21.10.2019 | 17:33 Uhr 140 Antifa-Graffiti in Kleinzschocher gesprüht

Graffiti-Schmiererei am Städtischen Altenpflegeheim in  Kleinzschocher Leipzig
Auch die Fassade des Städtischen Altenpflegeheim in Kleinzschocher wurden beschmiert. Bildrechte: Moritz Arand

Nach 140 Fällen von Graffiti-Vandalismus im Leipziger Stadtteil Kleinzschocher ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung. Am Samstagabend hatten Unbekannte 55 Häuser im Westen der Messestadt mit linken Schriftzügen besprüht. Neben "Antifa Area" wurde auch "No Cops, No Nazis" an die Häuserwände gemalt.

Zeugenberichten zufolge sollen drei Männer und eine Frau an der Aktion beteiligt gewesen sein. Betroffen sind laut Polizei mehrere Straßen in dem Stadtteil. Der Hausmeister einer betroffenen Immobilie sagte MDR SACHSEN: "Das passiert ungefähr einmal im Jahr. Ob von Links oder von Rechts - das ist eigentlich egal."

Reaktion auf aufgelöste Demonstration

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Vorfällen um eine Reaktion auf den Polizeieinsatz am vergangenen Freitag auf der Karl-Heine-Straße handelt. Dort hatten die Beamten eine antifaschistische Demonstration aufgelöst, nachdem per Auflage ACAB-Rufe (englisch "All cops are bastards"/deutsch: "Alle Polizisten sind Bastarde") untersagt worden waren, einige Teilnehmer diese jedoch nicht einhielten.

Zudem hatte eine Person am Rande der Demonstration Pyrotechnik gezündet. Als die Einsatzkräfte den Verursacher festsetzen wollen, sollen sie durch etwa 40 Teilnehmer des Aufzugs verfolgt und attackiert worden sein, so die Polizei. Dabei konnte der Tatverdächtige den Angaben zufolge befreit werden. Bei der Aktion seien sowohl Teilnehmer als auch Polizisten verletzt worden.

Graffiti-Schmiererei 161. Dabei handelt es sich um einen Zahlencode für AFA. Das bedeutet "Antifaschistische Aktion".
Der Zahlencode "161" steht für die Buchstaben "AFA" und bedeutet "Antifaschistische Aktion". Bildrechte: Moritz Arand

Kritik am Einsatz

Das "Presse-Kollektiv 04227" kritisierte den Einsatz der Polizei. "Erneut hat die Leipziger Polizei eine völlig friedliche Demonstration zum Abbruch gezwungen", so Lea Wohl, Sprecherin des Presse-Kollektivs. Nach den Ereignissen in der Hildegardstraße bei einer Abschiebung, einer Spontandemonstration im Leipziger Süden in Gedenken an die Ermordeten in Halle, sei erneut eine friedliche Versammlung von der Polizei angegangen worden. Wenn die Leipziger Polizei keine polizeikritischen Rufe mehr auf Versammlungen hören wolle, solle sie aufhören, friedliche Demonstranten "zu verletzen und sich an die Gesetze halten".

Die Polizei widersprach den Vorwürfen. Versammlungen werden "nie bedenkenlos oder willkürlich" eingeschränkt, heißt es in einer Mitteilung der Polizeidirektion. Bei einem "unfriedlichen und militanten Verlauf" können Versammlungen jedoch aufgelöst oder verboten werden.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Sachsenradio | 21.10.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 17:34 Uhr

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