Ralph Hasenhüttl
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Interview mit RB Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttls Jahresrückblick

Karpfen und Vanillekipferl, Schnee und viel Ruhe - das sind einige Dinge, auf die sich der Trainer von RB Leipzig, Ralph Hasenhüttl, in den nächsten Tagen freut. Sicher wird er auch Bilanz ziehen, denn das Jahr 2017 war für die roten Bullen spannend und wieder erfolgreich. Bevor er jedoch in seine Heimat nach Österreich aufgebrochen ist, hat er mit MDR SACHSEN-Reporterin Heike Fiedler gesprochen und das Jahr noch einmal Revue passieren lassen.

Ralph Hasenhüttl
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Herr Hasenhüttl, wenn es ein Unwort des Jahres für Leipzig gäbe, wäre es in diesem Jahr wohl "Standardsituationen". Wie schwer ist es eigentlich, die zu trainieren?

Also wir machen das regelmäßig. Manchmal klappt's besser, manchmal weniger gut. Es ist manchmal auch ein wenig Spielglück. Wenn der Ball einem vor den Fuß fällt oder dem Gegner vor den Fuß fällt - daraus können immer Tore entstehen. Wir haben auch schon mal mehr gemacht aus Standardsituationen. Es ist eben ein Prozess, den man immer weiter vorantreiben muss. Aber stimmt, insgesamt haben wir ein paar mehr bekommen. Dennoch seh' ich keinen Grund, dies zu dramatisieren.

Themenwechsel - zur Champions League. Mit welchem Gefühl sind Sie in diese erste Champions-League-Saison für RB gestartet?

Mit viel Vorfreude auf spannende Spiele, es war eine Riesenerfahrung, die wir als Mannschaft machen durften. Ich glaube, dass wir gezeigt haben, dass wir in vielen Bereichen schon mithalten können - nur nicht in allen. Man muss sich halt auch über seine Philosophie im Klaren sein. Wir sind eine ziemlich junge Mannschaft, die in vielen Bereichen mit einem gewissen Erfahrungsnachteil da reingeht. Themen wie Abgezocktheit oder Cleverness gehören auch dazu. Ich glaube nicht, dass wir eine Mannschaft sind, die sich irgendwie wegrollt oder irgendwelche Taten provoziert. Das wollen wir nicht. Wir gehen einen anderen Weg. Ich habe in meiner Karriere auch schon andere Mannschaften trainiert und auch die andere Seite der Medaille kennengelernt. Ich habe dem Ganzen abgeschworen, wir wollen das nicht. Und wenn wir manchmal weniger clever daherkommen oder zu brav, dann ist es halt so. Ich glaube, das steht uns ganz gut. Auch wenn andere Mannschaften uns in Sachen Cleverness etwas voraushaben. Wir werden versuchen, es mit unseren fussballerischen Möglichkeiten trotzdem sehr weit zu bringen.

Emil Forsberg jubelt.
Erstmals startete RB Leipzig in der Champions League und sammelte dabei wichtige Erfahrungen. Bildrechte: IMAGO

Sie sagen, die Mannschaft und auch Sie selbst haben viel gelernt. Würden Sie Beispiele nennen? Die Mannschaft betreffend und auch Sie selbst?

Man hat gesehen, dass wir es wie jede Mannschaft schaffen, uns Torchancen zu erarbeiten. Dass, wenn unser Pressing funktioniert, wir es jedem Gegner schwer machen können, sich Torchancen gegen uns zu erarbeiten. In vielen Spielen war es dann so, dass sie überhaupt nur durch Standardsituationen zu einem Tor gekommen sind. Das heißt, dass unser Matchplan und unsere Arbeit mit dem Ball eigentlich hervorragend sind und damit auch Mannschaften auf europäischem Niveau vor Probleme stellen. Die Championsleague ist eine sehr wichtige Erfahrung, die wir gemacht haben.

Umgekehrt gibt es aber auch Spiele auf diesem Niveau, wo kleinste Fehler brutal bestraft werden und man dadurch um die Früchte seiner Arbeit gebracht wird. Ob es Dinge sind, die man selbst beeinflussen kann, wie Fehler im Abwehrverhalten, oder Dinge, die man nicht beeinflussen kann, wie zum Beispiel Schiedsrichterentscheidungen - all das gehört zur Championsleague dazu und führt zum Weiterkommen oder eben nicht. Bei uns war es so, dass wir tolle Spiele gezeigt haben, wie in Monaco und auch in Porto, wo wir bis zuletzt noch die Chance hatten, eine Runde weiterzukommen. Ich finde, dass wir das für das erste Jahr Championsleague, auch wenn wir nicht weitergekommen sind und "nur in der Europaleague" weitermachen dürfen, recht ordentlich gemacht haben.

Kompliment an mein Trainerteam. Es war eine brutale Belastung, was die geleistet haben. Und das war schon außergewöhnlich. Das gilt auch für die ganze Reha-Abteilung, das Fitnessumfeld, die Physioabteilung, die wochenlang ohne freien Tag hinter den Kulissen ohne große Aufmerksamkeit gearbeitet haben. Ich muss sagen - Hut ab. Ich habe ein sensationelles Team am Start, sodass es sich wirklich für mich lohnt. Auch deshalb macht mir meine Arbeit so viel Spaß.

