05.11.2019 | 16:02 Uhr Vier für den Landkreis Leipzig: Kampagne will Wirtschaftsstandort stärken

Das Lied vom Fachkräftemangel wird landab und landauf gesungen. Besonders Unternehmen abseits der Metropolregionen kämpfen um geeignetes Personal. Die Kampagne #vomlklgesucht will zeigen, wie attraktiv der Wirtschaftsstandort "Landkreis Leipzig" ist. Studierende porträtieren dabei Unternehmen. Und das so erfolgreich, dass die Kampagne bereits in die zweite Runde geht.

Gruppenfoto des Teams der Kampagne #vomlklgesucht.
Das Team von #vomlklgesucht (v. l. n. r.): Daniel Seibert, Laura Klar, Steffen Wrede, Lina Zech. Bildrechte: Lisa Ossowski

Alle wollen nach Leipzig. Kurze Wege, gute Infrastruktur, kulturelle Vielfalt und nicht zuletzt Arbeitsplätze machen die Stadt zu einem Standort, der immer weiter wächst. Wer aber glaubt, dass nur die Stadt wirtschaftliche Anreize setzt, der irrt. Auch der Landkreis ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Diese Meinung vermittelt zumindest die Kampagne #vomlklgesucht.

Persönlichkeit der Unternehmen zeigen

Vier Studierende von verschiedenen Universitätem haben sich dafür auf den Weg in die Städte des Landkreises begeben, um regionale Unternehmen zu porträtieren. "Mit der Kampagne wollen wir die Persönlichkeit der Unternehmen darstellen", erzählt Projektkoordinatorin Christin Pomplitz. "Wir wollen zeigen, wie beispielsweis das Arbeitsklima ist, wie es sich anfühlt, dort zu arbeiten", so die gebürtige Leipzigerin weiter. Gesine Sommer, Leiterin der Wirtschaftsförderung im Landratsamt Borna, ergänzt: "Wir wollen so junge Leute ermuntern, nach dem Studium oder der Ausbildung hier zu bleiben." Und Sommer weiß auch: "Die jungen Menschen lesen keine Broschüren mehr." Deswegen sei es gut, dass die Studierenden die Kampagne leiten. "Sie wissen, wie sie den Nachwuchs ansprechen müssen", so Sommer.

Mehr als nur Leipzig

In der ersten Runde der Kampagne war die 29-jährige Pomplitz noch Teil des Studierenden-Teams. Die vier besuchten vier Unternehmen im Landkreis, die sie selbst ausgesucht hatten. "Es war interessant ein Projekt zu begleiten, dass mit meiner Heimat zu tun hat", erinnert sie sich. "Ich wusste gar nicht, was alles zum Landkreis gehört. Ich habe aber gelernt, dass es mehr gibt als nur Leipzig." Beeindruckend sei gewesen, mit wie viel Leidenschaft und Feingefühl die Menschen zum Beispiel in der Leuchtenmanufaktur Wurzen ans Werk gehen und dass es dabei immer um mehr als nur um das reine Produkt gehe. "Wurzen ist nicht der Nabel der Welt, aber es ist eine Perle", zitiert Pomplitz einen Mitarbeiter. Um diese Perlen des Landkreises zu unterstützen und sie vor allem beim potenziellen Nachwuchs bekannter zu machen, sei die Kampagne ins Leben gerufen worden.

Metallbildner David Neustadt lötet Metallstäbe für Kristallzweige mit Kristallen von Swarovski in der Leuchtenmanufaktur Wurzen.
Handwerk seit 1862: Die Produkte der Leuchtenmanufakur Wurzen erstrahlen weltweit. Neben der Deckenbeleuchtung der Semperoper in Dresden zieren die Handwerksarbeiten beispielsweise auch den Kaisersaal der Himmelfahrtskirche in Jerusalem. Bildrechte: dpa

"Es ist wichtig, hier zu bleiben"

Doreen Scholz von der Leuchtenmanufaktur in Wurzen fand das Projekt, mit dem die Studierenden auf sie zukamen, "spannend". "Ich war gespannt, wo und in welcher Form die Ergebnisse der engangierten und intensiven Arbeit zu sehen sein werden", erklärte sie MDR SACHSEN. Erfahren hat Scholz von der Veröffentlichung dann allerdings erst aus dem Internet. "Hier hätte ich mir mehr Kommunikation gewünscht." Direkte Auswirkungen habe die Kampagne noch nicht gehabt, so die Marketingchefin des Traditinsunternehmens. Das Thema "Nachwuchs" sei aber ungebrochen groß. Zurzeit verstärke die Leuchtenmanufaktur die Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und der Stadt Leipzig, um junge Menschen zu animiieren, nach Wurzen zu kommen. "Wir sind seit 1862 hier. Wurzen hat hier und da seine Probleme. Es ist aber wichtig, hier zu bleiben und etwas für die Stadt zu tun."

#vomlklgesucht Die Kampagne ist eine Initiative des Landratsamtes Leipzig in Zusammenarbeit mit der Leipziger Agentur Zarfo. Es werden Unternehmen im Landkreis Leipzig porträtiert, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Finanziert wird das Projekt durch eine Förderung der Sächsischen Aufbaubank und der Selbstbeteiligung der teilnehmenden Unternehmen.

Gutes und Schlechtes weitertragen

Daniel Seibert ist Teammitglied der zweiten Kampagne. Der 25-jährige Student kommt aus dem Landkreis Zwickau und kennt die Probleme junger Menschen im ländlichen Raum. "Die Anbindung war schlecht. Der letzte Bus fuhr um acht", erinnert er sich. Heute lebt er in Leipzig und ist überrascht, wie schnell er nach Borna oder Frohburg kommen kann. Seibert will zusammen mit seinem Team aber nicht nur die schönen Aspekte zeigen. "Wir tragen auch die negativen Botschaften der Unternehmen nach außen", betont der Student der Kommunikationswissenschaften. Häufig forderten die Unternehmen die Verbesserung von Infrastruktur.

Ein Jahr auf Strom warten

Die mangelhafte Infrastruktur bestätigt Kai Hempel, Geschäftsführer und Gründer von "madebymade" aus Pegau. Das Startup stellt aus Insekten Mehl für die Tiernahrung her. Trotz guter Wirtschaftsförderung fehlt das Breitbandinternet, so Hempel. Auch die Geschwindigkeit bei der Bearbeitung von Anträgen sei ein Problem, obwohl alle Beteiligten bemüht seien. "Zudem haben wir ein Jahr auf den Stromanschluss gewartet. Wenn ich als Startup in den Landkreis komme, sollte er Gewehr bei Fuß stehen und schnell beim Aufbau helfen", kritisiert Hempel. Von der Kampagne erwartet er sich eine Bekanntheitssteigerung des Unternehmens. "Wir wachsen stark und suchen Menschen, die Bock haben, was Neues zu machen."

Möglichkeit zum Mitgestalten

Unterm Strich müsse festgehalten werden, "dass das Bild des abgehängten Ostdeutschen nicht mehr aktuell ist", fasst Pomplitz vom LKL-Team zusammen. Zudem gebe es noch viele Möglichkeiten, die Entwicklung selber mitgestalten zu können. Auch müsse viel mehr darüber geredet werden, was es Gutes im Landkreis gebe, ergänzt Sommer vom Landratsamt. "Seien es Wohnstandorte oder Gewerbe, die ÖPNV-Anbindung - Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig manche Sachen bekannt sind." Auch dazu diene die Kampagne, deren Weiterführung sie sich durchaus vorstellen könne. Die Fortsetzung sei aber noch offen.

Quelle: MDR/mar

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