40.000 Arbeitskilometer - einmal um die ganze Welt Leipziger Verkehrsbetriebe suchen Personal

Nimm das Steuer in die Hand. Mit diesem Spruch werben die Leipziger Verkehrsbetriebe schon seit geraumer Zeit um Busfahrer. Doch die Personalsituation wird immer prekärer und das Unternehmen geht nun in die Offensive. Helfen sollen Rekrutierungstage. Der erste war auf dem Leipziger Augustusplatz.

Interessenten am Augustusplatz.
Ausbildungschef Peter Müller-Marschhausen im Gespräch mit einem jungen Mann aus Syrien, der in Leipzig gern Busfahrer werden möchte. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer

Der Andrang am Dienstag war groß. Schon als die Stände kurz vor zehn noch aufgebaut wurden, waren die ersten Interessenten da und suchten das Gespräch. Aus- und Weiterbildungschef Peter Müller-Marschhausen von den Leipziger Verkehrsbetrieben führte schon vor dem offiziellen Start des Rekrutierungstages erste Gespräche, darunter ein sehr vielversprechendes mit einem jungen Syrer.

Den hätte ich am liebsten gleich mit in unsere Fahrschule genommen. Er war so motiviert und sprach auch schon ziemlich gut deutsch.

Peter Müller-Marschhausen Geschäftsführer LAB Leipziger Aus- und Weiterbildungsbetriebe GmbH

Dünne Personaldecke

Die Leipziger Verkehrsbetriebe suchen bei ihren aktuellen Rekrutierungstagen 32 Bus- und Straßenbahnfahrer. Das klingt zunächst nicht viel. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 1150 Fahrer. Von denen gehen in den kommenden Jahren aber sehr viele in den Ruhestand. Allein im kommenden Jahr würden 125 Mitarbeiter das Rentenalter erreichen, so der Geschäftsführer des Personal- und Fahrerservices, Michael Halberstadt. In den kommenden Jahren folgen jeweils weitere bis zu 100 Fahrer. So sucht das Verkehrsunternehmen letztlich also dauerhaft Bus- und Straßenbahnfahrer.

Michael Halberstadt gibt vor dem Stand der LVB ein Interview.
Michael Halberstadt von den Leipziger Verkehrsbetrieben weiß, dass in den kommenden Jahren viel Personal gebraucht wird. Besonders Busfahrer sind schwer zu bekommen, weil die Konkurrenz unter den zahlreichen Unternehmen auf dem Markt hoch ist. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer

Die Leipziger Verkehrsbetriebe haben im vergangenen Jahr 156 Millionen Fahrgäste transportiert, acht Millionen mehr als noch ein Jahr zuvor. Die Stadt wächst enorm und damit auch die Fahrgastzahlen.

Verantwortung hinterm Lenkrad

Der Leipziger Henry Schümann hat schon mal hinterm Steuer des großen LVB-Busses Platz genommen. Probesitzen nennt er das, weil er sich auch für einen Job bewerben will. Am liebsten Bus, sagt er. Er mag große Fahrzeuge, schon weil sie einen ausufernden Wendekreis haben. Das sei eine Herausforderung, der er sich stellen wolle. Einen PKW-Führerschein hat er schon mal. Damit erfüllt er eine der Einstellungsvoraussetzungen.

Bewerber sitzt Probe.
Bewerber Henry Schümann sitzt schon mal Probe und hat das Steuer selbst in die Hand genommen. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer

Heike Kreußel ist eigentlich Buchbinderin. Schon als Kind hat sie im Bus am liebsten ganz vorn gesessen und heimlich mitgelenkt. Jetzt will sie sich ihren Kindheitstraum erfüllen und selbst Buslenkerin oder Straßenbahnfahrerin werden. Die sportliche gekleidete Frau hatte sogar gleich ihre Bewerbungsunterlagen dabei. Im Gespräch mit Straßenbahnfahrer Gino Keitel erfährt sie etwas über Schichtzeiten und das Ausbildungsprogramm.

Ein halbes Jahr Theorie und Praxis

Bewerbungsgespräch der LVB auf dem Augustusplatz.
Bewerberin Heike Kräusel (links) im Gespräch mit Straßenbahnfahrer Gino Keitel (rechts). Bildrechte: MDR/Grit Grimmer

Sechs Monate dauert die Ausbildung bei den Leipziger Verkehrsbetrieben. Anschließend folgen noch sechs Wochen, in denen die frisch gebackenen Fahrer sogenannte Lehrfahrten absolvieren. In Begleitung eines langgedienten Mitarbeiters lernen sie jede Strecke und Linie bis ins Detail kennen.
Eine wichtige Voraussetzung für den späteren Einsatz. Und der bringt jeden Mitarbeiter auf den Straßen Leipzig einmal rund um die Welt. Etwa 40.000 Kilometer legt jeder Bus- und Straßenbahnfahrer innerhalb eines Arbeitsjahres zurück.
Die nächste Möglichkeit, sich bei den Verkehrsbetrieben umzuschauen, die Bewerbungsunterlagen persönlich abzugeben oder sogar selbst ein Stück Bus oder Bahn zu fahren, gibt es am 25. August 2018 an der Angerbrücke in Leipzig.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.08.2018 | 16:20 Uhr und im MDR SACHSENSPIEGEL ab 19:00 Uhr

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4 Kommentare

16.08.2018 09:20 Bürger 4

@#2

unter 2000 Euro Brutto

15.08.2018 08:25 J.Heder 3

Das aktuelle Fahrerproblem könnte auch ein weites Stück "hausgemacht" sein!? Wer, um Personalkosten zu sparen so wie Anfang der 2000er Jahre, das neu eingestellte Fahrpersonal in einer separaten Personalgesellschaft einstellt und diese dann auch noch um etwa 20% schlechter bezahlt als vergleichbares Personal muß sich nicht wundern wenn keiner neu anfangen will und der Stamm sich attraktiver bezahlte Jobs sucht. Man kann bei der LVB oder LSVB arbeiten; man muß es aber nicht!
Darüber sollten die Verantwortlichen mal nachdenken.
Der Personalmangel beginnt gerade erst durch die geburtenschwächeren Jahre und eine leicht verfehlte Bildungspolitik; nicht jeder Beruf bedarf eines Abitur.

15.08.2018 07:11 Möwe 2

Was wird denn so bezahlt?

15.08.2018 07:08 Bürger 1

Schade dass Herr Halberstadt nicht die Eingruppierung im TVöD, der gesuchten Mitarbeiter nennt, denn dann würden vielleicht mehr Bürger verstehen warum es bei der LVB am Personal mangelt. Schuld sind auch die Verkehrsverbünde wo immer der billigste Anbieter den Vorang erhält. Die Auswirkungen sind bekannt....MRB (ersatzloser Ausfall von SPNV-Leistungen), Städtebahn Sachsen (dauerhafter Ersatzverkehr mit Busen und verlängerter Fahrzeit),...

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