Auf dem Areal hinter dem bayerischen Bahnhof soll der neue Stadtraum entstehen.
Bildrechte: Stadt Leipzig

Zeitplan für Neubau steht Streit um Stadtteil am Bayerischen Bahnhof in Leipzig beigelegt

Seit Jahren soll auf der Fläche hinter dem Bayerischen Bahnhof ein neuer Stadtteil entstehen. Doch wegen Unstimmigkeiten zwischen Stadt und Grundstückseigentümer passierte lange Zeit nichts. Nun liegen konkrete Zeitpläne und Verträge vor.

Auf dem Areal hinter dem bayerischen Bahnhof soll der neue Stadtraum entstehen.
Bildrechte: Stadt Leipzig

Zentrumsnah, unbebaut und mit guter Verkehrsanbindung – die 36 Hektar Bauland hinter dem Bayerischen Bahnhof bieten ideale Bedingungen für ein neues Stadtquartier. Wegen Unstimmigkeiten zwischen der Stadt Leipzig und der Stadtbau AG als Eigentümer, hat sich auf dem Areal aber jahrelang nichts getan. Nach einem Mediationsverfahren haben sich die Beteiligten nun auf gemeinsame Ziele geeinigt. Schon im kommenden Jahr sollen die ersten Spatenstiche erfolgen.

Weniger Wohnungen und mehr Gewerbeflächen

Bei einem Pressegespräch von Stadt, Stadtbau AG und BUWOG AG demonstrierten die Beteiligten Einigkeit. Um die Interessen aller Seiten bestmöglich zu vertreten, hätte man sich auf eine sogenannte kooperative Baulandentwicklung geeinigt. Ein städtebaulicher Vertrag dazu liege bereits vor, zwei weitere Unterverträge seien in Planung und müssten im März vom Stadtrat bestätigt werden. In den Dokumenten sind die Details des komplizierten Kompromisses festgehalten, unter anderem wer was baut und wie die Kosten aufgeteilt werden.

Einer der wichtigsten Knackpunkte: Es sollen viel weniger Wohnungen gebaut werden, als bislang geplant. Bisher war die Rede von rund 3.000 Mietwohnungen, die auf dem gesamten Areal entstehen sollten. Zugunsten von Gewerbeflächen soll die Zahl der Wohneinheiten nun beinahe halbiert werden. Geplant seien jetzt 1.600 Wohnungen für 2.700 Einwohner und rund 150.000 Quadratmeter für Büros und Geschäfte. "Wir legen nicht nur viel Wert darauf, dass es eine gute Mischung der Bewohnerschaft geben wird, sondern auch eine Mischung von Wohnraum und Arbeitsplätzen", erklärte Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau die Planänderungen.

Die Stadt Leipzig und das Unternehmen "Stadtbau AG" haben die Pläne für den neuen Stadtteil am Bayerischen Bahnhof vorgestellt.
Bei einem Pressegespräch haben Baubürgermeisterin Dubrau, Oberbürgermeister Jung, Patrik Fahrenkamp von der Leipziger Stadtbau AG, Alexander Happ von der BUWOG Group und Thomas Rupp vom Stadtplanungsamt die aktuellen Pläne vorgestellt. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Ebenfalls neu: Die Gewerbeflächen und Wohngebäude sollen in verschiedenen Verantwortungsbereichen entstehen. Die Leipziger Stadtbau AG will sich vorrangig um die Geschäftsgebäude und die geplante Parkanlage kümmern, die Wohnungen sollen im Auftrag der aus Österreich stammenden BUWOG Group gebaut werden.

Planungsziele des Stadtraums "Bayerischer Bahnhof" - rund 1.600 Wohnungen für 2.700 Menschen
- rund 150.000 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen
- 330 Kita-Plätze auf dem Gelände der ehemaligen Konservenfabrik „Gurken-Schuhmann“ bis 2022
- Neubau einer dreizügigen Grundschule an der Kurt-Eisner-Straße
- autoreduziertes Quartier
- umweltverträgliche Mobilitätsformen
- öffentlicher Stadtteilpark zur Erholung
- hohe Anforderungen an stadtökologische Qualitäten
- Fertigstellung des neuen Stadtteils bis Ende 2031

Stadt lässt Bauträger für Kitas und Schulen bezahlen

Die BUWOG Group will die Wohnungen nicht nur bauen, sondern später auch betreiben. Ein knappes Drittel soll preisgebunden für 6,50 Euro pro Quadratmeter als Sozialwohnungen vermietet werden. Bei den Mieten der restlichen Wohnungen wollte sich Alexander Happ von der BUWOG Group nicht festlegen. "Baubeginn für die meisten Wohnungen wird erst in zwei Jahren sein. Dann dauert es noch einmal zwei Jahre, bis die Gebäude fertig sind", erklärt der Manager. "Danach werden wir aktuelle und marktkonforme Mieten anbieten. Klar ist aber auch, dass ein Penthouse deutlich über den politisch korrekten Mieten angeboten wird."

Neu an der kooperativen Bauentwicklung von Stadt und Bauträgern ist auch, dass die Kosten für soziale Einrichtungen im neuen Quartier aufgeteilt werden. So wird das Wohnungsbauunternehmen an den Ausgaben für die Schule und die Kindertagesstätte beteiligt. Es muss die Kosten für den Bedarf übernehmen, der durch den neuen Stadtteil entsteht. Die restlichen Schul- und Kitaplätze finanziert die Stadt, um den ohnehin bestehenden Mehrbedarf zu kompensieren.

