Tag des Handwerks Sachsens Handwerker zwischen Nachwuchssorgen und Optimismus

Ein Mann hält eine Dachschindel in der Hand.
Seit es Dächer gibt, gibt es auch das Handwerk des Dachdeckers. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zum mittlerweile zehnten Mal hat am Sonnabend der "Tag des Handwerks" stattgefunden. Auf Bundesebene wurde der Tag nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks online begangen. Ein 24-Stunden-Videoprojekt zeigt dabei das Leben von verschiedenen Handwerkerinnen und Handwerkern. Die Handwerkskammer zu Leipzig hat hingegen an ihrem bewährten "Marktplatz der Vielfalt" festgehalten. Am Nachmittag kamen auf dem Augustusplatz etwa 60 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Handwerksinnungen - natürlich mit Abstand - zusammen und stellten ihre Gewerke vor.

Zehn Prozent weniger neue Lehrverträge als im Vorjahr

Unter anderem zeigten Schmiede, Friseure, Seiler und Dachdecker, was sie mit ihrer Hände Arbeit schaffen. Vor allem aber dient der "Tag des Handwerks" dazu, das akute Nachwuchsproblem der Handwerksbranche anzugehen. Wie die Dachorganisation Sächsisches Handwerk auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, sind bis Ende Juni dieses Jahres für das aktuelle Ausbildungsjahr 2.371 neue Lehrverträge in Sachsen geschlossen worden. Das sind 258 weniger als im Vorjahr - ein Minus von knapp zehn Prozent.

Vorurteil des unmodernen Handwerks

Der Chef der Handwerkskammer zu Leipzig, Volker Lux, ist dennoch optimistisch, denn das Interesse am Handwerk wachse und es finde ein Umdenken statt. Das Vorurteil, Handwerk sei unmodern, gelte schon lange nicht mehr: "Im Handwerk wird mittlerweile vielfach auch mit Medien und dem Internet gearbeitet", sagte Lux MDR SACHSEN.

Junge Menschen fordern Wertschätzung für ihre Arbeit

Ein weiteres Vorurteil über das Handwerk seien strenge Hierarchien zwischen Meistern und Gesellen. Dazu passe der Spruch: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre". Doch auch das, sagte der Leipziger Handwerkschef, sei nicht mehr so.

Junge Menschen fordern einen wertschätzenden Führungsstil und flexible Arbeitszeiten ein. Das ist im Handwerk jederzeit möglich.

Volker Lux Chef der Handwerkskammer zu Leipzig

Darüber hinaus, so Lux, ist Handwerk ein erfüllender Beruf. Am Ende stehe ein zufriedener Kunde, der sich bedankt, lächelt und ein Trinkgeld gibt: "Das ist Wertschätzung".

Eine Frau arbeitet an einer Perücke.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Sächsische Handwerk Im Freistaat Sachsen sind über 56.000 Handwerksbetriebe registriert. Im zulassungspflichtigen Handwerk sind am stärksten das Elektro- und Metallgewerbe vertreten. Im zulassungsfreien Handwerk dominieren in Sachsen Glas- und Keramikgewerbe. Insgesamt sind mehr als 300.000 Menschen im Freistaat in Handwerksberufen beschäftigt.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.09.2020 | 10:00 - 13:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 19.09.2020 | 19:00 Uhr

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