Junge Frau mit Migräne
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12.09.2019 | 06:00 Uhr Wenn der Kopf zu platzen droht

Etwa vier bis fünf Prozent aller Deutschen leiden unter täglichen Kopfschmerzen, rund 70 Prozent weisen anfallsweise oder chronische Kopfschmerzen auf. Um Patienten künftig besser gerecht zu werden, plant das St. Georg-Klinikum Leipzig Anfang November eine ambulante Sprechstunde. Anlässlich des Europäischen Kopfschmerztages startet das St. Georg am Donnerstag eine Telefonaktion rund zum Thema Migräne. Fragen dazu wird Dr. Torsten Kraya, Chefarzt der Klinik für Neurologie, beantworten. MDR SACHSEN hat im Vorfeld mit ihm gesprochen.

Junge Frau mit Migräne
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Herr Kraya, welche Arten von Kopfschmerzen gibt es eigentlich?

Wir unterscheiden zwei große Gruppen. Das eine sind die primären Kopfschmerzen. Im weitesten Sinne die angeborenen, die seit der Kindheit oder Jugend bestehen, wo der Kopfschmerz die eigentliche Erkrankung darstellt. Dazu zählen der Spannungskopfschmerz und die Migräne als die häufigsten Formen. Und ganz besonders schlimm für die Betroffenen ist der Clusterkopfschmerz, die Schmerzen sind hierbei oft extrem, treten spontan auf und die Anfälle sind sehr häufig. Und als zweites unterscheiden wir die sekundären Kopfschmerzen, wo der Schmerz nur ein Symptom einer anderen Erkrankung ist. Zum Beispiel sie haben einen Schlaganfall und begleitend dazu treten Kopfschmerzen auf, dann ist die Therapie des Schlaganfalls entscheidend und nicht die der Kopfschmerzen. Aber auch eine bakterielle Entzündung der Nerven, Wassermangel, Verletzungen an Hals, Nase, Ohren und Zähnen oder Entzugserscheinungen können unter anderem zu sekundären Kopfschmerzen führen.

Welcher Kopfschmerz kommt denn am häufigsten vor?

Die häufigsten Kopfschmerzen sind die des Spannungstyps. Die Patienten sagen, es ist ein beidseitiger Kopfschmerz, der nicht so stark ist. Diese Schmerzen haben sehr viele Menschen, ein oder mehrmals in ihrem Leben. Das führt aber die Patienten nicht zum Arzt, weil es sie nicht so stark beeinträchtigt. Im Gegensatz dazu die Migräne. Die beeinträchtigt den Alltag der Patienten erheblich. Manchmal sind es solche Schmerzen, dass sich die Patienten hinlegen müssen. Körperliche Aktivitäten führen dazu, dass die Beschwerden zunehmen, Übelkeit und Erbrechen treten auf, man wird Licht- und Lärmempfindlich. Die Clusterkopfschmerzen sind dagegen die stärksten Schmerzen die wir kennen. Davon sind vornehmlich junge Männer betroffen. Das sind Attacken, die sehr kurz anhalten - zwischen 30 Minuten und drei Stunden. So wie sie kommen, mit maximaler Intensität, verschwinden sie wieder. Clusterkopfschmerzen werden immer auf einer Seite lokalisiert. Symptome dafür sind auch tränende Augen und eine laufende Nase. Das heißt, aufgrund der Symptome und der Untersuchung der Patienten kann man schon sehr gut unterscheiden, um welche Form des Kopfschmerzes es sich handelt.

Was hilft denn gegen den Schmerz?

Frau mit Migräne
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Wenn man die Migräne oder die Spannungskopfschmerzen nimmt, dann greifen die meisten Patienten zu den freiverkäuflichen Schmerzmitteln. Sobald der Kopfschmerz los geht, wird empfohlen das Medikament in ausreichend hoher Dosierung zu nehmen, welches man gut verträgt und welches eine gute Schmerzlinderung bringt. Wenn die Patienten damit zufrieden sind, wenn die Schmerzen nur einmal im Monat auftreten, muss man gar keinen Arzt aufsuchen. Haben Patienten häufiger Kopfschmerzen, die mit den normalen Medikamenten nicht zu lindern sind, dann ist es schon sinnvoll, den Arzt aufzusuchen. Bei Migränepatienten gibt es die Möglichkeit spezieller Medikamente, sogenannte Triptane, die anders wirken als die klassischen Schmerzmittel und die nur bei Migräne und dem Clusterkopfschmerz helfen. Es ist also wichtig, dass für jeden Patienten die richtige Therapie gefunden wird. Das ist die Kunst der Ärzte, die passende Therapie für den jeweiligen Kopfschmerz zu finden. Das Ziel muss doch sein, Patienten schnell beschwerdefrei zu bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Migränesprechstunde im St. Georg-Klinikum Fragen zum Thema Migräne beantwortet Dr. Torsten Kraya am Donnerstag telefonisch von 11 bis 14 Uhr. Zu erreichen ist die besondere Sprechstunde des Klinikums St. Georgs unter der Rufnummer 0341-9093700.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.09.2019 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 06:00 Uhr

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