27.09.2019 | 13:04 Uhr Mann in Sachsen durch Mücken mit West-Nil-Virus infiziert

West-Nil-Virus
Das West-Nil-Virus kann durch heimische Mücken übertragen werden. Bildrechte: dpa

Erstmals ist ein Mensch in Deutschland durch Mücken an einer West-Nil-Infektion erkrankt. Das Robert Koch-Institut (RKI) teilte mit: "Die Person aus Sachsen ist an einer Gehirnentzündung erkrankt, wurde im Klinikum St. Georg in Leipzig behandelt und ist inzwischen wieder genesen." In Deutschland war das Virus bis auf den Fall eines Tierarztes in Bayern zuvor nur bei Reiserückkehrern nachgewiesen worden, die sich im Ausland angesteckt hatten. Der Tierarzt hatte sich bei der Untersuchung eines Vogels infiziert.

Herbst dämpft Ausbreitung

In der betroffenen Region in Sachsen war der Erreger bereits bei mehreren Tieren nachgewiesen worden, wie es hieß. Nun erkrankte demnach ein 70-Jähriger "mit ländlichem Wohn- und Arbeitsort", der zuvor nicht ins Ausland gereist war und keine wesentlichen Vorerkrankungen hatte. Die Pressestelle des sächsischen Gesundheitsministeriums erklärte auf Nachfrage, der Mann lebe in der Leipziger Region. Eine Karte des Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit zeigt in Sachsen besonders viele Nachweise des Virus bei Vögeln und Pferden in der Nähe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.

RKI-Präsident Lothar Wieler sagte: "Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht." In den kommenden Sommern sei jedoch mit weiteren West-Nil-Infektionen zu rechnen. Für Menschen gibt es bislang keinen Impfstoff. Die Virus-Erkrankung verläuft nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg beim Menschen in circa 80 Prozent der Fälle ohne Symptome. Bei knapp 20 Prozent sei der Verlauf mild, Patienten hätten unspezifische Symptome wie Fieber oder Hautausschlag. Schwerere und tödliche Verläufe seien sehr selten und träfen in der Regel ältere Menschen mit Vorerkrankungen, hieß es.

Heimische Mücken als Überträger

Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus kann von bestimmten heimischen Stechmücken übertragen werden. In nördlichere Gefilde gelangte es durch Zugvögel und Insekten. Offenbar hätten die ungewöhnlich warmen Sommer der vergangenen beiden Jahre dazu beigetragen, dass sich das Virus nördlich der Alpen etablierte, so Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut. Seit 2018 ist der Erreger bereits in mehreren Bundesländern bei Vögeln und Pferden nachgewiesen worden.

Die Funde in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Hamburg in diesem Jahr zeigten an, dass das Virus in Teilen Deutschlands überwintert habe und wie schon im Jahr zuvor zwischen Mücken und Vögeln zirkuliere, heißt es vom RKI.

Erstmals wurde 1937 in der Region West Nil das Virus in Uganda nachgewiesen, später in anderen Ländern Afrikas und Asiens. In den 1990er-Jahren schaffte es den Sprung über den Atlantik. Im Sommer 2002 erlebte die USA eine erste größere Epidemie mit über 4.000 Erkrankten und 250 Todesfällen.

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.09.2019 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2019, 13:09 Uhr

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