Vorbild-Sprachlabor ...

... bis sich die Kinder bzgl Eltern beginnen ggf fremd zu schàmen, weil sie ihren eigenen Geschmack entwickeln wollen - wie im Werdegang diverse Trotzphasen ... die wir Eltern achtsam respektie-rend entspannt freundlich zur Kenntnis nehmen sollen +einfühlsam inGesprächen die Abwägungen inhaltlich heraus-finden +freundlich ggf widersprüche aufzeigend verdeutlichen - advokatus diaboli !

Allen viel Erfolg!

Chemnitzer vor 37 Wochen

Scheint gut zu wirken, Intervalltraining. Auf jeden Fall können sich Eltern nicht aus der Verantwortung schleichen. Gemeinsamer Sport und am WE kleine Wanderungen in der Natur, das wäre ein guter Anfang. Hausarbeit ist nicht das Wichtigste. Wir haben jedes WE in der Sportgemeinschaft verbracht.In der DDR und waren nicht dick.

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