Ein Mann hat bei einem Warnstreik vor dem roten Verdi-Logo eine Trillerpfeife im Mund.
Bildrechte: dpa

Tarifverhandlungen abgebrochen Helios Herzzentrum Leipzig: Zeichen stehen auf Streik

Seit vergangenem Herbst wird am Helios Herzzentrum in Leipzig um höhere Löhne gerungen. Doch auch die dritte Tarifverhandlung zwischen der Helios Klinik und der Gewerkschaft Verdi blieb ergebnislos. Nun wird wohl in Leipzig bald gestreikt.

Ein Mann hat bei einem Warnstreik vor dem roten Verdi-Logo eine Trillerpfeife im Mund.
Bildrechte: dpa

Auch nach der dritten Verhandlungsrunde konnte am Herzzentrum Leipzig kein Tarifergebnis erzielt werden. Wie die Gewerkschaft Verdi am Sonnabend mitteilte, liegen alle Arbeitgeberangebote weit unter den gestellten Forderungen. Dem widerspricht das Herzzentrum und wünscht sich eine Fortsetzung der Gespräche. Unabhängig davon hat die Tarifkommission Warnstreiks beschlossen, die nun vorbereitet werden.

Eine andere Wahl lässt uns die andere Seite nicht.

Bernd Becker Verdi-Verhandlungsführer

Ab wann gestreikt werden soll, ist noch nicht klar. "Es wird aber zeitnah den Ausstand geben", sagte Bernd Becker MDR SACHSEN.

Zehn Prozent mehr gefordert

Verdi fordert für die 800 Beschäftigten des Helios Herzzentrums Leipzigs für 2018 und 2019 eine Lohnsteigerung von insgesamt zehn Prozent. Laut Gewerkschaft liegen die aktuellen Einkommen im Durchschnitt bei 90 Prozent des Tarifniveaus im öffentlichen Dienst (TVöD). Eine Pflegefachkraft mit Fachweiterbildung verdient im Monat ca. 400 Euro weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen, die auf der Basis des Tarifvertrages bezahlt werden.

Die Arbeitgeber haben zuletzt folgendes Angebot vorgelegt:
- 2018: Null Prozent
- 2019: Fünf Prozent
- 2020: Zwei Prozent
Darüberhinaus sollen Pflegekräfte ab 2019 eine Pflegezulage von monatlich 145 Euro erhalten.

Verdi: Angebot bringt uns nicht weiter 

Mit diesem Angebot würde man am Ende der Laufzeit weiterhin zehn Prozent hinter dem Ziel liegen, die Löhne endlich nach 30 Jahren an das Westniveau anzugleichen, erklärt Bernd Becker. "Unverständlich und völlig unakzeptabel ist, dass es für 2018 eine Nullrunde geben und die Laufzeit des Gesamtpaketes über 30 Monate betragen sollen." Alle Vorschläge der Verdi-Tarifkommission seien von der Arbeitgeberseite abgelehnt worden, mit der Begründung diese seien nicht finanzierbar. Becker stellte das in Frage, denn die Arbeitgeber blieben den Beweis schuldig, dass die Forderungen nicht finanzierbar seien.

Daher gehen wir davon aus, dass die wirtschaftliche Situation, so wie in den letzten Jahren, sehr gut ist und unsere Forderungen realisierbar sind.

Bernd Becker Verdi-Verhandlungsführer

Einseitiger Verhandlungsabbruch für Helios völlig unverständlich

Der Eingang des Helios Herzzentrums am Stadtrand von Leipzig
Im Helios Herzzentrum Leipzig arbeiten 860 Mitarbeiter im nichtärztlichen Dienst. Bildrechte: dpa

Beim Helios Herzzentrum in Leipzig herrscht unterdessen Ratlosigkeit darüber, warum Verdi die Tarifverhandlungen abgebrochen hat. "Wir bedauern den einseitigen Abbruch durch die Gewerkschaft. Wir haben unserem Partner ein attraktives Angebot unterbreitet, nach dem unsere Pflegerinnen und Pfleger Lohnsteigerungen über die geforderten zehn Prozent hinaus erhalten sollen", erklärt Helios-Sprecher Stefan Möslein auf Nachfrage von MDR SACHSEN.

Das aktuelle Angebot der Klinik sieht für die nichtpflegenden Beschäftigten eine geringere Lohnerhöhung vor. Es handelt sich dabei um rund ein Drittel der Mitarbeiter, die ohne Zulage nur rund sieben Prozent mehr Geld bekommen würden.

Wir sind bereit, Verhandlungen zu führen und möchten die bereits vereinbarten Gespräche fortführen.

Stefan Möslein Sprecher des Herzzentrums Leipzig

Aus Sicht des Herzzentrums seien die Tarifverhandlungen bisher konstruktiv gewesen und man habe das Angebot in jeder Verhandlungsrunde verbessert. Man hofft deshalb, dass es nicht zum Warnstreik kommt, sondern die Gespräche mit Verdi fortgesetzt werden können.

"Sollte es dennnoch zu einem Streik kommen, werden wir alles daran setzen die Auswirkungen auf unsere Patienten so gering wie möglich zu halten", sagt Kliniksprecher Möslein.

Quelle: MDR/bb/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.01.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2019, 15:16 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

13.01.2019 14:23 eckhard schuck 5

Durch das Gerassel und Gepfeife wird ein Gemeinschaftsgefühl augebaut, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Sehr wichtig im Streik! Wir, die Kollegen in Damp, können das bestätigen. Wir wünschen Euch viel Kraft und Mut.

13.01.2019 11:02 Eva 4

Schade,dass der MDR nur über die Tarifverhandlungen des Herzzentrums berichtet- wird doch zeitgleich auch für das Parkklinikum verhandelt,welches nochmal mehr Mitarbeiter beschäftigt. Die Mitarbeiter dort hoffen im ersten Schritt auf Angleichung der Löhne ans Herzzentrum,denn dort erhalten die Kollegen für die gleiche Arbeit vom gleichen Arbeitgeber um die 10 % mehr Geld. Im nächsten Schritt wären weitere 10% mehr Lohn fällig,um eine Angleichung an TVöD wenigstens tendenziell zu erreichen... Eine Schande,dass das größte Klinikum der Region sich erlauben kann,so mit seinen Mitarbeitern umzugehen,trotz Pflegenotstand!

13.01.2019 10:18 Vivien Kain 3

Sehr schade finde ich, dass auf die Missstände im Helios Park Klinikum in diesem Artikel nicht eingegangen wird. Im Zentrum für seelische Gesundheit, Sachsens größter psyiatrischer Versorger, liegt im Einkommen noch weitere 10% hinter dem Gehalt im Helios Herzzentrum, und somit 20% hinter dem TVöD! Wieso geht die Readkation in ihrem Artikel nicht auf die Ungerechtigkeit ein, dass in einem Unternehmen solche Unterschiede für gleiche Tätigkeit herrschen?

12.01.2019 22:46 Paule 2

Streik ok, aber was sollen immer wieder die kindischen Pfeifen und Rasseln? Kindergarten mittlere Gruppe.

12.01.2019 22:05 Leopold Breuer 1

Das Arbeitgeberangebot ist tatsächlich mit der Nullrunde etwas fragwürdig, aber gleich 10 %? Und wer kümmert sich um die Patienten. Zumindest die Lebenswichtige Versorung muss über eine Notdienstversorgung stehen bleiben.

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen