Gedenkkränze liegen am Gedenkstein für die Wehrmachtopfer.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Kundgebung am einstigen Wehrmachtgefängnis Torgau erinnert an Gräuel der Wehrmachtjustiz

In Torgau versammelten sich zahlreiche Menschen, um der Opfer der Wehrmachtjustiz zu gedenken. Im Anschluss an die Kundgebung wurde ein Schülerprojekt vorgestellt. Am Sonntag folgen landesweit Veranstaltungen zum internationalen Holocaust-Gedenktag.

Gedenkkränze liegen am Gedenkstein für die Wehrmachtopfer.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

In Torgau haben dutzende Menschen der Opfer der Wehrmachtsjustiz gedacht. Vor dem ehemaligen Wehrmachtsgefängnis "Fort Zinna" fand eine Gedenkveranstaltung statt, an der auch Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) teilnahm. Sie betonte die Bedeutung des Erinnerns an die Gräuel der NS-Zeit. Dies sei "ein steter Ansporn, das friedliche Miteinander in Europa zu stärken und für die Zukunft zu sichern".

Wir müssen entschieden jeder Form des Antisemitismus und des Rassismus entgegentreten und uns gegen jeden Versuch wehren, unsere Erinnerungskultur zu verunglimpfen

Eva-Maria Stange Sächsische Wissenschafts- und Kulturministerin

Schülerprojekt hat sich mit Vergangenheit beschäftigt

Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes legt einen Krank in Torgau nieder.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Nach der Kundgebung hatte das nahegelegene Dokumentations- und Informationszentrum DIZ Torgau zu einem Empfang geladen. In diesem Rahmen wurde auch ein Schülerprojekt vorgestellt, welches sich mit der düsteren Vergangenheit im Ort beschäftigt.

"Es geht um ein Ausstellungsprojekt über einen einzelnen Wehrmachthäftling, das wir in den letzten Wochen und Monaten mit Torgauer Schülern erarbeitet haben", sagt die Leiterin des DIZ, Elisabeth Kohlhaas. Es zeigt die grauenhaften Umstände, unter denen Menschen in Torgau inhaftiert und hingerichtet wurden. Unterstützt wurde das Projekt auch von der Offiziersschule des Heeres in Dresden.

Was war das "Fort Zinna" in Torgau? Das "Fort Zinna" war zwischen 1939 und 1945 das größte Gefängnis der Wehrmacht im Deutschen Reich. Noch heute steht der vierstöckige Kreuzbau inmitten der örtlichen Justizvollzugsanstalt. Der Bau des Wehrmachtgefängnisses wurde seinerzeit von Adolf Hitler angeordnet. Ausländische Häftlinge aus besetzten Gebieten, deutsche Deserteure und Systemkritiker wurden hier gefoltert und zur Zwangsarbeit abkommandiert. Historiker gehen davon aus, dass rund 1.000 Gefangene in Torgau erschossen wurden. Viele Todesurteile wurden in eine Frontbewährung umgewandelt. Häufig starben die Entsendeten im Kriegseinsatz.

Landesweite Veransaltungen zum Holocaust-Gedenktag

Am kommenden Sonntag finden anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages zahlreiche Veranstaltungen im Freistaat statt. Im Dresdner Landtag ist eine Gedenkfeier geplant. Die eigentliche Gedenkrede wird der Freiburger Historiker Ulrich Herbert halten.

Eine Übersicht über die Gedenkveranstaltungen finden Sie hier:

Quelle: MDR/cg/rk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Fernsehen | 25.01.2019 | 19:00 Uhr im SACHSENSPIEGEL

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 18:55 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen