Hunderte Therapeuten demonstrierten in Leipzig. Ihr Weg führte sie auch über den Augustusplatz.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Rund 1.000 Teilnehmer bei Demonstration Therapeuten warnen in Leipzig vor bundesweiter Unterversorgung

Mit kreativen Plakaten und Verkleidungen haben hunderte Therapeuten gegen die desolaten Zustände in ihrer Branche demonstriert. Sie fordern mehr Geld und weniger Bürokratie. Auch die Ausbildung soll verbessert werden, sonst drohe eine Unterversorgung.

Hunderte Therapeuten demonstrierten in Leipzig. Ihr Weg führte sie auch über den Augustusplatz.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Physiotherapeuten, Podologen und Masseure aus der ganzen Bundesrepublik haben in Leipzig für bessere Arbeitsbedingungen in ihrer Branche demonstriert. Nach Angaben des Veranstalters "Vereinte Therapeuten" sollen sich knapp 1.000 Menschen am Protestzug beteiligt haben. Der Interessenverband hatte parallel zur Fachmesse "therapie Leipzig" zur Demonstration aufgerufen.

"Es geht um die finanzielle Verbesserung unserer Therapieberufe, um eine Entbürokratisierung, um die bundeseinheitliche Schulgeldfreiheit und Mitbestimmungsrecht im gemeinsamen Bundesausschuss", sagt Thomas Etzmuß, Vorsitzender des Therapeutenverbandes. Finanziell lohne sich der Beruf kaum noch. Momentan müsse man mit weniger als einem Euro pro Therapieminute rechnen. "Und da sprechen wir von Umsatz. Da können sie nochmal einiges abziehen." Realistisch sei ein Minutensatz von etwa 1,50 Euro, um auch künftig angemessene Löhne in der Branche zahlen zu können.

Kreativer Protest in Leipzig Therapeuten wollen mehr Geld und weniger Bürokratie

Mit Transparenten, Verkleidungen und Plakaten haben sich die Therapeuten zu hunderten in Leipzig Luft gemacht. Sehen Sie hier Eindrücke von der Veranstaltung.

Mit einem großen Demonstrationszug haben hunderte Therapeuten auf die Situation in ihrer Branche aufmerksam gemacht.
Mit einem großen Demonstrationszug haben hunderte Therapeuten auf die Situation in ihrer Branche aufmerksam gemacht. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Mit einem großen Demonstrationszug haben hunderte Therapeuten auf die Situation in ihrer Branche aufmerksam gemacht.
Mit einem großen Demonstrationszug haben hunderte Therapeuten auf die Situation in ihrer Branche aufmerksam gemacht. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Kreativer Protest - viele Therapeuten ließen sich etwas einfallen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Kreativer Protest - viele Therapeuten ließen sich etwas einfallen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Zwei Podologinnen aus Hessen haben sich für den Protest extra Kostüme gebastelt.
Zwei Podologinnen aus Hessen haben sich für den Protest extra Kostüme gebastelt. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Die Ausbildung ist ein großes Problem für Therapeuten. Sie müssen die Schulkosten selbst zahlen und bekommen keinen Lohn, auch wenn sie bereits Praktika absolvieren müssen.
Die Ausbilung ist ein großes Problem für Therapeuten. Sie müssen die Schulkosten selbst zahlen und bekommen keinen Lohn, auch wenn sie bereits Praktika absolvieren müssen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Die Therapeuten wünschen sich auch mehr Mitsprache in der Bundespolitik.
Die Therapeuten wünschen sich auch mehr Mitsprache in der Bundespolitik. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Eine Rockband empfing den Demonstrationszug auf dem Leipziger Marktplatz.
Eine Rockband empfing den Demonstrationszug auf dem Leipziger Marktplatz. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Alle (6) Bilder anzeigen

