Ausverkauf Karstadt Leipzig
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Schließung Ende Januar Untergangsstimmung bei Karstadt in Leipzig

Im Leipziger Karstadt herrscht Endzeitstimmung. Das traditionsreiche Warenhaus schließt Ende Januar. Bei den Kunden herrscht Unverständnis.

Ausverkauf Karstadt Leipzig
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Das Weihnachtsgeschäft ist in vollem Gange, aber bei Karstadt in Leipzig will nicht so recht Festtagsstimmung aufkommen. Der Eigentümer des Gebäudes an der Leipziger Petersstraße, ein Unternehmen aus Luxemburg, hatte der Warenhauskette den Mietvertrag gekündigt. Alternativ hätte Karstadt 70 Prozent mehr Miete zahlen sollen. Anfang Oktober wurde dann bekannt, dass Karstadt die Filiale Ende Januar 2019 schließen wird.

"Untergangsstimmung"

Unter den 400 Beschäftigten herrscht "Untergangsstimmung", wie eine Mitarbeiterin eines untervermieteten Ladens im Warenhaus MDR SACHSEN erzählt. "Es ist nicht einfach für die Mitarbeiter, neben dem Verkauf und der Familie noch auf Jobsuche gehen zu müssen. Aber man muntert sich gegenseitig auf."

Mitarbeiter müssen schweigen

Offiziell dürfen die Karstadt-Mitarbeiter sich nicht zur Schließung äußern, daher möchten sie lieber ungenannt bleiben. Sie erzählen, dass die Kunden sehr mitfühlend sind und ihnen viel Glück wünschen. Am häufigsten werde derzeit die Frage gestellt: "Wann schließt das Haus?" Eine Verkäuferin erzählt, wenn sie über Weihnachten, Geschenke und glückliche Kunden nachdenkt, müsse sie fast weinen. Eine andere erwidert auf die Frage, wie es ihr geht, mit einem resignierten "Wie wohl?"

Ausverkauf Karstadt Leipzig
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"Schade um das schöne Haus"

Die Filialleitung versucht dennoch Weihnachtsstimmung zu schaffen. Die kleinen Weihnachtsbäume und goldenen Girlanden werden aber überragt von den grellen Schildern in Neon-Gelb, Rot und Pink. "Großer Abverkauf", "Alles muss raus" oder "Wir schließen" ist darauf zu lesen.

"Es ist deprimierend, auch für die Kunden", sagt eine ältere Frau, die durch die Gänge streift. "Die Verkäufer sind freundlich, aber ich möchte nicht in das Innere einer Kollegin oder eines Kollegen gucken, wie es dort aussieht." "Es tut weh, vor allem um das schöne Haus", bemerkt eine andere Kundin. "Es ist ja erst nach der Wende ausgebaut worden und soll das schönste Karstadt Warenhaus sein."

Es ist ein wunderschönes Gebäude, hat gute Angebote und ist vielfältig. Es wird fehlen.

Kundin Karstadt

Unverständnis bei den Kunden

Ein Kunde spricht aus, was viele beschäftigt: "Hier läuft eine Sache, die ist für uns nicht verständlich." Anfang Mai hatten sich die Mitarbeiter zu einer Menschenkette versammelt und rund 20.000 Unterschriften gesammelt, um sie dem Eigentümer der Immobilie vorzulegen. Doch ihre Forderungen blieben ungehört. "Wir haben das verfolgt, wie die Unterschriften gesammelt wurden, die dann in Luxemburg im Abfall gelandet sind. Wir verstehen es nicht."

Es ist schade für das schöne große Haus und die Kinder erfreuen sich immer an dem Springbrunnen. Was wird nun daraus?

Kundin Karstadt

Zukunft unklar

Die leergeräumten Verkaufsflächen und Regale sind bereits mit den neuen Adressen versehen. Sie werden künftig in anderen Karstadt-Filialen im Bundesgebiet stehen. Wo die Mitarbeiter ab Februar zu finden sind, ist dagegen unklar. Und auch, was mit dem Gebäude in der Leipzger Innenstadt passiert. Noch bis Ende Januar müssen die Mitarbeiter durchhalten. Dann werden sich die Türen von Karstadt Leipzig für immer schließen.

Ausverkauf Karstadt Leipzig
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Quelle: MDR/lt/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.12.2018 | ab 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2018, 22:16 Uhr

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22 Kommentare

22.12.2018 19:51 naturaktiv 22

Fakten und Kritiken hin oder her, 400 Arbeitsplätze in Lpz. gehen verloren, ein architektonisch schönes Objekt grüßt bald mit Lehrstand. Und vor allem ein Eigentümer, der offensichtlich machen kann, was er will - bei so horrenden absurden Mieterhöhungen, die einen Rausschmiss geradezu herausfordern und sich kein Richter einmischt, das lässt tief blicken. Und die Menschen, die sich dafür eingesetzt haben (Petitionen mit 20.000 Unterschriften) werden ignoriert und landen völlig egozentrisch im Müll. Das ist respektlos, nicht würdevoll und schon gar nicht mit gesundem Kapitalismus vereinbar !!

