Protest gegen Siemens-Werksschließung in Plagwitz "Vernunft wird sich durchsetzen!"

Die Mitarbeiter des Siemens-Werks in Leipzig bangen um ihre Arbeitsplätze. Aus den Medien haben sie erfahren, dass möglicherweise der Standort in Plagwitz geschlossen wird. Ob die Entscheidung schon endgültig ist und warum es die Pläne gibt - dazu gibt es momentan nur Gerüchte. Gegen die Pläne der Konzernspitze regt sich nun Widerstand. - Auch in Görlitz wollen sich die Beschäftigten nicht mit der Situation abfinden.

Siemens-Mitarbeiter stehen mit Protestplakaten am 13.11.2017 in Leipzig (Sachsen) vor dem Siemens-Turbomaschinen-Werk.
Protest regt sich in Leipzig: Siemens-Mitarbeiter stehen zu Beginn der Woche mit Plakaten vor dem Siemens-Turbomaschinen-Werk. Bildrechte: dpa

Unverständnis und Verwirrung - diese beiden Gefühle dürften bei den Mitarbeitern des Siemens-Werks in Leipzig-Plagwitz momentan besonders stark ausgeprägt sein. Grund ist die Ankündigung des Konzerns, den Standort schließen zu wollen. Das hat allerdings bisher kein Verantwortlicher bei einer Personalversammlung verkündet. Die Mitarbeiter haben durch einen Zeitungsartikel von den Plänen Wind bekommen.

Die Ankündigung ist sehr überraschend für alle betroffenen Standorte gekommen. Das ist ein riesiges Sparprogramm, das über das Manager-Magazin veröffentlicht wurde. Eine Überraschung, wenn dann die Leute früh zur Arbeit kommen und lesen, dass die Standorte Leipzig, Görlitz, Berlin und Erfurt betroffen sind. Das war so nicht zu erwarten. Einen Tag vorher war noch Betriebsversammlung und da wurde mit keinem Wort gesagt, dass wir auf einer Streichliste stehen.

Steffen Reißig IG Metall Leipzig
Schutzhelm mit einem Aufkleber der Industriegewerkschaft Metall, IG Metall.
Bildrechte: IMAGO

Mit mehr Informationen rechnet die Gewerkschaft am Donnerstag. Dann werden die Betriebsräte in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses in München voraussichtlich über die Pläne informiert. Und auch dann wird es erst Gewissheit über die Gründe der Schließungspläne geben. Zurzeit tappen Gewerkschaft und Mitarbeiter noch im Dunkeln, erklärt Steffen Reißig von der IG Metall Leipzig: "Man denkt ja immer, dass wirtschaftliche Gründe dahinter stehen, aber für das Leipziger Werk ist das völlig unbegreiflich. Hier gibt es volle Auftragsbücher bis Ende 2018."

Einsparungen in der Kraftwerkssparte

Siemens hatte vor rund vier Wochen angekündigt, in der Kraftwerkssparte des Unternehmens einsparen zu wollen. Was das aber mit den Schließungsplänen für Plagwitz zu tun haben soll, ist für Reißig nicht klar: "Leipzig ist nur minimal in der Kraftwerkssparte tätig - maximal 20 Prozent. Ansonsten machen die hier Getriebe und Einwellenverdichter für Öl- und Gasförderanlagen."

270 Arbeitsplätze sind in Leipzig bedroht. Gegen die Schließung hat die Gewerkschaft Protest angekündigt. Am Donnerstagmittag wollen Mitarbeiter und Kreative aus Plagwitz vor den Toren des Werks demonstrieren, um die Konzernleitung in München auf sich aufmerksam zu machen und eventuell auch umzustimmen. Was nach einem unerreichbaren Ziel klingt, könnte aber Wirklichkeit werden - da ist die IG Metall zuversichtlich.

Werksschließung wurde schonmal verhindert

Immerhin konnten Proteste und konstruktive Gespräche bereits 2013 die Schließung des Siemens-Standorts Böhlitz-Ehrenberg verhindern: "Das ist kein Selbstläufer! Ich setze da auf die Vernunft aller Beteiligten, dass sich die besseren unternehmerischen Konzepte durchsetzen. In Böhlitz-Ehrenberg haben wir damals gesagt: 'Das ist die falsche Entscheidung', haben ebenfalls protestiert, haben ein Bündnis geschlossen. Es lohnt sich, sich dafür einzusetzen."

300 Kollegen, Menschen aus anderen Betrieben in Plagwitz und weitere Unterstützer wollen sich an dem Protest in Plagwitz beteiligen.

