Ein Eigenheim am Stadtrand
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29.04.2019 | 10:55 Uhr Bauboom in Leipzig nur für Gutverdiener?

In den nächsten Jahren sollen in Leipzig 12.000 neue Wohnungen entstehen. Auch mehr Bauflächen für Eigenheime werden nutzbar gemacht. Doch Kritiker zweifeln, ob in der Messestadt auch sozialer Wohnungsbau betrieben wird, denn Geringverdiener und auch immer mehr Normalverdiener können sich bestimmte Wohnviertel nicht mehr leisten.

von Sina Meißgeier

Ein Eigenheim am Stadtrand
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Anfang April gingen deutschlandweit Hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen steigende Mieten, hohe Betriebskostenabrechnungen und die Willkür von großen Immobilienunternehmen zu protestieren. Besonders groß waren die Proteste in Berlin. Dort wurden vor allem Unternehmen wie "Deutsche Wohnen" und "Vonovia" als unsozial kritisiert.

Mietsteigerungen um mehr als 20 Prozent zwischen 2012 und 2016

Nun könnte man sagen: Leipzig ist nicht Berlin. Dort kostet der Quadratmeter durchschnittlich neun Euro. In Leipzig sind es sechs Euro. Laut Mieten-Skyline der "Berliner Morgenpost" sind die Mieten in Leipzig zwischen 2012 und 2016 jedoch um 21 Prozent gestiegen. Die höchste Steigerung lag im Zentrum bei fast 50 Prozent. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sich die Lage auch in der Messestadt anspannt.

Auch Gewerbe und kulturelle Einrichtungen betroffen

Dabei sind nicht nur Privatpersonen Betroffene von Mieterhöhungen, so Maria Kantak von der parteiunabhängigen Inititiative "Leipzig für alle: Aktionsbündnis Wohnen", die sich vor einem Jahr als Reaktion auf Verdrängungsängste, Wohnungslosigkeit und steigende Mieten gegründet hat. "Betroffene sind immer mehr auch Gewerbeinhaber und kulturelle Einrichtungen", so Kantak. Ein wirksames Mittel könnte die Mietpreisbremse sein. So steht es auch in den wohnungspolitischen Forderungen der Initiative. Die Stadt Leipzig sagt auf Anfrage von MDR SACHSEN jedoch, es sei Aufgabe des Bundes, hier entsprechend wirksame gesetzliche Grundlagen zu schaffen.

Wir fordern, dass soziale Wohnraumförderung und Gemeinwohlorientierung im Mittelpunkt stehen. Es soll die Immobilienfirma Vorrang in der Vergabe haben, die sich verpflichtet, auch Sozialraumwohnungen zu bauen und bereit ist, Räume im Erdgeschoss für Senioren, Jugend und interkulturelle Begegnung zur Verfügung zu stellen.

Maria Kantak Leipzig für alle: Aktionsbündnis Wohnen

Stadt Leipzig baut Sozialwohnungen - gemäß Förderprogramm

Aus dem Baudezernat heißt es, dass die Stadt Leipzig das Förderprogramm zur sozialen Wohnraumförderung des Freistaats Sachsen umsetzt. Darüber hinaus bereitet die Stadt Leipzig aktuell eine kommunale Wohnungsbauförderung vor, um den steigenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken. Dabei stehen vor allem Menschen mit Behinderung und Großfamilien mit geringem Einkommen als Bedarfsgruppen im Fokus. Leider seien die zur Verfügung stehenden Fördermittel begrenzt, so die Stadt.

Bislang wurden Verträge über den Bau oder die Sanierung von 261 Wohnungen geschlossen, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Die ersten Wohnungen wurden inzwischen fertiggestellt. Momentan stehen weitere Fördermittel zur Schaffung von rund 550 Wohnungen zur Verfügung. Darüber hinaus wurden Fördermittel für weitere rund 550 Wohnungen bei der Sächsischen Aufbaubank beantragt, die aber noch nicht bewilligt worden sind.

Dorothee Dubrau Baubürgermeisterin der Stadt Leipzig

Leipzig fehlen tausende Sozialwohnungen Wie groß die Lücke zwischen Bedarf und Bestand an Sozialwohnungen in Leipzig ist, zeigen aktuelle Zahlen der Landesregierung. Im März antwortete das Innenministerium auf eine kleine Anfrage der Grünen. Ergebnis: In Leipzig gebe es aktuell 305 Sozialwohnungen, benötigt würden allerdings 4.437. Im Leipziger Umland stünden 264 weitere Sozialwohnungen zur Verfügung. Die sächsischen Grünen wunderten sich über die neuerlichen Zahlen und bemerkten, dass der Leipziger Bedarf an Sozialwohnungen im vergangenen Jahr noch mit 10.400 angegeben wurde. Innerhalb eines Jahres hätte er sich nach Angaben der Landesregierung mehr als halbiert. Zum Vergleich: Die Landeshauptstadt Dresden besitze rund 10.000 Sozialwohnungen und decke damit ihren Bedarf.

12.000 neue Wohnungen und Flächen für Eigenheime

Hausbau, Eigenheim
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Insgesamt plant die Stadt Leipzig den Bau von mindestens 12.000 neuen Wohnungen. Räumliche Schwerpunkte sind östlich und südlich des Zentrums, auf dem ehemaligen Kasernengelände in Möckern, am Lindenauer Hafen und vereinzelte äußere städtische Lagen. Im Stadtviertel "Bayerischer Bahnhof" soll etwa die Vonovia 1.400 Wohnungen errichten. In Leipzig-Knauthain wird am Montag die Baufläche für knapp 90 Eigenheime eingeweiht.

