Eine Seite einer Regiobahn mit Graffitis
Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht

S-Bahn Mitteldeutschland Wenn die S-Bahnen Graffiti tragen

Eine Seite einer Regiobahn mit Graffitis
Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht

Die Deutsche Bahn hat ein buntes und sehr teures Problem. Demnach ist die S-Bahn Mitteldeutschland derzeit verstärkt das Ziel von Graffiti-Attacken. Allein 2016 registrierte das Unternehmen in der Region 2.700 Fälle. Das kostete die Bahn mehrere hunderttausend Euro für die Reinigung.

2017 waren es ähnlich viele Fälle, gut die Hälfte der Flotte wurde mit Farbe beschmiert. Allerdings stiegen die Reinigungskosten, denn die Täter besprühen immer größere Flächen. Das Unternehmen geht inzwischen davon aus, das große, gut organisierten Gruppen hinter den Sprühattacken stecken. Gerade in der dunklen Jahreszeit schlagen die Täter zu, sagte Henryck Fiedler Regionalleiter von DB Sicherheit. Selbst bewachte Abstellgleise schreckten sie nicht ab.

Ist die Farbe drauf, was dann?

Ist der Zug einmal mit Farbe vollgesprayt, darf er noch maximal zwei Tage weiterfahren. Spätestens dann muss er gereinigt werden und zwar von Hand. Je nach Fläche und verwendeter Farbe kann das bis zu zwei Tage dauern. Solange fällt der Zug aus, zum Ärger vieler Fahrgäste. So beklagt der Fahrgastverband Pro Bahn, dass auf manchen Strecken zu wenig Züge unterwegs sind. Wenn es dann kleinere Störung oder Beschädigungen gibt, wie die Entfernung von Graffiti, sind die Züge oft zu kurz, zu klein oder fallen ganz aus.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Eine S-bahn von vorn
Der Führerstand einer S-Bahn mit den typischen sogenannten Tags - Unterschriften - der Graffitisprayer. Je dicker die Farbschicht, desto länger braucht das Oberflächenreinigungsteam diese zu entfernen. Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht
Eine S-bahn von vorn
Der Führerstand einer S-Bahn mit den typischen sogenannten Tags - Unterschriften - der Graffitisprayer. Je dicker die Farbschicht, desto länger braucht das Oberflächenreinigungsteam diese zu entfernen. Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht
Eine Seite einer S-bahn mit Graffitis
Bis zu zu zwei Tage kann es dauern, um den Zug wieder zu entfärben. Die Farben Silber und Bronze sind leicht abzubekommen. Schwieriger wird es dagegen mit Neonfarben. Unter Fachleuten werden diese "A...lochfarben" genannt, denn sie lassen sich nur mühsam entfernen. Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht
ein Mann reinigt mit Bürste einen vollgeschmierten Zug
Das spezielle Graffitientfernungsmittel ME14, was eine Leipziger Chemiefirma entwickelt hat, wird zuerst auf die besprayte Fläche aufgetragen. Damit die Farbe leichter abgeht, muss das Mittel einige Zeit einwirken. Dann geht es mit Bürste und Schrubber den Graffiti an den Kragen. Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht
Wannen unterhalb des Zuges fangen Schmutzwasser auf
Das Reinigungsmittel wird in Wannen aufgefangen. 365 Tage im Jahr können die Graffiti in der Abstell- und Behandlungsanlage in Halle/Saale entfernt werden. Im Sommer wird an der frischen Luft gereinigt, im Winter geht es in die Hallen. Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht
 Ein Mann reinigt mit einem Schwamm die Außenwand eines Zuges
Hat die Farbe "Nasen" gebildet, muss auch der Schaber her. 2017 wurde rund die Hälfte der S-Bahn-Flotte besprüht. Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht
Eine gereinigte S-Bahn steht in einer Halle
Fertig geputzt. Mehrere Stunden war das Reinigungsteam beschäftigt, um den Zug wieder zu säubern. Eine spezielle Graffitilackierung gibt es zwar, ist aber sehr teuer. Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht
Alle (6) Bilder anzeigen

Kein mitteldeutsches Problem

Bundesweit wurden 27.000 Straftaten mit der Spraydose begangen. Die Bahn hatte dadurch insgesamt einen Schaden in Höhe von 34 Millionen Euro. Allein die Kosten, um die Züge von der Farbe zu befreien, beliefen sich auf 8,9 Millionen Euro. Neben Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gibt es in Leipzig eine große sehr aktive Graffitiszene.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig wies daraufhin, dass wer Graffiti an fremden Eigentum hinterlässt, eine Straftat begeht. Die wird je nach Schadensfall mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet.

Quelle: MDR/Deutsche Bahn/ bb

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 12.01.2018 | 17:50 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 12.01.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 17:24 Uhr