Demonstrationen gegen die Schließung eines Siemens-Standorts hatte es vergangene Woche auch schon in Görlitz gegeben. Hier stehen die Mitarbeiter vor einem ganz ähnlichen Problem: Die Auftragsbücher sind voll, trotzdem scheint die Werksschließung nur eine Frage der Zeit.

Feuerwache Siemens Görlitz
Mit einer Feuerwache haben am Mittwochabend rund 30 Mitarbeiter vor dem Siemens-Turbinenwerk in Görlitz gegen die mögliche Schließung ihres Betriebes demonstriert. Am Donnerstag will die Siemens-Geschäftsführung in München den Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrates über den geplanten Stellenabbau im Konzern informieren. Siemens will die Kraftwerkssparte, zu der das Werk in Görlitz gehört, umbauen und tausende Arbeitsplätze streichen. Das Görlitzer Turbinenwerk beschäftigt aktuell rund 900 Mitarbeiter. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Quelle: MDR/kp

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.11.2017 | 18:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 15.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 19:58 Uhr

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7 Kommentare

17.11.2017 09:58 Ralf Stephani 7

Siemens Compressor Systems GmbH – Eine traurige Geschichte

Die geplante Schließung des Siemenswerks in Leipzig – Plagwitz zeigt deutlich, dass hochbezahlte Manager nicht mehr an einem generationsübergreifenden Fortbestand von hochinnovativen Firmen in Deutschland interessiert sind. Werke werden zugrunde gerichtet, nur zur Erreichung eines kurzfristigen Anstiegs des Profits. Schließlich ist die „Amtszeit“ eines Spitzenmanagers begrenzt, somit müssen im Amtszeitraum höchste Tantieme abgefasst werden. Die Suche nach einer stabilen Strategie zum generationsübergreifenden Fortbestehen eines Unternehmens ist nicht gewollt, da sich das nicht positiv im eigenen „Klingelbeutel“ bemerkbar macht.

16.11.2017 18:10 Markt Kenner 6

Sehr gut, es wurde höchste Zeit, dass Siemens die Geschäftsbereiche abstößt, die keine Rendite einbringen und letzendlich nur die Bilanz belasten.

Dann kann man sich auf die zukunftstfähigen Bereiche (wie Software) konzentrieren und dort die Gewinne optimieren.
Freut mich als Investor sehr und ist gut für alle Beteiligten.

16.11.2017 13:36 Nitup 5

Es ist so furchtbar. Überall schließen Betriebe aber ständig müssen wir hören, dass es zu wenige Facharbeiter gibt. Und die paar die noch arbeiten, hauptsächlich im nichtproduzierenden Bereich , sollen bis 70 arbeiten. Furchtbar.

16.11.2017 13:18 jackblack 4

GELD und PROFIT werden sich durchsetzen !!!

15.11.2017 00:51 AufmerksamerBeobachter 3

Was sich hier zeigt, ist, das der Aufbau Ost ein 'Erfolgsmeldungsvehikel auf Zeit' ist - mehr nicht. Wendet sich der Markt, ziehen sich die Großen auf ihre Kernstandorte -im Westen- zurück.

Im Grunde ist es die mangelnde Flexibilität, die sonst lautstark den Ostdeutschen Beschäftigten abgefordert -und allzuoft bereitwillig zur Verfügung gestellt- von den Beschäftigten im Westen nicht verlangt wird!

'Großzügig' werden den Ostdt. Angebote an westdt. Standorten gemacht werden. Niemals käme es dem Vorstand in den Sinn, das westdt. Arbeitnehmer nach Görlitz oder Erfurt wechseln. Das ist der Kern des Skandals hinter dieser wirtschaftskolonialistischen Beschäftigungspolitik.

15.11.2017 21:05 REXt-Merkel ist am Ende! 2

Auch eine Auswirkung der selbsternannten Klimaretter, denn wer kauft u. investiert jetzt noch in Gasturbinen? Aber das juckt Merkel nicht!

15.11.2017 20:56 W. Merseburger 1

Es ist bösartig, aber leider Realität. In Zeiten der umfassenden Globalisierung wurden wir immer wieder in den neuen Bundesländern belehrt, dass das Kapital ein scheues Reh ist und dorhin geht, wo es die höchste Rendite einfährt. Da helfen alle Demonstrationen und andere Aktivitäten nichts. Wo und wie Siemens wirtschaftet und sich entscheidet geht nur die Eigentümer etwas an!