Wie nehmen Sie die Entwicklung der Spieler wahr? Ich kann mich noch an Timo Werner erinnern, als er in Leipzig ankam. Von Heimweh geplagt, etwas unsicher. Inzwischen wirkt er total erwachsen, fast schon etwas abgeklärt. Seine Interviews strahlen schon fast große Klugheit und Weisheit aus. Haben Sie einen Anteil an dieser Entwicklung?

Weiß ich nicht. Es ist ja schon so, dass man jeden Tag vor den Jungs steht. Es vergeht wirklich kaum ein Tag, an dem ich keine Rede vor der Mannschaft halte. Es kann schon sein, dass man damit auch eine gewisse Entwicklung des Spielers mit beeinflusst. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich das Geschäft, in dem sich jeder Fußballer hier bewegt, ein sehr lebendiges ist, wo Niederlagen und Siege in kürzesten Abständen aufeinander folgen. Man geht durch Höhen und Täler. Ich glaube, dadurch werden Spieler sehr schnell sehr reif. Sie bekommen die ganze Härte des Lebens in sehr kurzer, komprimierter Fassung mit. Das prägt einen Menschen natürlich schon. Vielleicht reift ein Bundesligaspieler auch aus diesen Gründen etwas schneller als ein anderer Gleichaltriger.

Was wird aus Domme, Dominik Kaiser?

RBL-Spieler Dominik Kaiser gibt Autogramme
Dominik Kaiser - vom Stammspieler und Kapitän zum Reservisten. Zufrieden ist Kaiser damit sicher nicht. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Es gibt sicher Spieler, die nicht so viele Spiele machen durften, wie sie gerne wollten, und sich deshalb wahrscheinlich im Winter Gedanken machen werden. Ich glaube, dass sich Domme hier sehr, sehr wohl fühlt. Ich stehe in ständigem Austausch mit ihm, habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Ich schätze seine Meinung sehr und vor allem auch seine Professionalität. Er könnte jedenfalls bei jedem anderen Bundesligisten ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen. Wir werden schauen, wohin der Weg führt. Wenn ein Spieler nicht immer das bekommt, was er sich wünscht, setzt man sich zusammen, um eine Lösung zu finden.

Wie werden Sie die Feiertage verbringen?

In Ruhe.

Gibt es Aktivitätspläne? Vielleicht eine To-Do-Liste?

Oh nein. Ich bin dann in meiner Heimat in den Bergen und freue mich, dass so viel Schnee ist. Das ist schön. Es werden richtig weiße Weihnachten angesagt sein. In den Bergen wird's einem eh nicht langweilig und man kann richtig gut Kraft tanken. Das ist nach dem letzten halben Jahr das Allerwichtigste.

Freuen Sie sich auch auf die heimatliche Küche? Haben sie vielleicht Lieblingsplätzchen?

Ja, die von meiner Mama. Es gibt keine besseren auf dieser Welt. Vanillekipferl natürlich, überragend ihre Florentiner, Rumkugeln und Früchtebrot. Das komplette Programm. Der Vorteil an den österreichischen Plätzchen ist übrigens, dass sie nicht zu süß sind - deshalb kann man auch sehr viel davon essen…nächste Frage…(lacht)!

Gänsebraten?

Ist nicht mein Ding. Wir essen Weihnachten Karpfen. Sehr viele Gräten, schmeckt aber lecker.

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr, wovon träumen Sie?

Ich wünsche mir, dass wir ähnlich gut weiterspielen, wie wir es in diesem Jahr gemacht haben. Dass die Mannschaft sich weiterhin so präsentiert wie sie es zur Zeit tut. Und dass wir mit dem gleichen Hunger und Engagement wieder ans Werk gehen nach der Pause. Dass wir wieder richtig Lust auf das haben, was wir hier machen dürfen. Wenn wir das schaffen, werden wir auch unseren Fans wieder eine richtig schöne Rückrunde bescheren. Das ist das, was ich mir wünsche.

Und wovon träumen Sie?

Ich bin eigentlich kein Träumer. Es wäre aber schön, wenn wir in der Euroleague noch ein paar Runden schaffen könnten. Es wäre schon eine geile Plattform, um sich nochmal zu zeigen, wie zum Beispiel mit dem tollen Gegner, wie wir im SSC Neapel einen haben. Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn wir in der Bundesliga wieder "Best of the Rest" werden könnten.

Eine Frage noch: Kennen Sie "common goal" - die internationale Initiative, bei der Trainer und Spieler ein Prozent ihres Jahresgehalts für Fußballprojekte spenden? Würden Sie sich da auch beteiligen?

Ich kenne das und finde es eine sehr gute Sache. Man macht sich immer Gedanken, wie man helfen kann. Auch ich tue das und habe Ideen, wie man so etwas in Zukunft machen kann.

Herr Hasenhüttl, vielen Dank für das Gespräch!

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.12.2017 | ab 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2017, 17:29 Uhr

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1 Kommentar

29.12.2017 11:00 Siegfried Bäßler 1

R.Hasenhüttl ist ein sehr kompetenter,sympathischer Träner mit dem Rbl den wohl passenden aller Bundesligatränern unter Vertrag hat!Rbl haltet ihn fest!!!