Preis für Freiheit Leipziger Medienpreis für Journalisten Erdoğan und Yücel

Die türkische Autorin Asli Erdoğan und der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel sind am Freitag den Leipziger mit dem "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" geehrt worden. Die Preise sind mit insgesamt 30.000 Euro dotiert.

Zur Begründung hieß es vom Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, Stephan Seeger: "Mit Deniz Yücel und Asli Erdoğan ehren wir zwei Journalisten, die ernsthaft und streitbar ihrer Arbeit nachgehen, die das einstige Demokratieversprechen der türkischen Republik ernst nehmen und die wegen ihrer kritischen Berichterstattung durch eben diese Republik verfolgt werden." Deniz Yücels Schwester Ilkay überbrachte Dankesworte ihres Bruders aus dem Gefängnis: Der Leipziger Preis sei für ihn im Gefängnis ein wichtiges Symbol. Der Journalist sagte weiter: "Natürlich danke ich Ihnen herzlich dafür, dass Sie Ihren Beitrag dazu leisten, dass ich nicht in dieser Symphonie aus Stahl, Beton und Draht vergessen werde."

Erdoğan erst kürzlich freigekommen

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel sitzt seit Ende Februar in der Türkei in Untersuchungshaft. Ihm wird Terror-Propaganda und "Aufwiegelung der Bevölkerung" vorgeworfen. Der Autorin Asli Erdoğan werden Propaganda für eine illegale Organisation und Volksverhetzung angelastet. Sie wurde aus gesundheitlichen Gründen aus der Untersuchungshaft entlassen. Erdoğan bedankte sich bei der Preisverleihung für die ihr entgegengebrachte Solidarität: "Im Gefängnis habe ich durch die Unterstützung aus Europa meine Kraft erhalten."

OB Jung: Derzeit keine Meinungsfreiheit in der Türkei

Burkhard Jung
Burkhard Jung Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung ist Vorsitzender des Stiftungsrats der Medienstiftung. Er zeigte sich mit Blick auf die Situation in der Türkei besorgt: "Die Gefängnisse sind voller denn je. (...) Die Presse- und Medienfreiheit ist in der Türkei nicht nur aufs Äußerste bedroht, sie ist quasi suspendiert."

Mit dem Leipziger Medienpreis werden seit 2001 Journalisten und Institutionen geehrt, die sich für die Freiheit der Medien engagieren. Die Auszeichnungen erhielten unter anderem schon Anna Politkowskaja, Seymour Hersh, Alan Johnston oder im Jahr 2016 die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül.

Deniz Yücel Der Journalist wurde 1973 als Sohn türkischer Arbeitsmigranten in Flörsheim am Main geboren und besitzt die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft. 1996 begann er ein Studium der Politikwissenschaft an der FU Berlin. Seit 1999 war er als freier Autor für Print- und Fernsehmedien wie den Tagesspiegel, die taz, die Süddeutsche Zeitung, den Standard sowie den BR, den NDR und den WDR tätig. Zwischen 2007 und 2015 arbeitete er als Redakteur der taz. Seit 2015 ist Deniz Yücel Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe. Durch seine Arbeit geriet er mehrfach mit den türkischen Behörden in Konflikt. Zur Fahndung ausgeschrieben, begab sich Yücel im Februar 2017 freiwillig in Polizeigewahrsam. Im März 2017 ordnete ein Richter Untersuchungshaft an, in der er weiterhin festgehalten wird. Yücel wird unter anderem Terrorpropaganda vorgeworfen, weil er ein Interview mit dem PKK-Anführer Cemil Bayık geführt hatte. Seine strafrechtliche Verfolgung gilt als politisch motiviert.

Asli Erdoğan Die Schriftstellerin und Journalistin wurde 1967 in Istanbul geboren. Ab 1983 studierte sie Informatik und Physik an der Bosporus-Universität, anschließend arbeitete sie an der dortigen Fakultät für Physik und war Mitarbeiterin am CERN in Genf. 1990 verfasste sie ihre erste Novelle, 1996 wurde ihr erster Roman veröffentlicht. Der Durchbruch als Schriftstellerin gelang ihr 1998 mit ihrem dritten Buch "Kırmızı Pelerinli Kent" ("Die Stadt mit der roten Pelerine"). Zwischen 1998 und 2001 verfasste sie Kolumnen für die linksliberale türkische Tageszeitung "Radikal" und berichtete über die Bedingungen in türkischen Gefängnissen, über Gewalt gegen Frauen und staatliche Repressionen gegen Kurden. Zuletzt arbeitete sie für die türkisch-kurdische Zeitung "Özgür Gündem". Am 16. August 2016 wurde Asli Erdoğan im Rahmen einer Verhaftungswelle bei der Zeitung festgenommen, nachdem die Staatsanwaltschaft die Schließung der Zeitung angeordnet hatte. Erdoğan wird "Propaganda für eine illegale Organisation", "Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation" sowie "Volksverhetzung" vorgeworfen. Am ersten Prozesstag im Dezember 2016 ordnete der Richter ihre Entlassung aus der Untersuchungshaft an, der Prozess wurde fortgesetzt. Eine Ausreisesperre wurde erst im September aufgehoben.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 06.10.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.10.2017 | ab 11:00 Uhr

Quellen: Medienstiftung der Sparkasse Leipzig/mdr/st

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2017, 17:25 Uhr

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30 Kommentare

08.10.2017 19:29 B. Wand 30

Sicherlich wird sich der Sultan vom Bosporus freuen, in den Blauen neue Kameraden für alle Formen von Freiheit gefunden zu haben.
Den Sarrazin hier einzuwerfen, nunja, Geschmäckle und so: Seine üble Hetze bezog sich bekanntlich ja auch auf den „selbst recherchierten“ Geisteszustand von „Ossis“.

