Demo Halberg Guss Frankfurt am Main
Bildrechte: IG Metall Bezirksleitung Mitte

Streik Verhandlungen bei Halberg Guss wieder gescheitert

Seit vier Wochen streiken die Beschäftigten des Autoteileherstellers Halberg Guss in Leipzig und Saarbrücken. Der Eigentümer will das Werk in Leipzig schließen. Auch eine zweite Verhandlungsrunde blieb ohne Ergebnis.

Demo Halberg Guss Frankfurt am Main
Bildrechte: IG Metall Bezirksleitung Mitte

Die Verhandlungen zwischen IG Metall und dem Eigentümer des Autoteilezulieferes Halberg Guss um einen Sozialtarifvertrag sind erneut gescheitert. Dies teilte die Gewerkschaft am Donnerstagnachmittag mit. Begleitet wurden die Verhandlungen in Frankfurt am Main von einer Protestkundgebung mit rund 700 Beschäftigten aus Leipzig und Saarbrücken. Einen neuen Verhandlungstermin gebe es derzeit nicht. Der Streik wird laut Gewerkschaft vermutlich fortgesetzt.

Angebot der Geschäftsführung zu wenig für IG Metall

Zuvor hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben ein neues Angebot vorgelegt. Das Management bot demnach Abfindungen an, wenn der seit vier Wochen andauernde Streik in Leipzig und Saarbrücken umgehend beendet wird. Die angebotene Höhe der Abfindungen war laut Gewerkschaft nicht akzeptabel.

Angebote der Abfindung Der Eigentümer hat bei den Abfindungen nach eigenen Angaben am Donnerstag einen Faktor von 0,4 Bruttogehältern pro Jahr der Betriebsangehörigkeit angeboten. Laut IG Metall war in früheren Gesprächen von einem Faktor 0,6 die Rede. Bei einem beispielhaften Monatsgehalt von 5.000 Euro ergäben sich bei einem seit 20 Jahren bei der Firma Beschäftigten je nach Faktor eine Abfindung von 40.000 beziehungsweise 60.000 Euro.

Die IG Metall sprach bereits in einer Verhandlungspause von einer Verschlechterung der bisherigen Offerte. Mitte Juni habe Geschäftsführer Alexander Gerstung eingestanden, ein "unvollständiges Angebot" vorgelegt zu haben. "Zwei Verhandlungsrunden später wurde das bisherige Angebot vom Management sogar noch reduziert“, sagte der Leipziger IG-Metall-Sprecher Bernd Kruppa. "Die Geschäftsführung hat sich in der heutigen Verhandlung rückwärts bewegt." Die Gewerkschaft strebe weiterhin eine schnelle Lösung des Konfliktes an. Die Arbeitgeberseite habe dazu nichts beigetragen, so Kruppa. Für die weitere Eskalation des Streiks sei allein der Eigentümer verantwortlich.

Streikende Mitarbeiter der Neuen Halberg Guss vor dem Werksgelände.
Entschlossene Halberger: Seit vier Wochen bestreiken die Arbeiter des Autoteilezulieferers ihr Werk in Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigentümer fordert Ende des Streiks

NHG-Geschäftsführer Alexander Gerstung forderte ein Ende des Streiks, um nicht weitere Aufträge zu verlieren. "Entscheidend ist jetzt, unverzüglich den Betrieb wieder aufzunehmen und unsere langjährigen Kunden wieder zu beliefern. Nur so können wir die Arbeitsplätze sichern", erklärte Gerstung.

Seit vier Wochen streiken die Beschäftigten des Autoteilezuleiferers Halberg Guss in Leipzig gegen die Schließungspläne des neuen Eigentümers. Am Freitag soll das Arbeitsgericht in Frankfurt über die Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfes entscheiden. Der Arbeitgeber will den Streik gerichtlich unterbinden lassen.

Quelle: MDR/mar/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.07.2018 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2018, 17:25 Uhr

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10 Kommentare

13.07.2018 15:12 Bentin 10

@8: und trotzdem waren und werden wir Abhängigen nie gleich. Bei Schlecker ging ein Aufschrei durchs Land, jetzt bei Halberg Guss. Aber für den GESAMTEN Rest hat sich noch nie jemand derart mit Korsos und Kameras sowie Presse ins Zeug gelegt. Was bitte ist so unsäglich bedeutsamer bei Halberg Guss? Ich musste in den letzten Tagen mehrmals dort vorbei. Schaut aus wie lustiger Sommercamping mit Grill etc. Super Laune wenn sie mal nicht medienwirksam protestieren.

13.07.2018 15:10 Chris 9

ja so ist es wir sind nach der Wende sofort in den westen arbeiten, viel uns nicht leicht da wir auch Kinder / Enkel zu Hause hatten wollten aber nicht uns mit billig Lohn und Arbeitsgeber die im Westen nichts geworden sind abgeben im Osten, war nach unserer ansicht richtig diese Entscheidung für ein paar Jahre von uns, man kann in einem Kapitalismus nicht verlangen für immer arbeit zu haben der Zug ist wie es in der DDR war abgefahren müßten diese eigentlich wissen.

13.07.2018 13:52 Chris 8

diese Menschen begreifen und begreifen es einfach nicht, das sie in einem Kapitalistichen Staat sind, die Bosse machen was sie wollen da wird kein Arbeiter gefragt dazu noch wo viele 100x und mehr verdienen als der Arbeiter, hättet ihr es euch 1989 überlegt wo die meisten gejubelt haben , es kommen noch mehr kündigungen auf dem Osten zu , wenn sich China breit macht in deutschl, was ja zum Teil schon ist.

13.07.2018 13:16 Susan 7

@6: Sie sind aber offenbar sehr obrigkeitshörig und daher ein guter Untertan. Ich empfehle Ihnen, sich mal den kapitalischen Produktionsverhältnissen auseinanderzusetzen. Stichwort: Hauptwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit. Oder Mehrwert und Profit. Hätten niemals Arbeiter so wie heute die Halberger gekämpft, hätten Sie heute weder den Achtstundentag noch Urlaub oder Krankengeld, ebenso wenig eine Rente. Im Übrigen stehen die Kollegen von VW hinter den Halbergern. Die Arbeiter haben mit den Preiskämpfen ihrer Ausbeuter nichts zu tun. Die haben bloß Pech gehabt, dass sie nicht vermögend auf die Welt kamen. Ach ja: Und die 5.000 Euro waren eine fiktive Summe. Meine Güte, etwas mehr Klassenbewusstsein könnte man sich schon wünschen. Die Herrschenden haben selbiges jedenfalls. Kopfschüttel.

13.07.2018 10:31 Sündenbock 6

Ich frage mich nur warum das "ganze" nicht hinterfragt wird.
Fakten : Es geht nicht um die Mitarbeiter.... es geht um Geld und Politik

1. Wenn die IG Metall so weiter macht , getrieben oder bezahlt von VW verlieren ALLE Hallberger ihren Job , nicht nur 700.
2. Die Halberg Guss wurde doch schon über Jahre von VW und CO kaputt gemacht. Warum soll jetzt Prevent der Sündenbock sein die nichts anderes machen als alle anderen davor ?
3. Die sogenannten Preiserhöhungen kamen erst nachdem VW die mengen reduziert hat. Was ist daran jetzt bitte schlecht für Halberg ?

Bitte Liebe Halberger,..... lasst euch nicht vor den IG-Metall karren spannen für nix. hinterfragt mal lieber wer am meisten davon hat wenn eure Firma stirbt ...der Eigentümer oder VW ?
Solidarität ... das ich nicht lache ,... Wo sind den die IG-Metaller von VW ? oder der Gießerei die eure Aufträge bekommen hat ?

13.07.2018 09:55 Bernd 5

@4 ...Wie @1 bereits feststell, sind die 5000€ ein Bsp. Ihr Discounter- Entgelt kommt dem wohl erheblich näher, wenn man sich die Entgelttabelle IGZ- Ost ansieht (~10€/h o. Zuschläge- >[Link entfernt, die MDR.de-Redaktion])

13.07.2018 07:01 bentin 4

Ich finde es krass, mit welchen Löhnen dort verhandelt wird und die Höhe der verlangten Abfindung beziffert ist. Monatsgehalt von €5.000,00 als Ansatz und eine Abfindung von €40.000 bis €60.000 ist zu wenig. Davon würde jede Verkäuferin beim Discounter träumen! Die sind froh und dankbar, zahlt deren Arbeitgeber die Hälfte!

12.07.2018 23:51 part 3

Ich wünsche den Belegschaften von beiden Werken noch weiterhin viel Erfolg bei ihren Arbeitsniederlegungen und Verhandlungen. Bei den Belegschaften von manchen Großlogistikern ist mittlerweile schon eine europaweite Solidarität zu verpüren, wenn es darum geht legitime Forderungen durzusetzen. Hier Werke dicht machen und woanders neue Niedriglohnbuden eröffenen, wenn möglich noch als EU- Strukturförderung, das geht gar nicht.

12.07.2018 21:57 lummox 2

wo bleibt denn nun die vollmundig angekündigte unterstützung der arbeiterpartei SPD gegen den "Raubtier-Kapitalismus"? müßt wohl erst mal schauen wo sich das raubtier gerade befindet?

12.07.2018 21:13 Zeitgeist 1

Langsam nervt es gewaltig. Wer hat zum Beispiel 5.000 € Monatsgehalt dort? Das wären ja schlappe Ex- 10.000 DM. Was habe ich da als Ex- Ingenieur in der " Ostzone" nach der Wende / Konterrevolution falsch gemacht. ( ich 1991 - ca. 2.600 DM) !
Medien verarscht die Leute in der Bevölkerung nicht. Auch nicht die, welche an der Uni noch kurz vor dem Diplom stehen!

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