Vertragsstrafen und Bürgerbeteiligung

Thomas Rupp vom Leipziger Stadtplanungsamt zeigt den konkreten Terminplan für den Stadtraum "Bayerischer Bahnhof"
Thomas Rupp vom Leipziger Stadtplanungsamt zeigt den konkreten Terminplan für den Bau des neuen Stadtteils Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Nach den Jahren des Stillstandes will die Stadt nun schnellstmöglich Ergebnisse sehen. Dazu wurden in den Verträgen mit den Bauträgern auch Fristen definiert, die an Vertragsstrafen gebunden sind. "Wir wollen zeigen, dass es wir es ernst meinen", sagt Thomas Rupp vom Stadtplanungsamt. Sollten die Termine für Bauantrag, Spatenstich und Fertigstellung nicht eingehalten werden, drohen den Bauträgern Strafen in Höhe von 250.000 Euro.

Beginnen werden die ersten Bauarbeiten schon im kommenden Jahr. "Bis Ende 2019 muss die Planung für die Grundschule und den Wohnkomplex am Dösner Weg abgeschlossen sein", sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung. "Anfang 2020 rechnen wir mit den Bauanträgen, sodass es im kommenden Jahr gleich zwei Spatenstiche geben wird." Die übrigen Bauvorhaben inklusive der Errichtung einer großen Parkanlage und dem Neubau einer Ankunftshalle nach historischem Vorbild sind bis Ende 2031 gestaffelt.

Aufgerufen sind auch alle Leipziger, sich am Planungsverfahren zu beteiligen. Ab Ende dieses Jahres sollen auf mehreren Bürgerforen die Planungsstände bekannt gegeben werden. Um die Meinungen und Vorschläge der Einwohner zu berücksichtigen, seien auch mögliche Städtebauworkshops denkbar, so Thomas Rupp vom Stadtplanungsamt. Grundlage für den neuen Stadtteil bleibt der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs von 2011.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR | 11.02.2019 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2019, 18:49 Uhr

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4 Kommentare

12.02.2019 20:16 Kiel_oben 4

wann wird am Leipziger Bayrishen Bahnhof, roter Teppich ausgerollt und großer Bahnhof z.B. für Promi-Patchworkfamilien - damit zehntausende Mitteldeutsche nicht immer nach Berlin touren müssen

12.02.2019 15:58 Public-private-Partnership 3

Zitat von oben: "So wird das Wohnungsbauunternehmen an den Ausgaben für die Schule und die Kindertagesstätte beteiligt. Es muss die Kosten für den Bedarf übernehmen, der durch den neuen Stadtteil entsteht."
Vermutlich handelt es sich dabei um öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP, englisch auch Public-private-Partnership - PPP).
Lt. Wikipedia: "ÖPP ist in der Regel einem Miet- oder Pachtvertragsverhältnis ähnlich"
Letztlich kommen solche Modelle der öffentlichen Hand (hier Stadt) wesentlich teurer, als wenn man selbst finanzieren würde. Aber Leipzig hat´s ja(Sarkassmus) und wenn nicht, werden halt die Bürger über den Stadtkonzern (LVB, Stadtwerke, Wasserwerke, Müllabfuhr) noch mehr kassiert als schon bisher.

12.02.2019 15:55 Ricarda 2

Grüne Politik ist hier gefragt. Wir Grüne wollen den Radverkehr attraktiv machen und die Bedingungen für Radfahrende verbessern. Grundsätzlich ist das Fahrradfahren im Stadtverkehr schon heute auf vielen Strecken sehr gut möglich. Die Vorteile des Radfahrens liegen in den größeren Mobilitätsfreiheiten, z. B. der freigegebenen Gegenrichtungs-Befahrbarkeit von Einbahnstraßen, den Abkürzungen durch die Grünzüge der Stadt wie Parks und Waldstücke. Radfahren dient der allgemeinen Bewegungsförderung und damit der Gesundheitsvorsorge. Radfahrende sind auch im Vorteil, wenn es um das Parken des Fahrzeugs geht. Die allgemeine Geschwindigkeit liegt im Stadtverkehr auf ähnlichem Niveau wie der des Pkws.

12.02.2019 12:14 Sächsist 1

Was dieser unfähiger OB Jung auch anfasst, es funktioniert nicht. Die LVB fährt seit Jahren an der Grenze zum Zusammenbruch mit 60 Jahre alten Tatrabahnen und wird immer teurer, keine KITA´s, Schulen die so vergammelt aussehen wie in Südamerika Gefängnisse, vergammelte Strassen und Fusswege. Völlig überrascht das die Menschen die nach Leipzig ziehen Wohnungen benötigen. Kriminalitätshochburg und wie wir seit heute wissen eine der Stauhochburgen in Deutschland. Selbst seinen eigenen Abgang, komfortabel durch die Sparkasse finanziert (er wollte Chef des Ostdeutschen Sparkassenverbandes werden) hat er vermasselt. Ach ja er will noch ein Gaskraftwerk bauen. Ich weiss schon wie es ausgeht.....

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