22.12.2018 12:57 CDU Wählerin 21

easy peasy lemon squeezy Die beiden großen deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Die Verträge über die Fusion sind bereits unterzeichnet. Einfach gegenüber Bewerben ^^ Die Guten haben es schon getan und wechseln nahtlos. Nur "Träumer" jammern wieder.

21.12.2018 23:29 Zirbeldrüse 20

bundesweit starten 305.000 Unternehmen mit finanziellen Problemen ins neue Jahr, die ein erhöhtes Insolvenzrisiko bedeuten. Besonders groß ist das Problem laut Mitteilung in Sachsen-Anhalt und Sachsen, wo jeweils fast 12 Prozent aller Betriebe als gefährdet eingestuft werden. In Bayern und Baden-Württemberg sind laut Bürgel-Studie nur 6,4 bis 7,0 Prozent der Unternehmen in finanzieller Schieflage. Firmen, bei denen das billige Geld fehlende Geschäftsmodelle überdeckt, werden auch "Unternehmens-Zombies" genannt.

21.12.2018 23:21 INFO 19

Kuschelkurs für Sachsen. 54 Mitarbeitern haben vor Gericht Klagen gegen ihre Kündigung eingereicht. Karstadt hat allen eine Versetzung in eine andere Filiale angeboten. Wer das Angebot ablehnt, bekommt stattdessen eine Abfindung: ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Aktuell sind Waren um 30 Prozent gesenkt worden. Nach dem Weihnachtsgeschäft rechnen Handelsexperten mit einem großen Ausverkauf.

21.12.2018 17:07 Fragender Rentner 18

@INFO zu 15

Ja frage mal bei Hr. Merz und seiner Firma an, die haben bestimmt eine "Lösung".

21.12.2018 16:37 winfried 17

Nur vordergründig nicht zum Artikel-Thema gehörig
>>VW will in Hannover 4.000 und in Emden 3.000 Stellen streichen<<
Meine Meinung:
An immer mehr Ecken lodern mehr oder weniger "Feuer". Ist das die Vorstufe eines "Flächenbrandes" ?
Nein, sagt die Wirtschaft, uns fehlen Fachkräfte ... UND ...
die Politik "liefert" dazu das Fachkräfteeinwanderungsgesetz.

21.12.2018 15:39 Elbdampfer 16

@13, Zeigefinger:
Karstadt hat üer 400 Menschen Arbeit gegeben und für die Belebung der Innenstadt an diesem Standort gesorgt.

Wegen der unbezahlbaren Mieterhöhung verlieren diese Menschen ihren Job. Da stehen ganze Familien und Schicksale dahinter.

Es ist ziemlich deneben, das ganze jetzt auch noch zu verhöhnen, weil Karstadt seine Waren "nicht an mittellose Kunden verschenkt" hat. Das Schicksal der bald arbeitslosen Mitarbeiter wollen Sie sicherlich nicht am eigenen Leib erleben. Schon gar nicht jetzt zu Weihnachten!

21.12.2018 15:29 INFO 15

Der ewige Leerstand drohe dem Haus trotzdem nicht. Jede Immobilie in dieser Lage ist vermietbar. Vielleicht werden die oberen Etage abgetrennt um zum Beispiel Büros draus machen. Unten dann ein Shop-in-Shop-System mit großer Magnetwirkung. "Nicht zulässig sind oberirdische Parkhäuser, Spiel- und Automatenhallen, Wettbüros und Einrichtungen mit sexgewerblichem Charakter."

21.12.2018 15:19 Fragender Rentner 14

Ist doch nur der Osten! :-(

21.12.2018 11:44 Zeigefinger 13

@06.49 peter: Und Karstadt hat davor seine Waren an mittellose Kunden verschenkt um diesen etwas Gutes zu tun? Sehr naiv und unfair, wie Sie hier das täglich stattfindende Grundprinzip von Angebot und Nachfrage diskreditieren wollen. Geld allein sollte natürlich nie der einzige Maßstab im Leben sein. Aber überlegen Sie vielleicht mal Gelegenheit, bei wie vielen (alltäglichen und kleinen) Dingen Sie genau dieses Prinzip bei sich selbst zum eigenen Vorteil in Anspruch nehmen. Das fängt vermutlich schon beim Frühstückskaffee an...

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