Fotokosmos auf der Touristik & Caravaning auf der Messe Leipzig
Fotograf Maximilian Muench berichtet von seiner Islandreise Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Touristik & Caravaning Reiseblogger bringen die Welt nach Leipzig

Die Outdoor Messe "Fern.Licht" hat sich gewandelt: Mit Fokus auf Fotografie wagt man einen Neuanfang. Das Fotohaus Klinger veranstaltet in diesem Jahr im Rahmen der Touristik und Caravaning den "Fotokosmos". Workshops, Seminare und Reiseberichte in der Glashalle der Neuen Messe ziehen viele Reisefotografen an. Auch zahlreihe Reiseblogger sind nach Leipzig gekommen, um von ihrer Leidenschaft erzählen.

Fotokosmos auf der Touristik & Caravaning auf der Messe Leipzig
Fotograf Maximilian Muench berichtet von seiner Islandreise Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Jan Wohlleben hat sich vor zwei Jahren auf den Weg gemacht. Der Leipziger kündigte seinen Job und zog los – einmal rund um die Welt. "Ich hatte vor zehn Jahren die Idee, die Welt zu bereisen – und zwar richtig. Nach dem Abitur bin ich nach Sydney gereist. Als ich aus dem Flugzeug ausstieg, hab ich auf meine Füße geschaut und gedacht: 'Krass, jetzt bist du am anderen Ende der Welt, meine Familie steht kopfüber auf der anderen Seite, aber eigentlich hast du die letzten 30 Stunden nur gegessen und geschlafen und hast alles verpasst.'"

Einmal um die Welt

In diesem Moment keimte in ihm der Wunsch auf, die Welt zu sehen und dabei alle Distanzen wahrzunehmen – ohne Flugzeug. "Wenn man dann überlegt, wie die alten Seefahrer und Entdecker gereist sind und sich jahrelang geplagt haben, um hier anzukommen, wie sie alle Distanzen wahrgenommen haben, hatte ich das Gefühl etwas verpasst zu haben. Da kam mir die Idee: Beim nächsten Mal machst du es richtig."

Gesagt, getan

Die nächsten Jahre verbrachte er damit, seine Pläne in die Tat umzusetzen. "In meinem Zimmer hing eine Weltkarte, auf der ich die Orte, die ich sehen wollte, über die Jahre angepinnt hatte. Dann hab ich die einfach verbunden mit dem Stift und gesagt: Das ist jetzt meine Route. Dann hab ich kalkuliert und geplant und schließlich meinen Job gekündigt."

Fotokosmos auf der Touristik & Caravaning auf der Messe Leipzig
Von Leipzig aus um die Welt: Jan Wohlleben schreibt in seinem Blog "Take a Walk" über Erlebnisse auf seiner Weltreise. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Ich habe mir gedacht: Jetzt ist der Moment, jetzt will ich aufhören, die Ziele anderer zu verwirklichen. Jetzt sind meine eigenen dran.

Jan Wohlleben Reiseblogger

48 Länder in 20 Monaten

Knapp zwei Jahre war er unterwegs, dann musste er eine unfreiwillige Pause einlegen. Ein Trauerfall in der Familie zwang ihn zur Rückkehr. Aber im Februar soll es wieder losgehen. Das Ziel: Südafrika. Von dort will er zurück nach Leipzig reisen, um im nächsten Jahr seine Eindrücke zu schildern und vielleicht ein Buch oder einen Dokumentarfilm mitzubringen.

Partnersuche

In Zusammenarbeit mit dem Fotohaus Klinger veröffentlicht Wohlleben derweil seine Erlebnisse auf seiner Reise durch 48 Länder auf einem Blog und erzählt davon auf der Messe. Im Gegenzug unterstützen sie ihn mit Fotoequipment und Know-How.

Bisher reist der 31-Jährige von seinen Ersparnissen, aber sein Blog spricht sich rum und er könnte sich vorstellen, seinen Lebensunterhalt mit Workshops, Ausstellungen, Lesungen und Filmen zu verdienen. "Wenn was dabei rumkommt, ist es schön, wenn nicht: Die kommenden Generationen sollen ja etwas davon haben."

Wenn man seinen eigenen Traum verwirklicht, sollte das Geld zweitrangig sein.

Jan Wohlleben Reiseblogger

Vom Harz in die Welt

Maximilian Muench ist da schon weiter. Der 26-Jährige Chemnitzer ist ein Star in der Fotografenszene. Vor vier Jahren hängte er seine Karriere als Pianist an den Nagel und begann, professionell zu fotografieren. Dafür entdeckte er die damals noch recht neue App Instagram. "Ich musste raus und bin damals in die Natur geflohen und habe im Harz angefangen, Fotos zu machen und sie auf Instagram hochzuladen. Daraus hat sich dann recht schnell ein Business entwickelt."

Fotokosmos auf der Touristik & Caravaning auf der Messe Leipzig
Hunderttausende Follower: Fotograf Maximilian Muench aus Chemnitz Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Austausch wichtig

Besonders geholfen hat ihm dabei der Austausch mit anderen. Er lernte viel von anderen Instagrammern über Organisation und Marketing und schloss sich mit 14 anderen Fotografen zu dem Kollektiv "German Roamers" zusammen, die unter anderem für den Tourismusverband Sachsen fotografieren. Gerade war er im Auftrag eines großen Kameraherstellers mit vier international anerkannten Kollegen in Island, um die wilden Pfade der Insel zu erforschen und festzuhalten.

Bei Instagram hat er zwischenzeitlich mehr als eine halbe Millionen Abonnenten und reist 220 Tage im Jahr um die Welt. Schlaf ist dabei Nebensache. Wichtig sei ihm bei seiner Arbeit nicht die Technik, sondern das Motiv, sagt der Landschaftsfotograf. Und der bewusste Umgang mit der Natur. "Man ist ein Teil des Ganzen und hinterlässt möglichst keine Spur."

Fotokosmos auf der Touristik & Caravaning auf der Messe Leipzig
Viele Besucher hören gebannt zu, wie Muench von seinen Reisen erzählt. Kopfhörer machten dies leichter. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Geldverdienen mit Instagram

Fotokosmos auf der Touristik & Caravaning auf der Messe Leipzig
Bloggerin Anne von Annabelle gibt Tipps für die Wahl der richtigen Plattform. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Daniel Köhler betreut die Blogosphäre beim "Fotokosmos". Der Fotograf aus Leipzig gibt Tipps für angehende Reiseblogger. "Am Anfang steht die Wahl der Plattform. Für viele ist es Instagram, für andere Facebook oder auch der eigene Blog. Wenn der eine gewisse Größe erreicht und der Leserkreis wächst, werden langsam auch die Werbekunden aufmerksam", weiß er. Bei Instagram sind das vor allem Tourismus-Unternehmen. "Ich war diesen Frühjahr für 'Visit Czech Republic' mit vier anderen Instagrammern aus Großbritannien und den USA in Prag, Brünn und Zlin, um die Städte und das Land zu promoten. Wir wurden eingeflogen, bekamen ein bisschen Geld und muss dafür entsprechende Gegenleistungen erbringen, etwa eine bestimmte Anzahl von Posts oder, wenn man einen großen Blog hat, eine Art Reisebericht, Bilder und die Erwähnung, auf wessen Einladung man dort war. Damit verdienen viele Leute aktuell mit Instagram oder Blogs ihr Geld." Fotografen werden oft durch Hersteller von Fotoequipment gesponsert, sagt Köhler. Die Unterstützung reicht von Geräten bis hin zu Honoraren.

Erkenntnisse teilen

Ziel sollte es also erstmal sein, möglichst viele Follower zu finden. Jan Wohlleben spricht mit seinem Konzept die Leser an. "Der Grundgedanke ist: Wir haben mehr gemeinsam, als uns trennt. Ich habe den Menschen auf meiner Reise drei Fragen gestellt. Die ersten beiden haben mich meine Eltern immer gefragt, als ich ein Kind war: Was war das Schönste, was du heute erlebt hast und was war nicht so schön? Die dritte Frage ist: Was ist dein größter Traum? Da gingen die Antworten in eine sehr ähnliche Richtung, egal ob die Menschen aus Guatemala, Kanada oder Mongolei kamen: gesund alt zu werden, die Kinder aufwachsen sehen, viel Zeit mit der Familie zu haben, in Frieden leben, glückliche Momente sammeln, schöne Orte anzugucken, zu reisen und einfach eine gute Zeit zu haben."

Fotokosmos Der "Fotokosmos" hat sich aus der "Fern.Licht" herauskristallisiert, sagt Organisator Florian Manhardt. "Wir haben uns mit der Touristik und Caravaning einen neuen starken Partner gesucht, der uns unterstützt. Wir bestreiten den Fototeil der Messe mit Workshops, Lesungen, Motivinseln, kostenlosen Kamerareinigungen und vielem mehr in der Glashalle der Neuen Messe."

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.11.2018 | ab 8:40 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 20.11.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 25. November 2018, 19:31 Uhr

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