Weitere Großprojekte in Planung sind der "Eutritzscher Freiladebahnhof" und die "Parkstadt Dösen". In Eutritzsch und Probstheida hat die Stadt Leipzig außerdem vor einigen Monaten Grundstücke für sozialen Wohnungsbau nach Erbbaurecht ausgeschrieben.

Keine Wohnungsnot - Umzug ins Umland möglich

Balkone von Wohnungen
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Mitte April debattierte der Sächsische Landtag über Mieten und Wohnen. Politiker von CDU und AfD verwiesen dabei darauf, dass es freie Wohnungen gebe und genügend Wohnraum im Umland von Leipzig zur Verfügung stehe.

Maria Kantak von der Initiative "Leipzig für alle: Aktionsbündnis Wohnen" hält von dieser Denkweise nichts: "Die freien Wohnungen müssen sich Niedrigverdiener aber auch leisten können. Und jeder Mensch soll selbst entscheiden können, ob er oder sie aufs Land ziehen oder in die Stadt. Schließlich möchte auch niemand abgehängt sein."

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.04.2019 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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7 Kommentare

01.05.2019 13:14 der_Silvio 7

@5 Bingo; "Natürlich können nur Menschen die gut verdienen, bauen in Deutschland... Man stelle sich vor."Bauboom durch Geringverdiener"."
Hinzu kommt, daß KINDERREICHE Familien es schwer haben, einen Kredit zu bekommen. Mehr Kinder heißt, daß der Verdienst entsprechend hoch sein muß damit die Bank einen Kredit gibt.
Das habe ich selbst erlebt; der Berater sagte zu mir wörtl.(!): "Sie haben 4 Kinder? Sie tun mir leid."
Was ich mit ihm am liebsten gemacht hätte, darf ich hier nicht schreiben.
Aber fest steht, daß 1. Nur Gut- bis Sehr-Gut-Verdiener die Möglichkeit haben, zu bauen; und 2.) Nur die Banken und Bauunternehmer davon profitieren, & zwar staatlich gefördert (Baukindergeld).
Geringverdiener werden "gefördert" durch Kinderzuschlag, & damit weiter massiv in der Abhängigkeit vom Staat gehalten.
Die Abgabenlast wird hoch gehalten & weiter erhöht, damit die wenigen Superreichen, inkl. unserer Politiker noch reicher werden.

01.05.2019 10:20 der_Silvio 6

@4 Zeitgeist;
Wenn ich ihren Kommentar lese, bleiben nur zwei Möglichkeiten;
Entweder sind sie ein Wessi und fühlen sich verpflichtet, uns Ossis zu belehren - können Sie sehr gern für sich behalten! Oder sie sind ein Ossi und haben zu DDR Zeit bestimmte Privilegien genossen, und wer die hatte, daß wissen wir.

"Aber viele sind lieber quer durch die Welt gereist und haben die Zeit verträumt." Verständlich, wenn man sein Leben lang in einem Staat eingesperrt war.

Die (un)Treuhand also. Meinen sie diejenigen, die Ostdeutsche Betriebe an die westdeutsche Konkurrenz verscherbelt hat, die diese dann Plattgemacht haben, wohingegen Ostdeutsche Investoren richtig viel Geld ablatzen durften, wenn sie sich reprivatisiert haben, oder die Betriebe über die Wendezeit gerettet haben.

Ich bin mir sicher: sie sind Wessi; behalten sie ihre "klugen" Worte für sich!

01.05.2019 10:16 Bingo 5

Natürlich können nur Menschen die gut verdienen, bauen in Deutschland. Haben wir den 1.April ?? Man stelle sich vor."Bauboom durch Geringverdiener".

29.04.2019 18:23 Zeitgeist 4

Als erstes jeder hatte im Osten die Möglichkeit nach 1990 ein Haus von der Treuhand günstig ab zukaufen. Aber viele sind lieber quer durch die Welt gereist und haben die Zeit verträumt.
Als Zweites hat doch einer ein Haus gebaut. So rief er Neider auf dem Plan. Wie kann dieser kleiner Mann / Frau nur !
Also hat man diese Häuslebauer irgendwie kalt gestellt. Firma dicht, Dauerpendeln go West, Notverkauf, aus der Traum, viele Lebensjahre im, Eimer.
Jetzt wo alles teurer wird, da hat es die junge Generation schwer. Denn die scheinbar niedrigen Zinsen, ein Staat welcher gern Versprechen und Gesetze bricht. Hier ist Vorsicht geboten.... vor dem Ruin !

29.04.2019 15:59 Fragender Rentner 3

Na wenn die Preise für alles was um das Bauen zutuen hat um 20-40% gestiegen ist, wie kann sich da jemand etwas leisten der nur ca. die 2.000,- € Brutto im Monat bekommt?

Wie am Wochende berichtet wurde, auf Anfrage der Linken.

29.04.2019 14:31 peter 2

An sozial schwächere Familien, vorallem mit Kindern denkt ja sowieso niemand mehr! Da lässt sich nichts verdienen!
Widerliche Politik in diesem Lande. Wo ist denn der Herr Kretschmer? Der Mann ist völlig abgetaucht. Probleme über Probleme in Sachsen und alles wird dem Selbstlauf überlassen. Wahrscheinlich beschäftigt man sich mal wieder mit dem Wolf!!!
Wirklich mal was tun, für die, die Hilfe brauchen, wäre gut!
Leipzig ist eine tolle Stadt, also macht auch mal was für die Menschen da!

29.04.2019 13:35 Mane 1

Wenn einer denkt,es werden Sozialwohnungen gebaut ,wie gebraucht werden ,der glaubt am Weinachtsmann. Bei dieser Führung in Leipzig ,nie! Es wird teurer sage ich.

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