Rechtsradikale werden im Stadtteil Connewitz in Leipzig von der Polizei festgehalten.
Rund 250 Hooligans zogen am 11.1.2016 durch Connewitz und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Bildrechte: dpa

Leipzig Bewährungsstrafe für Angeklagte im Connewitz-Prozess

Am 11. Januar 2016 zogen rund 250 Hooligans und Neonazis durch das Leipziger Stadtviertel Connewitz und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Seit 2018 wird 100 von ihnen der Prozess gemacht. Am Dienstag gab es nun ein weiteres Urteil vor dem Leipziger Amtsgericht.

Rechtsradikale werden im Stadtteil Connewitz in Leipzig von der Polizei festgehalten.
Rund 250 Hooligans zogen am 11.1.2016 durch Connewitz und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Bildrechte: dpa

Am Dienstag wurde am Leipziger Amtsgericht das Urteil gegen zwei der Connewitzer Hooligans verhängt. Die damals 18 und 20 Jahre alten Angeklagten haben jeweils eine Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung erhalten. Zusätzlich müssen sie noch jeweils 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation aus Leipzig zahlen. Obwohl den beiden keine konkrete Sachbeschädigung nachgewiesen werden konnte, sah das Gericht es als erwiesen an, dass sich beide des Landfriedensbruchs schuldig gemacht haben – allein weil sie mitgegangen sind und dadurch die Zerstörung in Connewitz billigend in Kauf genommen hätten.

Im Vorfeld gab es ein Gespräch zwischen den einzelnen Prozessbeteiligten und der Richterin. Dabei wurde ausgelotet, ob nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht geurteilt werden muss. Da beide Angeklagte den Tatvorwurf gestanden haben, wurde im Vorfeld der Verhandlung bereits die Ober- und Untergrenze des Strafmaßes ausgehandelt. Eine detaillierte Beweisaufnahme erfolgte nicht. Die Zeugenaussagen sowohl von Anwohnern als auch der Polizei wurden nur verlesen.

Ingesamt 85 Prozesse

85 Prozesse sind geplant gegen mutmaßliche Randalierer, die vor drei Jahren den Leipziger Szenestadtteil Connewitz überfallen haben sollen. Damals wurden vor allem in der Wolfgang-Heinze- und Auerbachstraße zahlreiche Wohnungen, Büros, Geschäfte und Autos demoliert. Der Schaden: über 100.000 Euro. Seit August 2018 werden die Ereignisse am Amtsgericht Leipzig juristisch aufgearbeitet. 217 Personen sind wegen Landfriedensbruch angeklagt.

Die beiden Männer haben nun eine Woche Zeit gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Am Mittwoch wird bereits der achte Prozess beginnen. Weitere Prozesse sollen Ende März folgen.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.01.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 16:22 Uhr

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11 Kommentare

23.01.2019 13:21 Mentor an Wolpertinger 11

Ich habe lediglich ein Frage gestellt. Die können Sie offenbar nicht beantworten, fühlen sich persönlich angegriffen und reagieren mit Polemik. Das ist anstrengend. Bitte probieren Sie es zur Abwechslung mal mit etwas mehr Gelassenheit. Danke. Gilt übrigens nicht nur für Sie.

23.01.2019 13:07 ralf meier 10

@Uwe Nr 4 : Also ich gehe schon davon aus, das auch die hier genannten Gewaltakte der Antifa im Regelfall sorgfältig geplant und mit den dafür notwendigen Waffen ausgeführt wurden und werden. Zu Ihrem überspitzten Vorwurf: 'Linksextremes Deutschland' (lassen Sie doch extrem weg) zwei Hinweise:

Nach einer der größten Studien zum Thema, 2005 durchgeführt vom Hamburger Institut für Journalistik unter 1500 Journalisten aller Gattungen, verteilt(e) sich die politische Sympathie der im Meinungsgeschäft Tätigen wie folgt:
Grüne: 35,5 Prozent,
SPD: 26 Prozent,
CDU: 8,7 Prozent,
FDP: 6,3 Prozent
Sonstige: 4
keine Partei: 19,6 Prozent.

Last not least: Angela Marquardt meinte im Vorwärts vom 07.09.2018 anlässlich der Kritik einiger Sozialdemokraten an gewalttätigen Aktionen der Antifa: Im Kampf gegen rechts braucht die SPD auch die Antifa


23.01.2019 12:44 ralf meier 9

@ralf meier Nr 2: Hallo Redaktion. Den von Ihnen beschriebenen Fall, das ' aus einer Demo mit mehrheitlich friedlichen Teilnehmern heraus Angriffe durchgeführt wurden' hab ich auch bei Mai Krawallen in Kreuzberg erlebt. Ich dachte in dem Zusammenhang allerdings eher an eine weitestgehend durch die Antifa geprägte Demo, bei der tatsächlich auch 'vermummte Menschen in einem konzertierten Gewaltakt durch die Straßen zogen' .
Hier ein weiteres Beispiel aus Leipzig über das der MDR im Artikel '50 Vermummte greifen Polizeiposten in Leipzig an' berichtete. Dort beklagte sich die Polizeigewerkschaft über die Anwesenheit von Landtagsabgeordneten (Juliane Nagel, Enrico Böhme/ DIE LINKE) bei einer unangemeldeten, gewalttätig verlaufenden Demonstration in der Silvesternacht in Connewitz.

mfg : ralf meier

23.01.2019 11:32 Leipziger an "Akademiker" 6 8

Sie dürfen Ihre wirren Behauptungen gerne belegen. Im übrigen sind die Leipziger Linksautonomen für Ihre Übergriffe bekannt. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Dezember 2015 war nur der Höhepunkt einer langen Kette von Gewaltereignissen. Das können sie alles nachlesen. Da ist nichts "aus dem Kontext gerissen", wie Sie in völliger Unkenntnis der Fakten unterstellen.

