14.06.2020 | 20:00 Uhr Sachsen setzen mit Menschenketten und Autokorso Zeichen gegen Ausgrenzung

Um ein Zeichen für eine antirassistische, soziale und klimagerechte Gesellschaft zu setzen, haben sich am Sonntag in Sachsen Tausende an Menschenketten durch die Innenstädte beteiligt. Aktionen gab es in Leipzig, Chemnitz und Plauen. An der B96 stellte sich ein Autokorso gegen die seit Wochen andauernden Proteste gegen die Coronabeschränkungen.

#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Trotz Dauerregens knüfpten die Leipziger ein "Band der Solidarität". Bildrechte: Tim Wagner

Am Sonntag haben sich in mehreren sächsischen Städten tausende Bürgerinnen und Bürger zu Menschenketten zusammengeschlossen. Zum sogenannten "Band der Solidarität" hatte das bundesweit organisierte Bündnis #unteilbar aufgerufen, um ein Zeichen für eine antirassistische, soziale und klimagerechte Gesellschaft zu setzen. In insgesamt elf deutschen Städten schlossen sich Menschen der Aktion an - darunter in Leipzig, Chemnitz und Plauen.

Corona-Krise als Anlass

Anlass der Aktion waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Diese träfe Jeden, "doch bei Weitem nicht alle gleich. Was vorher ungerecht war, wird in der Krise noch ungerechter", hieß es im Aufruf. Weltweit seien immer mehr Menschen in ihrer Existenz bedroht und hätten keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Aus diesem Grund müsse jetzt ins Gesundheitssystem, in den Klimaschutz und den Kultur- und Bildungsbereich investiert werden, so die Organisatoren. Da jetzt entschieden werde, wer die Kosten der globalen Krise trägt, fordern sie unter anderem bessere Arbeitsbedingungen und Löhne für alle, kostenlose Gesundheitsversorgung sowie eine Demokratisierung der Wirtschaft.

#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Das Motto der bundesweiten Aktion lautete #SoGehtSolidarisch. Bildrechte: Tim Wagner

Tausende im Dauerregen von Leipzig

In Leipzig beteiligten sich trotz Dauerregens Tausende an der Aktion. "Wir gehen davon aus, dass etwa 2.500 bis 3.000 Menschen auf der Straße waren", erklärte #unteilbar-Sprecher Max Becker MDR SACHSEN. Die Polizei spricht dagegen von 1.400 Teilnehmenden. Das "Band der Solidarität" reichte laut Veranstalter vom Volkshaus im Leipziger Süden bis auf die Eisenbahnstraße im Osten der Stadt. Entlang der Strecke standen zahlreiche Menschen, hielten Schilder in die Höhe oder tanzten im Regen. Becker sei sehr erfreut, dass vor allem der coronabedinge Mindestabstand eingehalten wurde. "Wir haben gezeigt, dass wir trotz der Pandemie verantwortungsvoll demonstrieren könne", betonte er.

Bildergalerie "Band der Solidarität" durchzieht Leipzig und Chemnitz

Mit einer Menschenkette in Leipzig und Chemnitz haben tausende Sächsinnen und Sachsen ein Zeichen für eine antirassistische, soziale und klimagerechte Gesellschaft gesetzt.

#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Unter dem Motto #SoGehtSolidarisch hatte das Bündnis #unteilbar bundesweit zum sogenannten "Band der Solidarität" aufgerufen. Die Menschenkette in Leipzig begann im Trockenen. Bildrechte: Tim Wagner
#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Unter dem Motto #SoGehtSolidarisch hatte das Bündnis #unteilbar bundesweit zum sogenannten "Band der Solidarität" aufgerufen. Die Menschenkette in Leipzig begann im Trockenen. Bildrechte: Tim Wagner
#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Kurz darauf begann der Dauerregen. Bildrechte: Moritz Arand
#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Trotz des schlechten Wetters beteiligten sich Tausende an der Menschenkette. Bildrechte: Tim Wagner
#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Das "Band der Solidarität" schlängelte sich auch über den Innenstadtring. Bildrechte: Tim Wagner
#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Teilnehmden ließen sich vom Regen nicht die Laune verderben und tanzten im Regen. Bildrechte: Tim Wagner
#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Am Ende wurde auch aufgeräumt. Bildrechte: Moritz Arand
#unteilbar Menschenkette Leipzig 2020
Auch in Chemnitz bildeten die Menschen am Nischel eine Menschenkette. Bildrechte: Thomas Friedrich
Alle (7) Bilder anzeigen

Neben verschiedenen Gruppen und Organisationen beteiligten sich auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik an der Aktion. Mit dabei waren unter anderem die Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping, Sachsens Justizministerin Katja Meier von den Grünen, Grünen-Landeschef Norman Volger sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Mann.

Menschenkette auch in Chemnitz

In Chemnitz haben sich Reporterangaben zufolge rund 100 Menschen der Aktion angeschlossen. Darunter auch Christin Furtenbacher, Co-Vorsitzende der sächsischen Grünen. Sie erklärte im Interview mit MDR SACHSEN, dass zur Bewältigung der Corona-Folgen gerade viel Geld ausgegeben werde. Es komme jedoch darauf an, dieses richtig einzusetzen. Für Sachsen wünsche sie sich ein mutiges Vorangehen in der Klimapolitik. "Man kann die anstehenden Probleme nicht nacheinander angehen, sondern muss die richtigen Weichen jetzt stellen", so Furtenbacher.

Autokorso Karawane der Vernunft B96
Mit dem Autokorso "Karawane der Vernunft" wollten die Organisatoren darauf hinweisen, dass sich vermehrt Rechtsextreme unter die Protestierenden an der B96 mischen. Bildrechte: xcitepress

Bunter Autokorso gegen Reichsflaggen an der B96

Während in Leipzig und Chemnitz ein Zeichen für Weltoffenheit und Solidarität gesetzt wurde, stellte sich ein Autokorso den sonntäglichen Protesten gegen die Coronabeschränkungen an der B96 entgegen. Unter dem Motto "Karawane der Vernunft - Paradiesvögel statt Reichsadler" wollten sie darauf hinweisen, dass sich vermehrt Rechtsextreme unter den Protest gegen die Corona-Maßnahmen mischen. Entlang der Strecke hielten dann auch Teilnehmer der B96-Proteste Reichsflaggen in die Luft. Eine Beobachtung, die auch der Verfassungsschutz Sachsen schon gemacht hat. "Gerade bei den Demonstrationen entlang der B96 sind übermäßig viele 'Reichsflaggen' zu sehen", heißt es auf Anfrage von MDR SACHSEN. Und weiter: "Darüber hinaus hat die NPD kürzlich damit angefangen, für eine Teilnahme an den Demos zu werben."

Quelle: MDR/mar/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.06.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen