Aus dem Dornröschenschlaf erweckt Leipziger Astoria will wieder erstes Haus am Platz werden

Hotel Astoria
Zukunftsvision: Das Astoria nach der Sanierung. Bildrechte: wolff:architekten

Ein bisschen Grand-Hotel-Flair am Leipziger Hauptbahnhof. Das wollen die Architekten und Eigentümer der Astoria-Ruine wieder aufleben lassen. Erbaut zwischen 1913 und 1915 gehörte das Astoria einst zu Leipzigs Prachthotels. Entstanden war es nach Entwürfen der renommierten Dresdner Architekten William Lossow und Max Hans Kühne. Sie hatten unter anderem auch das Kunstgewerbemuseum, das Dresdner Schauspielhaus und nicht zuletzt auch den Leipziger Hauptbahnhof gestaltet. Vom Glanz alter Tage ist derzeit nichts mehr übrig.

Schlechte Ausgangssituation

Die Revitalisierung des Astoria wird zu einem Kraftakt. Seit dem 31.Dezember 1996 steht das Gebäude leer und verfällt von Monat zu Monat mehr. Das zweite Untergeschoss steht komplett unter Wasser. Im ersten Untergeschoss steht der Wasserspiegel aktuell bei 1,50 Meter. Der Zuschnitt der Zimmer und Gänge entspricht nicht mehr heutigen Vorstellungen und Anforderungen. Auch Parkraum für Autos ist im Grunde kaum vorhanden. Vandalen verschafften sich immer wieder Zutritt in das Objekt und ließen ihrer Zerstörungswut freien Lauf. Diese Ausgangslage hatte in den vergangenen zwanzig Jahren potentielle Investoren immer wieder abgeschreckt.

Leipzig - Hotel Astoria Ein Blick hinter die Hoteltüren heute

Das Hotel Astoria heute
Bildrechte: MDR/Udo Egelkraut
Das Hotel Astoria heute
Bildrechte: MDR/Udo Egelkraut
Das Hotel Astoria heute
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Das Hotel Astoria heute
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Das Hotel Astoria heute
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Mutige Päne

Entgegen bisheriger Ideen wollen der Eigentümer Intown Property Management GmbH und das Architektenbüro wolffarchitekten das alte Astoria nicht weitgehend abreißen. Stattdessen soll es renoviert und rekonstruiert werden. Größte Herausforderung wird dabei der Keller werden. Das unter Wasser stehende zweite Untergeschoss wird aufgegeben und mit Sand verfüllt. Das erste Untergeschoss soll trocken gelegt, abgedichtet und mit einer sogenannten weißen Wanne ausgekleidet werden.

Die Eingangshalle bleibt erhalten, wie auch das architektonisch hochwertige ovale Treppenhaus des Ursprungsbaus.
Im Innenhof soll zudem ein Parkhaus mit 60 Plätzen entstehen und aufgesetztem Sky-Restaurant.

Architekt Roland Wolff
Architekt Roland Wolff Bildrechte: MDR/Grit Grimmer

Ziel ist es, dass man die ganzen Umbauarbeiten auf den ersten Blick gar nicht erkennt. Es soll frisch, sauber und schick erstrahlen, die Eingriffe sollen aber nur zurückhaltend und der historischen Struktur untergeordnet werden. Die Fassade von 1913 soll weitestgehend rekonstruiert werden.

Roland Wolff Architekt

Auf die Innenarchitekten kommt ebenfalls eine Herausforderung zu. Derzeit läuft dazu ein international ausgeschriebener Wettbewerb. Ziel soll es sein, sowohl die Zeit des ersten Hotelbaus von 1915, wie auch das Zeitgefühl der 50er bis 80er Jahre aufzugreifen.

So wird das neue Astoria

Im Erdgeschoss entstehen auf ca. 340 Quadratmeter Fläche Räumlichkeiten für Konferenzen mit maximal 400 Personen, sowie ein rund 800 Quadratmeter großer Bankettbereich für bis zu 1.000 Personen. Ferner wird es eine Bar mit 30 und ein Restaurant mit 200 Plätzen geben. Auch im Außenbereich können 60 Gäste bedient werden. Die 250 Zimmer mit insgesamt 500 Betten sind im ersten bis vierten Obergeschoss untergebracht. Im Untergeschoss ist eine Spa-Anlage geplant. Alle Geschosse sind über Lifts erreichbar.

Los geht´s

Die Bauarbeiten haben schon begonnen, wenn auch zunächst nicht sichtbar im Innenraum. Dort werden derzeit viele historische Gestaltungselemente und Verzierungen, soweit noch vorhanden, gesichert und katalogisiert. Auch das Grassimuseum hat schon Interesse an dem einen oder anderen Gegenstand angemeldet.

Architekten und Eigentümer haben ihr Vorhaben sportlich geplant und wollen Ende 2020 Eröffnung feiern. Welche Kosten für das gesamte Projekt anfallen, darüber wurde geschwiegen. Derzeit sei die Summe noch nicht abzusehen, da noch bauliche und statische Gutachten ausstünden.

Zwar sei der Bauantrag noch nicht genehmigt, befinde sich aber nach den Worten der amtierenden Leiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, Kathrin Rödiger, auf gutem Wege. Man befinde sich in letzter Abstimmung zu Fragen des Denkmalschutzes. An der Genehmigung wird nicht mehr gezweifelt.

Hotel Astoria
Bildrechte: wolff:architekten

Geplant ist auch, den leuchtenden historischen Hotelschriftzug "Astoria" aus dem Jahr 1915 wieder auf das Dach zu bringen. Die Stadt hat dagegen offenbar keine Einwände. Der Schriftzug war während der Bauarbeiten in den 50er-Jahren abgenommen worden.

Das Astoria nach dem Krieg

Nach der Zerstörung des Nachbargebäudes im Zweiten Weltkrieg hatte die DDR in den Jahren 1954 bis 1957 einen stilistisch angepassten Erweiterungsbau errichtet. Im Zuge dessen waren der Haupteingang in den Neubau und die neue Gebäudemitte an den heutigen Willy-Brandt-Platz verlegt worden. Zugleich wurden damals auch die Fassaden des Altbaus überarbeitet und Schmuckreliefs beseitigt. Nach dieser Erweiterung zählte das Hotel knapp 500 Betten.

Während der Frühjahrs- und Herbstmessen wohnten SED-Größen wie Walter Ulbricht und Alexander Schalck-Golodkowski hier. Aber auch Louis Armstrong, Johannes Heesters oder Herbert von Karajan waren Gast im Astoria.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 04.05.2018 | seit 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten und ab 19:00 Uhr im MDR SACHSENSPIEGEL

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2018, 17:59 Uhr