23.01.2019 11:15 Wolpertinger 7

@ Ralph Meier und Mentor
Stellen Sie Strafanzeige gegen den oder die Richter wegen Rechtsbeugung oder Strafvereitelung und gut is. Beweise scheinen Sie ja genügend zu haben.
Eventuell könnten Sie aber auch in die Urteilsbegründungen schauen und herausfinden, wo die Unterschiede lagen. Und ich meine richtige Unterschiede und nicht wieder das Kindergarten ähnliche:"Das eine war rechts, das andere links. Das ist der Unterschied."
Eventuell sollten Sie auch versuchen argumentativ vorzugehen und nicht alles in gebtesmühlenartiges links und rechts unterteilen. Oh, Entschuldigung, ich habe links zu erst genannt. Jetzt bin linkslinksgrüner Gutmensch und unterstütze die Antifa.

23.01.2019 10:43 Akademiker 6

@Mentor: oh Gott, verhaspeln Sie sich lieber nicht in wirren Gedanken der Unkenntnis. Die gezielten Angriffe der Neonazis/Nazi-Hooligans auf Connewitz waren seit dem Herbst 2015 geplant und im social-media öffentlich gemacht. Auch wurde schon zur Neo-Nazi-Demo im Dezember 2015 im Voraus davon gesprochen, "Connewitz und Leipzig abzubrennen". Dieser Zusammenhang ist klar und deutlich bestätigt. Ihre Andeutung wiederum aus dem Kontext gerissen. Dazu mit einer schlecht Interpretation aus dem Alten Testament.

23.01.2019 10:33 Mentor 5

Falsch. Mit Ihrer Vermutung liegen Sie insofern daneben, als daß die Leute noch vor Ort verhaftet wurden. Eine Identifizierung hat also nichts mit irgendeiner Fläche zu tun sondern mit dem unterschiedlichen Umgang mit den Delinquenten.

23.01.2019 10:13 Uwe 4

@Anmerkung Redaktion zu 2
Ach ? Dann ist der entsprechende Unterschied ob die gewalttätig verlaufende Demo angemeldet war oder nicht ? Sorry ! Aber daran kann es nicht liegen. Denn, auch wieder in Leipzig und fast am gleichen Ort, gab es eine nicht angemeldete und gewalttätig verlaufende Demo von rotrotgrünen. Von denen wurden , wie hier bei den Rechten, über 190 eingekesselt und so zweifelsfrei festgestellt. Der Unterschied ist der das die Verfahren gegen die mit der Begründung das lediglich die Teilnahme und keine weiteren Handlungen bei denen zur Verfahrenseinstellung und, wie hier zu lesen, die gleiche Begründung zur Verurteilung, und da auch noch zu Freiheitsstrafen, geführt hat. Gleiches Recht für alle ? Nicht hier im linksextremen Deutschland !!

[Sehr geehrter Nutzer,
bitte unterlassen Sie Unterstellungen wie "linksextreme[s] Deutschland". Hinsichtlich der Urteile wird sicherlich auch eine Rolle gespielt haben, dass das eine eine mehr oder weniger spontane Ausschreitung aus einer anderen Demonstration heraus war und das andere geplant stattfand, mitsamt Bewaffnung etc.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

23.01.2019 09:55 Wolpertinger 3

@22.01.2019 21:56 Mentor
Das Wörtchen "offenbar" impliziert immer einen Mangel an faktischen Beweisen für Aussagen.
Ich denke es liegt daran, dass die Beteiligten auf Grund der kleineren Größe der zu überwachenden Fläche leichter zu identifizieren waren.

23.01.2019 08:12 ralf meier 2

Da lese ich: "Obwohl den beiden keine konkrete Sachbeschädigung nachgewiesen werden konnte, sah das Gericht es als erwiesen an, dass sich beide des Landfriedensbruchs schuldig gemacht haben – allein weil sie mitgegangen sind '

Bei vergleichbaren Prozessen gegen linkskriminelle Gewalttäter konnte man in der Vergangenheit immer wieder lesen, das sie freigelassen wurden, weil man Ihnen wg Vermummung nicht nachweisen konnte, das sie aktiv an Gewalttaten beteiligt waren. Ich selbst habe in Kreuzberg am ersten Mai mehrfach erlebt , wie aus dem aktiven Schutz einer Demo heraus Pflastersteine geworfen wurden.
Nach dem nun gegen Rechts gezeigten Rechtsverständnis hätte man dort in einem Rechtsstaat die ganze Gruppe vor Gericht stellen müssen.

[Lieber Herr Meier,
der Unterschied ist, dass in einem Fall aus einer Demo mit mehrheitlich friedlichen Teilnehmern heraus Angriffe durchgeführt wurden (und der oder die konkreten Angreifer nicht zweifelsfrei ermittelt werden konnten), im anderen Fall jedoch mehr als zweihundert vermummte Menschen in einem konzertierten Gewaltakt durch die Straßen zogen. Die im Prozess vorliegenden Mobilisierungsnachrichten legen auch nicht nahe, dass besagte Aktion in irgendeiner Weise friedliche Absichten hatte, die Teilnehmer sich also bereits durch ihre Teilnahme zum Teil schuldig machten.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

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