Eine Deutschlandfahne mit dem Bundesadler weht 2014 in einem Kleingarten in Leipzig
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Streitlust Bundeszoffhauptstadt Leipzig

Eine Deutschlandfahne mit dem Bundesadler weht 2014 in einem Kleingarten in Leipzig
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Leipzig hat bundesweit die streitlustigsten Bürger. Wie aus dem Streitatlas des Rechtsschutzversicherers Advocard hervorgeht, streitet sich durchschnittlich jeder dritte Leipziger (33,2 Prozent aller Einwohner) einmal pro Jahr. Dann zieht er vor Gericht oder spielt zumindest mit dem Gedanken. Damit gilt die Messestadt als Deutschlands Zoff-Hochburg, gefolgt von Köln (32,1 Prozent), Frankfurt am Main und Düsseldorf. Demgegenüber nehmen sich die Dresdner mit 27,8 Streitfällen pro 100 Einwohner geradezu friedfertig aus. Regelrechte 'Pazifisten' sind sachsenweit gesehen dagegen die Menschen im Landkreis Görlitz. Hier gibt es nur 19,7 Streitfälle pro 100 Einwohner.

Was wird gezählt? Der Streitatlas von Advocard erhebt nicht die Zahl von Gerichtsverfahren, sondern von Streitfällen. "Streitfälle" sind von Privatkunden der Advocard gemeldete Streitigkeiten. Ob der jeweilige Streit mit einer Erstberatung, Mediation, einem Vergleich oder einem Gerichtsurteil etc. beendet wurde, ist für die Berücksichtigung nicht relevant.

Gezählt hat die Advocard Streitfälle, die alle Rechtsbereiche, also Zivil- sowie Strafsachen einschließen.

Bayern als Friedensengel

Im Vergleich der Flächenländer ist Nordrhein-Westfalen auf Platz eins. Abgesehen von den Leipzigern sind die Sachsen insgesamt eher wenig streitlustig. Der Freistaat kommt im Ranking auf Platz 13, gefolgt von Thüringen. Am wenigsten tragen die Bayern ihren Streit vor Gerichten aus.

Zwei Männer stehen sich gegenüber und schreien sich an.
Männer sind offenbar sehr viel mehr auf Krawall gebürstet als Frauen. Über zwei Drittel aller Streitigkeiten werden von Männern ausgetragen (67,1 Prozent). Zudem scheint den Deutschen in der Mitte des Lebens nicht nur die Midlife-Crisis, sondern auch die Mid-Streit-Crisis zuzusetzen: Menschen zwischen 46 und 55 Jahren streiten sich statistisch gesehen am häufigsten (28,4 Prozent aller Streitfälle). Bildrechte: Colourbox.de

Und worüber streitet man in Deutschland "am liebsten"? Besonders häufig sind sich die Menschen uneins bei den Themen Verkehrsunfälle, Mieten und Wohnen. Auch familiäre Streitigkeiten und Uneinigkeiten mit dem Arbeitgeber über das Thema Lohn spielen eine große Rolle. In Sachsens Streithochburg Leipzig stehen private Querelen an der Spitze - dazu gehören Scheidungen, Erbgeschäfte oder Mängel bei Urlaubsreisen. Danach geht es den Leipzigern um verkehrsrechtlichen Streit und das Thema Miete und Wohnen.

Kein kurzer Prozess

Die Frage, wer in Deutschland Recht hat, werde immer öfter juristisch geklärt, erklärte Peter Stahl vom Rechtsschutzversicherer Advocard. "Es wird immer mehr gestritten, zunehmend auch wegen eher geringer Streitwerte." Gegenüber dem Jahr 2014 hat die Anzahl der Streitigkeiten mit einem Wert bis 2.000 Euro um 3,5 Prozentpunkte auf 68,0 Prozent aller Fälle zugenommen. Zudem streitet der Deutsche immer verbissener um sein Recht: 43,7 Prozent aller Streitigkeiten dauern länger als ein Jahr bis zur Beilegung.

Quelle: MDR/st

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2018, 16:05 Uhr

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