16.05.2020 | 14:12 Uhr Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg gegen Ärztemangel auf dem Land

Ein Schild an einem Haus weist in der kleinen Gemeinde auf eine Arztpraxis hin.
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Die Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg gehen zusammen neue Wege in der Medizinerausbildung. Mit einem langfristig angelegten Projekt soll dem Ärztemangel auf dem Land der Kampf angesagt werden. Nach Angaben der Hochschulen droht mancherorts bereits Unterversorgung. Vor allem Hausärzte, aber zum Beispiel auch Hautärzte, Augenärzte und Kinderärzte, werden dringend benötigt. Auch in kleineren Krankenhäusern in den Regionen macht sich der fehlende Nachwuchs bemerkbar. Mit den vier mitteldeutschen Modellregionen Nordsachsen, Vogtlandkreis, Anhalt-Bitterfeld und Mansfeld-Südharz soll das weiterentwickelte Ausbildungskonzept im Bereich Medizin erprobt werden.

Lehrkonzept soll Abhilfe schaffen

Um Studierende schon während ihres Medizinstudiums für eine Tätigkeit außerhalb der Großstädte zu begeistern, haben die Medizinischen Fakultäten der beiden Universitäten das Lehrkonzept "MiLaMed" entwickelt. Der Begriff steht für "Mitteldeutsches Konzept zur longitudinalen Integration landärztlicher Ausbildungsinhalte und Erfahrungen in das Medizinstudium". Mit dem Projekt MiLaMed werde die Medizinerausbildung im Großraum Leipzig/Halle um elementare Inhalte und mehr Praxisbezug außerhalb der Ballungsräume erweitert, erklärte Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow.

Gleichzeitig geht das Projekt auch neue, digitale Wege - zum einen in der Art und Weise wie die Ausbildungsinhalte vermittelt werden, zum anderen soll künftig auch die Telemedizin Teil des Ausbildungsplanes sein.

Sebastian Gemkow Sächsischer Wissenschaftsminister

Ein Ziel der Neuausrichtung des Medizinstudiums im Projekt MiLaMed ist die frühe Anbindung an Haus- und Facharztpraxen im ländlichen Raum.

"Rundum-Sorglos-Paket"

Ein Jahr lang wurde das Projekt MiLaMed vorbereitet. Studierende und Ärzte wurden befragt, Gespräche mit Landratsämtern und Bürgermeistern geführt, Rahmenbedingungen für Praktika verhandelt, Arztpraxen und Krankenhäuser als Praktikumsanbieter angeworben.
Um die Ausbildung auf dem Land Studierenden attraktiv zu machen, können anfallende Kosten, etwa für Fahrt und Unterkunft, über MiLaMed übernommen werden. Auch die teilnehmenden Kommunen und Landkreise werden die Studenten unterstützen, etwa bei der Unterkunftssuche, Mobilität vor Ort oder der Finanzierung von Freizeitaktivitäten.

Das Projekt, das vom Bundesgesundheitsministerium gefördert und vom Sächsischen Wissenschaftsministerium unterstützt wird, wird zunächst über zwei Jahre erprobt und wissenschaftlich evaluiert. Eine anschließende Fortsetzung und Erweiterung auf weitere Landkreise wird angestrebt.

Medizinische Ausbildung in Leipzig und Halle-Wittenberg Die Medizinische Fakultät der Uni Leipzig ist mit rund 3.400 Studierenden die größte Ausbildungsstätte für Studierende der Human- und Zahnmedizin sowie die einzige für Pharmazie in ganz Sachsen. Weiterführende Studien-Angebote für den haus- und landärztlichen Nachwuchs sind breit aufgestellt.

An der Medizinischen Fakultät der Uni Halle-Wittenberg werden die Studiengänge Medizin, Evidenzbasierte Pflege, Gesundheits- und Pflegewissenschaft sowie - als einziger Studienort in Sachsen-Anhalt - Zahnmedizin angeboten.

Quelle: MDR/bb

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