Adé schwarzes Gold Leipzig will bis 2023 weg von der Braunkohle

Mitten in der Braunkohle und dennoch abgekoppelt: Leipzig kehrt dem fossilen Brennstoff den Rücken. Der Ausstieg soll nach dem Willen der Verwaltung bis zum Jahr 2023 kommen. Doch auf dem Weg dahin sind noch einige Hürden zu bewältigen.

Braunkohlekraftwerk Lippendorf mit Solarpark bei Leipzig
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Leipzig will unabhängig sein, selbst gestalten, nicht warten, bis Gesetze auf Bundesebene über die Zukunft der Braunkohle entscheiden. Leipzig will einen Schritt schneller sein. Ziel der Stadtverwaltung ist es deshalb, ab 2023 braunkohlefrei zu sein. Eine erste Studie im Auftrag der Stadtwerke zeigt nun den Weg dafür auf.

Der Energiequellen-Mix

Lichtschalter, gespeist aus erneuerbaren Energiequellen
Sonne, Wind, Wasser - die Zukunft der Energieversorgung liegt in erneuerbaren Energiequellen. Leipzig plant den völligen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Bildrechte: colourbox.com

Die Stadtwerke setzen auf einen Technologie-Mix. Zeitnah steht dabei Gas an erster Stelle. Dafür sollen mehrere große Gasturbinen neu gebaut werden, wie der Geschäftsführer der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV), Karsten Rogall, sagte. Geplant wird mit Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro. Einen Teil des Geldes will sich die LVV über die Einspeisevergütung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes wiederholen. Insgesamt geht die Stadt nach eigenen Angaben davon aus, dass die Umstellung der Wärmeerzeugung für die Haushalte nicht zu höheren Preisen führt. Baubeginn für die Gasturbinen könnte im Jahr 2020 sein. Letztendlich muss aber der Stadtrat noch über diese Energiewende entscheiden. Eine Abstimmung ist im März 2019 geplant.

Leipzigs Oberbürgermeister Jung bezeichnete in seinen Zukunftsvisionen Gas als Übergangstechnologie. Langfristig wolle sich die Stadt auch von diesem Brennstoff unabhängig machen, denn die Wärmeversorgung solle so klimafreundlich und emissionsarm wie möglich gestaltet werden. Deshalb stünden auf dem Plan des Energiequellen-Mixes auch Biomasse, Solarthermie und Photovoltaik.

Umwelt kontra Arbeitsplätze

Bei der Umsetzung der Umweltziele nimmt Leipzig keine Rücksicht auf Arbeitsplätze. "Wir müssen damit leben, dass wir mit dieser Entscheidung Lippendorf vor den Kopf stoßen", so Oberbürgermeister Burkhard Jung. Emissionen der Kohleverstromung in Lippendorf erreichten noch immer die Stadt. Die Umweltzone für Pkw und Lkw sei auch dem nahen Kohlekraftwerk geschuldet, so der Oberbürgermeister weiter.

Die Grünen, die maßgeblich auf den Ausstieg aus der Braunkohle gedrungen hatten, begrüßten die Pläne als Etappensieg. Ohne die Fernwärmelieferung an Leipzig sei Lippendorf nicht mehr rentabel, erklärte Landeschef Norman Volger. Der CDU-Landtagsabgeordnete Georg-Ludwig von Breitenbuch kritisierte hingegen den "Leipziger Alleingang" als unverantwortlich. Hunderte Jobs im Kraftwerk und im Tagebau würden damit aufs Spiel gesetzt.

Einer Studie zufolge sind in Lippendorf 320 Mitarbeiter beschäftigt. In den Tagebauen Profen und Schleenhain rund um Leipzig und der Veredlung gibt es insgesamt knapp 2.000 Beschäftigte. Die Untersuchung hatte die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatten.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 05.12.2018 | seit 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 20:10 Uhr

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27 Kommentare

07.12.2018 11:52 Mane 27

Oh Gott,man streitet über Co2 in Leipzig.Die Kohle muss wegen wegen Co2.Aber wir verkaufen lieber Diesel Fahrzeuge, die in Deutschland nicht mehr zugelassen sind nach Afrika und sonst wo hin.Da werden große Profite gemacht.Und Co2 ist dort egal.Ist ja auch eine andere Welt wie Deutschland.Armes Deutschland,wir bezahlen auch das noch!

