01.01.2020 | 18:10 Uhr | Update Ausschreitungen in Leipzig-Connewitz: LKA ermittelt wegen Verdacht auf versuchten Mord

In der Silvesternacht ist bei Ausschreitungen zwischen Linksautonomen und Polizei am Connewitzer Kreuz ein Beamter schwer verletzt worden. Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt Sachsen wegen des Verdachts auf versuchten Mord. Der Leipziger Polizeipräsident und der Sachsens Innenminister Roland Wöller sprechen von gezielter Gewalt und von organisierten Angriffen. Vertreter der linken Szene widersprechen und werfen der Polizei Schikanen und Provokationen vor.

Polizisten räumen eine Kreuzung im Stadtteil Connewitz.
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Nachdem bei Ausschreitungen zwischen Linksautonomen und Polizei in der Silvesternacht im Leipziger Stadtteil Connewitz ein Beamter schwer verletzt wurde, ermittelt das LKA Sachsen nun wegen des Verdachts auf versuchten Mord. Die konkreten Tatumstände und Verletzungen des Beamten hätten die Staatsanwaltschaft zur Hochstufung veranlasst, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt am Mittwoch. Zuerst war wegen versuchten Totschlags ermittelt worden. Aktuell gebe es noch keine Tatverdächtigen.

Zwischen Stein- und Böllerwürfen und einer derart schweren Verletzung eines Polizisten liegen entsprechende Unterschiede und wir legen strenge Maßstäbe an diese Ermittlung an.

Tom Bernhardt Sprecher des LKA Sachsen

In der Silvesternacht kam es im Leipziger Stadtteil Connewitz zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Linksautonomen. Dabei sind laut Polizeidirektion vier Beamte verletzt worden, einer von ihnen schwer. Der 38-Jährige musste im Krankenhaus notoperiert werden. Dem Polizisten sei der Helm vom Kopf gerissen worden, bevor er attackiert wurde, hieß es aus Polizeikreisen. Drei weitere Beamte erlitten leichte Verletzungen. Noch in der Nacht wurden mehrere Personen festgenommen. Ihnen wird versuchte gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte und schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen.

Polizei: Beamte von Gewalttätern angegriffen

In der Silvesternacht waren mehr als 1.000 Menschen am Connewitzer Kreuz zusammengekommen, um den Jahreswechsel zu begehen. Nach Polizeiangaben sind die Beamten dort mit Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen worden.

Eine Gruppe von Gewalttätern versuchte, einen brennenden Einkaufwagen mitten in eine Einheit der Bereitschaftspolizei zu schieben und beschossen diese massiv mit Pyrotechnik. Es ist erschreckend, wie skrupellos Personen in der Silvesternacht am Connewitzer Kreuz durch offensichtlich organisierte Angriffe schwerste Verletzungen von Menschen verursachen beziehungsweise in Kauf nehmen.

Torsten Schultze Präsident der Polizeidirektion Leipzig

OB Jung: "Menschen in Uniform sind Menschen"

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung verurteilte die Ausschreitungen aufs Schärfste: "Das neue Jahr hat am Connewitzer Kreuz leider überhaupt nicht friedlich begonnen, sondern ist mit einem heftigen kriminellen Gewaltausbruch gestartet. Ich finde es unglaublich, wie verroht die Situation in dieser Nacht war. Menschen in Uniform sind Menschen."

Sachsens Innenminister Wöller verurteilt Gewalt

Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller äußerte sich zu den Ereignissen in der Silvesternacht in Connewitz. Die Angriffe auf Polizisten seien bewusste und gezielte Angriffe auf Menschenleben gewesen. "Zweck der provozierten Auseinandersetzung ist offensichtlich ausschließlich Gewalt. Dieses menschenverachtende Vorgehen grenzt an versuchten Totschlag und hat nichts mit den ansonsten ausgelassenen Feierlichkeiten zum Jahreswechsel in der Stadt Leipzig zu tun", sagte Wöller am Mittwoch.

Bildergalerie Silvesternacht in Leipzig-Connewitz

Polizisten stehen an einer Kreuzung im Stadtteil Connewitz.
Kein friedlicher Jahreswechsel am Connewitzer Kreuz: In der Silvesternacht kam es im Leipziger Stadtteil Connewitz zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Linksautonomen. Bildrechte: dpa
Polizisten stehen an einer Kreuzung im Stadtteil Connewitz.
Kein friedlicher Jahreswechsel am Connewitzer Kreuz: In der Silvesternacht kam es im Leipziger Stadtteil Connewitz zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Linksautonomen. Bildrechte: dpa
Polizisten räumen eine Kreuzung im Stadtteil Connewitz, während im Vordergrund ein Einkaufswagen liegt.
Dabei sind laut Polizeidirektion vier Beamte verletzt worden, einer von ihnen schwer. Ein brennender Einkaufswagen sei in eine Einheit der Bereitschaftspolizei geschoben worden. Bildrechte: dpa
Ein Feuer brennt an einem Einkaufswagen auf einer Kreuzung im Stadtteil Connewitz.
Auch Pyrotechnik wurde gezündet. Die Polizei nahm mehrere Personen fest. Die Soko LinX ermittelt - inzwischen wegen des Verdachts auf versuchten Mord. Bildrechte: dpa
Passanten und Feiernde stehen auf einer Kreuzung im Stadtteil Connewitz.
Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller verurteilte die Gewalt in der Silvesternacht. Bildrechte: dpa
Polizisten räumen eine Kreuzung im Stadtteil Connewitz.
Vertreter der linken Szene wehren sich gegen die Darstellung der Polizei und sagen, die Gewalt sei von der Polizei ausgegangen. Bildrechte: dpa
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Linke Szene wehrt sich gegen Vorwürfe

Vertreter der linken Szene dagegen wehren sich gegen die Darstellung der Polizei und sagen, die Gewalt sei von der Polizei ausgegangen. In sozialen Medien sprechen sie von einer Abschreckungskulisse, von Schikanen und Provokationen vonseiten der Beamten.

Auch das Aktionsbündnis "Leipzig nimmt Platz" hat sich an der Diskussion beteiligt. Es wirft dem Polizeipräsidenten eine eskalierende Einsatztaktik und politische Stimmungsmache vor, weil er in einer Information an die Medien auf den privaten Tweet eines Beteiligten Bezug genommen und ihn auch namentlich genannt hatte: "Die Polizei hat Recht und Gesetz zu schützen und sich selbst auch im Rahmen dessen zu bewegen", so das Bündnis.

Quelle: MDR/sm/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.01.2020 | ab 07:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 01. Januar 2020, 18:10 Uhr

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