Blumen, Kerzen und Briefe an der Unfallstelle, an der im April eine Fahrradfahrerin in Leipzig verunglückt ist.
An dieser Kreuzung verunglückte im April eine 16-jährige Radfahrerin. Blumen, Kerzen und Briefe an der Unfallstelle erinnern an das Unglück. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Schnell, aggressiv, unaufmerksam Verkehrsunfall-Bilanz für Leipzig

In Leipzig gab es im vergangenen Jahr mehr Unfälle, bei denen Menschen schwerverletzt worden sind als noch 2016. Ein Grund: rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr. Das bereitet nicht nur der Leipziger Polizei Sorge.

Blumen, Kerzen und Briefe an der Unfallstelle, an der im April eine Fahrradfahrerin in Leipzig verunglückt ist.
An dieser Kreuzung verunglückte im April eine 16-jährige Radfahrerin. Blumen, Kerzen und Briefe an der Unfallstelle erinnern an das Unglück. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

13.409 Unfälle hat es laut Verkehrsbericht der Polizeidirektion Leipzig im vergangenen Jahr im Stadtgebiet gegeben. Das sind immerhein knapp 349 weniger als 2016. Es gab auch weniger Verletzte und weniger Verkehrstote. Aber: die Zahl der Unfälle mit mindestens einem Schwerverletzten ist gestiegen, von 331 auf 393, bei Unfällen mit Radfahrern von 139 auf 163.

Aufeinander achten

Dementsprechend ist Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau unzufrieden mit der Verkehrssicherheit in Leipzig: "Vor uns stehen zwei Aufgaben. Die eine können wir selber erledigen. Und zwar zumindest in Teilbereichen genau zu untersuchen - was sind die Ursachen für die einzelnen Unfälle und was gibt es für Möglichkeiten, mit verkehrsregelnden Maßnahmen tatsächlich etwas zu unternehmen." Die zweite Aufgabe gehe an die Verkehrsteilnehmer selbst. Und zwar auf sich und andere zu achten. Denn mangelnde Rücksichtnahme sei einer der Hauptursachen für den Großteil der Unfälle, so Dubrau.

Ein Verkehrsraum für alle

Das bereitet auch Polizeidirektor Frank Gurke Sorge, der das Referat Einsatz/Verkehr leitet: "Was uns als Polizei besonders auffällt, ist die zunehmende Aggressivität im Verkehr von allen Beteiligten." Dem müsse man mit verkehrserzieherischen Maßnahmen (zum Beispiel Geschwindigkeitskontrollen) und mit Aufklärung entgegenwirken, "um dort auch die Akzeptanz aller Verkehsteilnehmer für einander und für den Verkehrsraum zu erzeugen, der nun mal nur einmal da ist."

Weniger Lärm

Besonders gefährliche Stellen im Leipziger Straßenverkehr zu erkennen und sie sicherer zu machen, ist die Aufgabe von Thomas Schulze, Leiter der Abteilung Straßenverkehrsbehörde im Verkehrs- und Tiefbauamt. Dazu gehört zum Beispiel die Jahnallee. Allein schon um den Lärmschutz einzuhalten, soll sich auf der inneren Jahnalle etwas ändern, erklärt Schulze: "Hier hilft nur eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h." Das könnte zusätzlich für Sicherheit sorgen, denn wenn der Bremsweg kürzer ausfällt, könnten auch die Personenschäden seltener werden oder zumindest weniger gravierend ausfallen.

Radfahrer in Gefahr

Die meisten Unfälle auf der inneren Jahnallee ereignen sich allerdings zwischen Radfahrern und dem ruhenden Verkehr. Also stehenden Autos, oder solchen, die gerade ausparken wollen. Schulze meint: "Da ist die Geschwindigkeit überhaupt kein Thema. Ursache ist, dass die Radfahrer dicht an den parkenden oder liefernden Fahrzeugen vorbeifahren und wenn diese ausparken oder eine Tür geht auf, wird es für die Radfahrer gefährlich." Das Verkehrs- und Tiefbauamt plant deshalb, die Kurzzeitparkplätze auf die Seitenstraßen zu verlagern, um mehr Platz für Radfahrer zu schaffen. Damit wäre das Problem allerdings nicht gelöst, räumt Schulze ein: "Es muss weiter geliefert werden können. Dann muss der Radfahrer ausweichen und zwar in Richtung des fließenden Verkehrs. Das ist dann trotzdem nicht vermeidbar."

Vorbild: Koppenhagen

Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau
Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Wir haben noch viele Jahre vor uns, um solche Bedingung zu erreichen, wie sie in anderen Städten vielleicht schon auf der Tagesordnung sind.

Dorothee Dubrau Bürgermeisterin für Stadtentwicklung und Bau

Die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer ist in Leipzig noch Zukunftsmusik, räumt auch Baubürgermeisterin Dubrau ein: "Es wäre schön, wenn immer alle gleichgewichtet wären. In der Realität ist es ja leider so, dass das Hauptaugenmerk auf dem Individualverkehr liegt, also auf dem Autoverkehr und auf dem ÖPNV auf der Schiene. Und die Fußgänger und die Radfahrer stehen eher ein Stückchen hinten an." Ein Beispiel, wie sich Dubrau den Straßenverkehr in Leipzig wünschen würde ist Koppenhagen, das für seine besonders guten Bedingungen für Fahrradfahrer bekannt ist.

Quelle: MDR/lm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.06.2018 | ab 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2018, 17:06 Uhr

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