08.10.2017 11:09 Wo geht es hin? 29

Um einen Preis zu bekommen, sollte der Auserwählte doch eigentlich auch etwas besonderes geleistet haben. Da stelle ich mir die Frage bei Yücel, was das wohl sein mag. Die Begründung des Komitees - Zitat:"Mit Deniz Yücel und Asli Erdoğan ehren wir zwei Journalisten, die ernsthaft und streitbar ihrer Arbeit nachgehen, die das einstige Demokratieversprechen der türkischen Republik ernst nehmen und die wegen ihrer kritischen Berichterstattung durch eben diese Republik verfolgt werden." Zitat Ende - geht mit keinem Ton auf seine belegten, meiner Meinung nach deutschfeindlichen, Sprüche ein und heisst diese damit dann wohl auch gut. Damit folgt das Komitee der deutschen Rechtsprechung, nach der die Deutschen eben auch als "Köterrasse" ungestraft bezeichnet werden dürfen. Vielen Dank für diese Offenbarung.

08.10.2017 10:35 ralf meier 28

@Der Lutz spricht Nr 17 Teil 3: Meinungen des Herrn Yücel wie: 'Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite' erachte ich als rassistisch.
@Moderation: Bevor Sie wie der gestrige Moderator auch diese Rückmeldung als 'Nichtfreischaltewürdig' erachten, bitte ich Sie einfach mal, statt 'der Deutschen' irgend eine andere Nation einzusetzen. Sie würden mir dann sicherlich zustimmen.

08.10.2017 10:29 ralf meier 27

@Der Lutz spricht Nr 17 Teil 2: Das Herr Sarazzin noch in der SPD ist, verstehe ich auch nicht. Die Einschätzung Sarazzins als 'eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur der man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.“ finde ich übrigends zutiefst menschenverachtend. Es ehrt Sie, daß Sie erst gar nicht versuchten, diese Ungeheuerlichkeit zu relativieren oder gar zu rechtfertigen.
@Moderation, vor einer erneuten 'Nichtfreischaltung' dieser Rückmeldung bitte ich zu berücksichtigen, daß ein Gericht meine Einchätzung insofern teilte, als daß Sie diese menschenverachtende Kolumne mit 20.000 Euro abstrafte

08.10.2017 10:25 ralf meier 26

@Der Lutz spricht Nr 17 Teil 1: Hallo, ich würde mich freuen, wenn wir zumindest untereinander auf billige Polemik alla 'Gaga' verzichten könnten. Das Sie Formulierungen wie 'Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite' als zynische Kritik an einem übersteigerten deutschen Nationalismus interpretieren, gibt mir das Gefühl, daß ich zu Recht nicht nach Ihrer Meinung zu diesem Thema gefragt habe. .. So daß war der erste Teil einer Rückmeldung ,die vom gestrigen Moderator nicht freigeschaltet wurde. Die schicke ich Ihnen schon mal zu, da ich vermute, daß es in diesem Teil nichts zu 'nicht freizuschalten' gibt. In einem zweiten Teil wiederhole ich dann für Sie meine Rückmeldung zu Herrn Yücels Kolumne über Herrn Sarazin . Ich vermute, auch da gibt es keinen Grund für eine 'NichtFreischaltung'. Im dritten Teil wiederhole ich dann kurz meine ganz persönliche Rückmeldung zu Herrn Yücels Kolumne zum Geburtenrückgang.

08.10.2017 10:18 jochen 25

Man muss sich einmal vorstellen, was die Welt-Zeitung für eine deutschfeindliche Figur beschäftigt.
Ich werde dieses Blatt ganz sicher nicht mehr lesen.
Solche werden in der BRD auch noch geehrt.

07.10.2017 19:35 Locke 24

Inhaftierter „Welt“-Journalist Yücel: Freude über „Deutschensterben“ !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Und solch einen Jurnalisten wird mit dem "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" geehrt.
Den Rest denke ich mir.

07.10.2017 16:03 Fragender Rentner 23

Nur gut das wir diese Menschen auszeichnen können.

07.10.2017 14:47 ................. 22

Die Wahl von Yücel zeigt was für Journalisten in den deutschen Massenmedien arbeiten und welcher Gesinnung sie sind zum Glück erkennen das immer mehr Menschen wenden sich verachtent von ihnen ab.

07.10.2017 14:07 ralf meier 21

@Hmhmhm Nr 10: Hallo, In meiner letzten Rückmeldung Nr. 16 an Sie vergaß ich zu erwähnen, daß Herr Imad Karim nicht nur zeitweilig und aus aus gutem Grund Islam-Kritiker und AfD-Sympathisant war. Er ist es immer noch und hat noch direkt vor der BTW dazu aufgerufen, die AFD zu wählen. Siehe dazu auch unter 'philosophia-perennis' Artikel: 'Imad Karim: Warum ich am 24. September die AfD wähle'. Nur in Zitat daraus : 'Gäbe es die AfD nicht, würde ich – als WertePatriot – sie erfinden.
Ja, ich wähle am 24.09.2017 die AfD. Allen Schikanen und Drohungen zum Trotz!'

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