Bürokratiewahnsinn und hohe Ausbildungskosten

Eine kleine Umfrage unter den Demonstranten zeigte, dass sich Therapeuten aus der ganzen Republik beteiligt haben. Ihre wichtigsten Anliegen sind ganz unterschiedlich: "Ich komme aus dem Main-Taunus-Kreis und demonstriere insbesondere gegen den Bürokratiewahnsinn. Wir werden praktisch davon abgehalten, unsere Patienten so zu behandeln, wie es eigentlich notwendig wäre." – "Ich komme aus Regensburg und es kann nicht sein, dass wir so viel in die Ausbildung investieren müssen und später noch mehr Geld für Zusatzqualifikationen bezahlen müssen." – "Ich bin Ergotherapeutin aus Leipzig und bin für Ausbildungsvergütung und nicht nur Schulgeldfreiheit. Da liegt der Unterschied."

Thomas Etzmuß, Vorsitzender des Verbands "Vereinigte Therapeuten" führte den Demonstrationszug an.
Thomas Etzmuß ist Vorsitzender des Verbands "Vereinigte Therapeuten" und führte den Demonstrationszug in Leipzig an. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Vom Nikolaikirchhof über den Augustusplatz und den südlichen Stadtring sind die Demonstranten zum Marktplatz gezogen. Kurzzeitig musste die Polizei dafür Straßen absperren. Immer vornweg lief Thomas Etzmuß mit dem Megafon und animierte den Zug zu Sprechchören und Trillerpfeif-Konzerten. Am Alten Rathaus war dann bereits eine große Bühne aufgebaut und eine Rockband empfing die demonstrierenden Therapeuten.

"Das Signal geht heute deutlich an die Politik und ist eine Sensibilisierung in der Öffentlichkeit für die Probleme von uns Therapeuten", sagt der Verbandsvorsitzende Etzmuß. "Wir haben schon Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Wenn es keine Therapeuten mehr gibt, dann sind die Patienten irgendwann nicht mehr versorgt."

Unterstützung aus der Politik

Zuspruch bekommen die Therapeuten auch aus der Politik. Der CDU-Gesundheitspolitiker Roy Kühne hat Verständnis für den Frust der Branche. "Die Geduld der Berufsgruppe ist einfach zu Ende. Die Entlohnung der Therapeuten ist weit unter dem, was sonst vergleichsweise in Gesundheitsberufen gezahlt wird", sagte der Politiker dem MDR. "Aufgrund der Situation arbeiten 25 Prozent der Therapeuten, die man eigentlich braucht, nicht in ihrem Beruf."

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.03.2019 | 18:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Immer gute Laune und einen kecken Spruch auf den Lippen: so mögen die Kunden Bärbel Rosenberg, die Zeitungsverkäuferin aus WK I. + Video
Immer gute Laune und einen kecken Spruch auf den Lippen: so mögen die Kunden Bärbel Rosenberg, die Zeitungsverkäuferin aus WK I. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2019, 21:16 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

09.03.2019 23:20 Maria A. 1

Die Versorgungsqualität dürfte nicht nur in diesem Fall Grund zu großer Besorgnis geben. Es geht im Gesundheitswesen generell bergab. Versucht mal im Bereich Erzgebirgskreis einen Augenarzt zu finden, eventuell für eine dringliche Dauerbetreuung infolge Grünen Stars oder anderer bedrohlicher Augenerkrankungen - fast unmöglich! Oder einen Ersttermin bei einem Hautarzt mit einer Wartezeit unter 6 Monaten "zu ergattern" - sowas dürfte so selten sein, wie ein Fünfer im Lotto... Ja, in manchen Gegenden ist "das Kind bereits in den Brunnen gefallen". Man sollte diese Demonstration somit als begrüßenswerte Aktion verantwortungsvoller Menschen betrachten, die weitere Engpässe abwenden möchten...

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen

Immer gute Laune und einen kecken Spruch auf den Lippen: so mögen die Kunden Bärbel Rosenberg, die Zeitungsverkäuferin aus WK I. + Video
Immer gute Laune und einen kecken Spruch auf den Lippen: so mögen die Kunden Bärbel Rosenberg, die Zeitungsverkäuferin aus WK I. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank