08.01.2020 | 15:57 Uhr Schulen in Leipzig fit für die Zukunft machen

Mit Glasfasernetzen und digitalen Tafeln will die Stadt Leipzig ihre Schulen zukunftsfähig machen. Dafür stellt der Bund rund 27,5 Millionen Euro. Damit sei es aber nicht getan, sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Vorstellung des Digitalpakts für Schulen in Leipzig an der Gerda-Taro-Schule.
Christoph Schulz, Mathematik- und Informatiklehrer an der Taroschule, Sozialbürgermeister Thomas Fabian, Jugendamtsleiter Nicolas Tsapos und Mario Loos, Leiter des medienpädagogischen Zentrums, präsentieren den Digitalpakt Schule. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Fünf Milliarden Euro wollen Bund und Länder bis 2024 für die Digitalisierung der Schulen bereitstellen. 250 Millionen sind im Rahmen des Förderprogramms "Digitale Schule" für Sachsen vorgesehen, rund 27,5 Millionen für Leipzig. Am Dienstag stellte die Stadtführung den Investitionsplan für die Leipziger Schulen vor.

Glasfasernetze und WLAN

Der Fokus der Investitionen liege auf der Infrastruktur, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung. "Ziel ist, das Glasfasernetz an jede Schule anzulegen. Das werden wir in diesem Jahr schaffen. Das zweite Ziel ist, jede Schule Wlan-fähig zu haben." Die Anschaffung der Geräte sei erstmal zweitrangig. "Die Hälfte der Leipziger Schulen ist derzeit gut ausgestattet und am Netz. Die andere Hälfte hat allerdings noch Nachholbedarf. Hierzu braucht es eine differenzierte Sichtweise auf die unterschiedlichen Schulformen", sagte Jung.

Anschlussfinanzierung offen

Doch mit einer einmaligen Investition ist es nicht getan, sagte Jung. Darüber hinaus müsse die Pflege der digitalen Ausstattung verstetigt werden, denn die Technik altert schnell. "Wenn wir 2024 durch sind, können wir eigentlich neu anfangen", sagte Jung. "Das kann nicht ohne die Unterstützung von Bund und Land gehen."

Man kann Kinder nicht mehr ohne digitale Bildung von der Schule gehen lassen. Die Digitalisierung hält Einzug in die Schulen und die Kunst wird sein, analoges, klassisches Lernen aus dem Buch heraus, zu koppeln, Kreide und Tafel zu nutzen und dennoch die modernen, digitalen Möglichkeiten für moderne Lernerfassung und Lernerfolge zu ermöglichen.

Burkhard Jung Oberbürgermeister

Vorstellung des Digitalpakts für Schulen in Leipzig an der Gerda-Taro-Schule.
Mario Loos und Christoph Schulz stellen das digitale Tafelsystem vor. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Interaktive Tafel

In der Gerda-Taro-Schule, Leipzigs Vorzeigemodell zur digitalen Zukunft des Lernens, gehört die Digitalisierung bereits zum Alltag. Kinder arbeiten mit Laptops und Tablets, der Lehrer unterrichtet mit Hilfe einer digitalen Tafel, die auf Berührung reagiert und Schrift erkennt. Weiß der Lehrer mal nicht weiter, kann er live im Internet suchen und am Ende der Stunde wird das Tafelbild gespeichert, um in der nächsten daran anknüpfen zu können. Das kommt an bei den Schülern. "Die ganze Zeit nur im Buch zu lesen, ist langweilig", findet der 13-jährige Elias. "Ich finde es wichtig, zu wissen, wie man damit umgeht, denn es gibt ja schon viele Berufe mit Technik." Abschreiben müssen die Schüler das Tafelbild nach wie vor. Wenn die Technik ausfällt, muss auch der Lehrer wieder zur analogen Tafel übergehen.

Mehr clicken, weniger schleppen

Der 13-jährige Milan fände es toll, wenn man nur noch Bücher dabei haben müsste und Block und Arbeitsheft digital ersetzt werden. Seine Freunde an anderen Schulen sind ähnlich gut ausgerüstet, sagt er. Die elektronische Tafel ist mittlerweile fast überall zu finden. Seine Mitschülerin Florentine findet es gut, beides zu haben, die Abwechslung zwischen analogen und digitalen Lernmethoden. "Es geht schneller, etwas einzutippen und auch es zu ändern. Man hat auch immer alles gleich zur Hand."

PITKo hilft

Christoph Schulz sieht in der digitalen Technik große Möglichkeiten zur Interaktion mit den Schülern. Der Mathematik- und Informatiklehrer ist der pädagogische IT-Koordinator (PITKo) an der Taroschule. Er berät die Kollegen in technischen Fragen und sorgt dafür, dass alles läuft. "Die Gefahr, dass der Unterrichtsrechner gehackt wird, besteht natürlich", so Schulz. Bisher sei das aber noch nicht vorgekommen. Vielmehr helfen die Kinder auch mal aus, wenn der Lehrer an der Technik verzweifelt.

"Voraussetzungen schaffen"

René Schulz, Schulleiter am Gymnasium Markranstädt, ist skeptisch. Er sieht die Umsetzung des Digitalpakts in Sachsen eher ungünstig und halbherzig. "Es ist schön, dass die Schulen ausgestattet werden sollen, aber die technische Infrastruktur ist dafür oftmals nicht gegeben. Bei den elektronischen Tafeln wird auf das billigste Gerät vertraut. Wenn das mal ausfällt, fehlen Alternativen." Auch in der Fortbildung der Lehrkräfte sieht René Schulz großen Bedarf. Wichtig sei es zudem, die Anschlussfinanzierung der Kommunen zu regeln, damit das Thema mit dieser Investition nicht beendet ist.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.01.2020 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.01.2020 | ab 12:00 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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