21.02.2020 | 12:40 Uhr Polizei Brandenburg rudert wegen verletztem Leipzig-Fan zurück

Nachdem ein Fan im Vorfeld der Partie BSG Chemie Leipzig gegen Union Fürstenwalde verletzt wurde, erhebt das "Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig" schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Diese räumte inzwischen "interne Kommunikationsfehler" ein, hält den Einsatz aber weiterhin für rechtmäßig. Der Fanhilfe zufolge hat der verletzte Fan Anzeige erstattet.

Ein Aufnäher der brandenburgischen Polizei ist an der Uniform eines Polizisten zu sehen
(Archivbild) Unangemessene Gewaltanwendung? Unterlassene Hilfeleistung? Falschinformationen? Die Polizei in Brandenburg steht nach einem Vorfall vor einem Fußballspiel in Fürstenwalde in der Kritik. Bildrechte: dpa

Weil ein Leipziger Fan im Vorfeld des Auswärtsspiels von BSG Chemie Leipzig in Fürstenwalde verletzt wurde, steht die Polizei in Brandenburg in der Kritik. Das "Rechtshilfekollektiv" von Chemie Leipzig erhebt in einer Pressemitteilung schwere Vorwürfe und spricht von übermäßiger Gewalt und unterlassener Hilfeleistung seitens der Beamten. Die Pressesprecherin des Kollektivs, Miriam Feldmann, teilte zum aktuellen Stand mit: "Der verletzte Fan liegt leider immer noch im Krankenhaus. Er hat über seinen Anwalt bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt und unterlassener Hilfeleistung gestellt." 

Polizei räumt "interne Kommunikationsfehler" ein

Die Polizei hatte am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, der Fan habe bei der Partie am vergangenen Wochenende versucht "unerlaubt eine Absperrung zu überwinden & wurde mehrfach aufgefordert, dies zu unterlassen. Nachdem er dem nicht nachkam, wurde er am Überklettern gehindert & verletzte sich. Unsere Sanitäter leisteten 1. Hilfe bis zum Eintreffen des RTW."

Am Donnerstag ruderten die Beamten dann zurück: Es habe interne Kommunikationsfehler gegeben. Die Polizei entschuldigte sich für die "teilweise falschen Aussagen". So räumte sie ein, dass der betreffende Fan die Polizisten weder beleidigt noch ihnen gegenüber Widerstand geleistet habe. Der Mitteilung zufolge war aber "die Anwendung einfacher körperlicher Gewalt seitens des handelndes Polizeibeamten rechtmäßig."

Die zuständige Polizeidirektion Ost in Brandenburg hatte auf Anfrage von MDR SACHSEN zu Beginn der Woche nicht auf die Vorwürfe reagiert.

Video vom Vorfall veröffentlicht

Grund für die Richtigstellung über Twitter ist offenbar auch ein Video auf Youtube, das den Vorfall dokumentieren soll: Es zeigt, wie ein schwarz gekleideter Mann über einen Zaun klettert. Auf der anderen Seite steht bereits ein zweiter Mann und will dem kletternden Mann helfen. Ein Polizist hinter dem Zaun sieht den Kletternden, dreht sich aber wieder weg. Ein weiterer Beamter reagiert, zieht umgehend am Bein des Mannes, weitere Kollegen eilen ihm zu Hilfe und ziehen ebenfalls. Der kletternde Mann bleibt am Zaun hängen, wird dabei deutlich sichtbar am Bein verletzt. Als er am Boden liegt, drehen sich die Beamten weg.

Vorfall beschäftigt Fans und Politik

BSG Chemie Leipziger hat sich bislang nicht näher zu den Vorfällen geäußert. In einem Facebook-Post teilte der Verein aber einen Artikel zum Vorfall mit der Aufforderung: "Bildet euch selbst ein Urteil." Der Verein war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Inzwischen hat das Vorgehen der Polizisten auch den Landtag in Brandenburg erreicht. Der Landtagsabgeordnete Andreas Büttner (Die Linke) hat das Verhalten der Polizei in einer Kleinen Anfrage behandelt. Bis zum 19. März muss das brandenburgische Innenministerium dazu Stellung nehmen.

Was ist das "Rechtshilfekollektiv"? Das "Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig e.V." ist nach eigenen Angaben Teil einer übergreifenden Solidargemeinschaft zur Unterstützung von Fans der BSG. Bekommen diese aufgrund von Ereignissen rund um die Spiele des Vereins Probleme mit der Justiz, steht es beratend zur Seite. Das Kollektiv hat sich auf die Fahne geschrieben, mit seiner Arbeit "Aktivitäten im Kampf gegen die repressiven Maßnahmen der staatlichen Behörden gegenüber Fußballfans und deren Fankultur" zu organisieren und zu unterstützen.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 19.02.2020 | 15:30 uhr in der Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2020, 12:40 Uhr

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