Mobbingvorwürfe im Max-Planck-Institut Empathie-Professorin aus Leipzig tritt zurück

Sie ist eine renommierte Forscherin auf dem Gebiet der Empathie und soll als Professorin im Max-Planck-Institut Mitarbeiter gemobbt haben. Nun hat die 49 Jahre alte Tania Singer ihren Direktoren-Stuhl im Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften geräumt.

Leipziger Empathie-Forscherin Tania Singer zurückgetreten
Die Expertin für Mitgefühl soll Mitarbeiter ihres Leipziger Forschungsinstitutes gemobbt haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Um eine weitere Eskalation des Konflikts zu vermeiden und allen Beteiligten die Rückkehr zu konzentrierter wissenschaftlicher Arbeit zu ermöglichen, haben die Max-Planck-Gesellschaft und Frau Singer vereinbart, dass Frau Singer ihre Leitungsfunktion als Direktorin von sich aus niederlegt", heißt es in einer Stellungnahme der Max-Planck-Gesellschaft, die MDR SACHSEN vorliegt. Tania Singer selbst ist derzeit nicht zu erreichen. Sie befindet sich noch bis Ende des Jahres im Sabbatical, wie es auf der Homepage des Leipziger Institutes heißt.

Schwere Vorwürfe

Das Max-Planck-Institut für Soziale Neurowissenschaften erforscht das menschliche Sozialverhalten. Die Direktorin aber soll genau auf diesem Gebiet im realen Leben versagt haben. Ihr wird Mobbing vorgeworfen. In einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin "Science" äußern sich acht Leipziger Mitarbeiter anonym. Das Magazin zitiert sie mit Aussagen wie: "Wann immer jemand eine Besprechung mit ihr hatte, standen die Chancen gut, dass er sie mit Tränen verlässt" oder "Schwangere hatten Angst, ihr zu erzählen, dass sie ein Baby erwarten".

Das Institut selbst hatte nach eigenen Angaben seit 2017 Kenntnis von den Anschuldigungen. Singer habe im Februar 2017 Fehler eingeräumt und diese mit Erschöpfung und einem großen Arbeitspensum begründet, schreibt das Magazin. Zudem habe es im selben Jahr eine Mediation gegeben, in deren Folge sich Singer entschuldigt habe. Gleichzeit habe sie um eine Auszeit in Form eines Sabbaticals gebeten, der dann auch stattgegeben wurde.

Erhebliches Führungsfehlverhalten

Die Max-Planck-Gesellschaft erhofft sich von der Auszeit der renommierten Wissenschaftlerin, eine Beruhigung der offenbar aufgeheizten Situation in der Forschungsgruppe für Kognitions- und Neurowissenschaften im Leipziger Max-Planck-Institut. Im September dieses Jahres setzte der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft eine Untersuchungskommission ein. Diese legte nun ihren Bericht vor. Darin kam sie zu dem Schluss, dass sich Vorwürfe über erhebliches Fehlverhalten im Führungsstil der Professorin bestätigt hatten. Einzelheiten nannte die Gesellschaft nicht. Beide Seiten haben Stillschweigen vereinbart.

Die Max-Planck-Gesellschaft will nach eigenen Angaben dafür Sorge tragen, dass den wissenschaftlichen Mitarbeitern keine Nachteile durch den Weggang von Tania Singer entstehen. Sie sollen im selben Forschungsfeld weiter arbeiten können und in derselben wissenschaftlichen Nachwuchsgruppe betreut werden. Ob ein anderer Wissenschaftler auf den Direktorenposten berufen werde, sei hingegen noch nicht entschieden, sagte eine Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft MDR SACHSEN. Dies sei ein langer Prozess, an dessen Ende auch eine Umstrukturierung des Forschungsfeldes stehen könne.

Tania Singer wird ihre Tätigkeit als Wissenschaftlerin ohne Leitungsfunktion außerhalb des Leipziger Instituts in kleinem Rahmen fortsetzen. Konkretere Angaben machte die Max-Planck-Gesellschaft nicht.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.12.2018 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 19:26 Uhr

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2 Kommentare

07.12.2018 13:17 Rasselbock 2

Wer diese Psychofuzzis ernst nimmt, selbst schuld. Meist sind diese Typen therapiebedürftig und nicht der Patient.

07.12.2018 08:14 Stadtjoggerin 1

Für mich ist das mal wieder ein Zeichen wie Psychologen wirklich ticken: MACHT!

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