Skulptur einer Justizia mit Schwert und Waagschale
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03.12.2019 | 18:49 Uhr | Update Connewitz-Berufung: Urteil gegen Rechtsreferendar bestätigt

Skulptur einer Justizia mit Schwert und Waagschale
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Das Landgericht Leipzig hat die Verurteilung eines Rechtsreferendars wegen Landfriedensbruchs bestätigt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass sich der Kampfsportler im Januar 2016 an Krawallen von Neonazis und Hooligans im alternativ geprägten Leipziger Stadtteil Connewitz beteiligt hatte. Das Amtsgericht hatte den 27-Jährigen deswegen vor etwa einem Jahr zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt (Az.: 10 Ns 617 Js 43983/16).

Erstes Urteil im vergangenen Jahr

Mit seiner Entscheidung folgte das Landgericht der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Berufung zu verwerfen. Der Verteidiger des Angeklagten hatte im Berufungsprozess einen Freispruch gefordert. Sein Mandant sei "in dieser Gruppe gefangen" gewesen, hätte nichts von den geplanten Gewalttaten gewusst und hätte den Zug durch den Stadtteil auch nicht verlassen können, so der Anwalt. Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Wird es dies, hätte der angehende Jurist keine Zukunft im Staatsdienst.

Ein Holzhammer auf Paragrafenzeichen. 1 min
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MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 04.12.2019 06:47Uhr 00:32 min

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Der 27-jährige Rechtsreferendar machte keinen Hehl daraus, dass er genau wusste, dass es für ihn um mehr als eine Bewährungsstrafe geht. Vor Gericht stand nicht nur er als Privatmann, sondern auch der Jurastudent, der derzeit ein Referendariat macht und dessen Berufswunsch es ist, Jurist zu werden. Dieses Lebensziel ist mit einer rechtskräftigen Verurteilung von einem Jahr und vier Monaten, wenn auch zur Bewährung, nicht mehr zu erreichen. Und so kämpfte er in einem eigenen Plädoyer nach denen seines Verteidigers und der Staatsanwältin fast um sein Leben. Eloquent und seine juristischen Kenntnisse nicht versteckend, versuchte er sich ganz am Ende der Verhandlung zu erklären, zu verteidigen und zu entschuldigen. Und er sparte auch nicht mit Kritik am Staatsanwaltsduo. Er warf ihnen abschätziges Lächeln auf seine Einlassungen vor. Und hatte damit auch nicht ganz Unrecht.

Das Urteil selbst nahm er nahezu gefasst auf. Allein sein Fingerspiel und seine Sitzhaltung, die zuvor während der Verhandlung und Zeugenvernehmung sehr korrekt erschienen, ließen Nervosität vermuten. Auf Nachfrage kündigte er nach dem Prozess an, dass es wahrscheinlich sei, dass er auch gegen die Entscheidung des Landgerichts vorgehen will.

Angehender Jurist seit gut einem Jahr Referendar

Der Angeklagte ist seit dem 1. November 2018 Rechtsreferendar am Landgericht Chemnitz. Laut der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Juristen in Sachsen wird Bewerbern für den juristischen Vorbereitungsdienst die Aufnahme versagt, wenn sie wegen einer vorsätzlich begangenen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr rechtskräftig verurteilt werden. Zudem kann die Aufnahme in den Dienst jederzeit widerrufen werden.

Quelle: MDR/lam/gg/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.12.2019 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 18:49 Uhr

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