07.12.2018 10:48 Hanno Mag 26

Der Herr Jung will Leipzig also von russischem Gas abhängig machen. Eine fossile Quelle wird gegen eine andere ausgetauscht, hm. Bekommt er dann auch ein Pöstchen bei Gazprom wie Parteikollege Schröder? Wenn es schon mit der Sparkasse nicht geklappt hat....

06.12.2018 16:25 Bernd L. 25

Peter 20:
"was andere Länder tun". Weltweit sind 1380 neue Kohlekraftwerke im Plan, davon entstehen 300 neue jetzt in China. Achso, China enthält Geld aus dem Klimafonds, in den Deutschland 1,5 Milliarden eingezahlt hat. Ob es dieses Geld in den Bau von neuen Kohlekraftwerken investiert, weiß ich nicht.
Aber die Leuipziger Stadtgrünen intesssiert das wohl kaum.

06.12.2018 16:19 Peter 24

Die CDU im Landtag hat es immer noch nicht geschnallt und jammert immer noch das Lied der Arbeitsplätze. Wann merken die endlich welches Potential bei den EE liegt?
Und.... ein Alleingang von Leipzig in Sachsen ist das auch nicht...Kamenz steigt auch aus.

06.12.2018 14:14 Eulenspiegel 23

Hallo Klaus 12
Ich glaube da haben sie etwas falsch verstanden. Um Biogas zu erzeugen kann man zwar auch Mais einsetzen. Viel besser geht das aber mit Gülle plus weitere Bioabfälle. Und in der Regel wird das Biogas auch ganz ohne Mais erzeugt. Und im Prinzip könnte eine Biogasanlage überall da stehen wo Gülle anfällt und eine Erdgasleitung in der nähe ist. Denn Biogas und Erdgas das ist beider Methan.

06.12.2018 12:34 Zimmermann 22

Das Kraftwerk läuft weiter und ist gut ausgelastet. Die linksgrünen produzieren also damit zusätzlich Schadstoffe. Dummheit die wehtut.
Viele linksgrüne Leipziger Wohlstanfswähler interessiert das aber nicht. Wird die Abwärme vom Kraftwerk nicht mehr genutzt geht sie in die Kühltürme also ungenutzt in die Umwelt.

06.12.2018 12:31 Dieter 21

Der Religionslehrer Jung ist da sicher sehr sachkompetent. Lieber Herr, bitte schicke Hirn ins Leipziger Statparlament.

06.12.2018 11:31 Peter 20

Das sich hier vielfach der Kohleverbrennung geneigter Leser äußern liegt wohl daran das sie dort ihren Unterhalt verdienen.......weniger daran das sie nicht begriffen haben was im letzten UN Klimabericht steht.
Nun, neben Cottbus steigt auch Leipzig aus, ein gutes Zeichen!
P.S. bitte vor Kommentaren wie D hat nur 2% der Emissionen oder kann allein das Weltklima nicht retten mal Sachkundig machen was andere Länder tun.

06.12.2018 11:08 Jürgen Volt 19

Ich freue mich schon auf die nächste Stromkostenabrechnung.

06.12.2018 08:36 ReneS 18

Und der Gärrest wird dann auf die Felder "gebracht"? Das erlebe ich in Kitzscher und Umland jetzt schon mehrfach im Jahr. Es stinkt zum Himmel!
Aber kein Problem. Ich hoffe das dann Leipzig den Gärrest im Stadtgebiet "aufnehmen" wird. Typisch Leipziger SPDler mit den Grünen, Visionen ohne Ende aber vieles nicht bis zum Ende gedacht.

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