Polizisten sichern am Fundort einer Frauenleiche, nahe der Autobahn bei Asparrena, Spuren.
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Stand der Recherche Fall Sophia L. noch immer ungelöst

Noch immer gibt es keine Gewissheit, ob die in Spanien gefundene Leiche die seit zwei Wochen vermisste Studentin Sophia L. ist. Man habe noch kein Ergebnis des DNA-Abgleichs, heißt es von der Oberstaatsanwaltschaft Bayreuth. Für die Angehörigen ist klar: Sophia ist tot. Wie passt das zusammen? Fragen an unsere MDR SACHSEN-Reporterin Barbara Brähler.

Polizisten sichern am Fundort einer Frauenleiche, nahe der Autobahn bei Asparrena, Spuren.
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Warum dauert es so lange, bis das DNA-Profil abgeglichen ist?

Laut Oberstaatsanwaltschaft in Bayreuth liegt es daran, dass in Spanien verschiedene Behörden an dem Fall arbeiten. In Spanien gibt es ja nicht nur eine Polizeibehörde, sondern hier sind unter anderem die Nationalpolizei - wie bei uns das BKA - und die die Landespolizei, beziehungsweise die baskische Provinzbehörde der Polizei zuständig sowie die Gerichtsmedizin. Da die Staatsanwaltschaft in Bayreuth nicht weiß, welche Priorität der Fall vor Ort hat, wohl auch die Kommunikation aufgrund der Sprachbarriere und der vielen Behörden die da mitmischen, etwas schwierig ist, sind Informationen über den aktuellen Stand der Ermittlungen schwer zu bekommen. Außerdem haben die deutschen Ermittler keinen Einfluss darauf, wie die spanischen Behörden arbeiten. Zudem hat der zuständige spanische Untersuchungsrichter bereits am Freitag eine Art Nachrichtensperre zu den Ermittlungen verhängt. Trotzdem hofft die Staatsanwaltschaft in Bayreuth, endlich die Informationen aus Spanien zu bekommen, auf die hier alle warten. Heißt: Entweder die Bestätigung, dass es sich bei der gefundenen Frauenleiche um Sophia handelt oder die Erkenntnis, dass es sich bei dem Leichnam um eine andere tote Frau handelt. Derzeit sind weiter vier deutsche Beamte vor Ort – zwei aus Bayreuth und zwei aus Leipzig.

Warum sind die deutschen Beamten vor Ort?

Für die Staatsanwaltschaft Bayreuth ist es unheimlich wichtig, unmittelbar an den Ermittlungen in Spanien beteiligt zu sein und zu gewährleisten, dass alle Informationen von dort in die bislang hier gesammelten Ermittlungsergebnisse einfließen. Direkt in Spanien ermitteln die Beamten aber nicht.

Sophias Bruder Andreas L. hat bereits am Montagabend auf Twitter Abschied von seiner Schwester genommen. Weiß er mehr als die deutschen Behörden?

Ich habe mit ihm heute telefoniert. Woher er die Information hat, dass es sich bei der Toten definitiv um seine Schwester handelt, wollte er mir nicht sagen. Er habe seine Quellen und die wolle er schützen, sagte er mir. Nähere Einzelheiten wollen die Familie und Freunde in einer Stellungnahme bekannt geben, die heute oder am Donnerstag erscheinen soll. Auf welchem Kanal, also per Pressemitteilung oder über die sozialen Medien, wusste er aber noch nicht.

Die Familie und Freunde wurden auf Twitter und Facebook wegen der öffentlichen Suche und Informationsweitergabe teilweise ziemlich angegangen. Ist die Familie immer noch davon überzeugt, dass die Suche nach ihr und dem Lkw über die sozialen Medien der richtige Weg war?

Ja – für den Bruder war das der einzig richtige Weg, wie er mir erzählte. Er geht sogar davon aus: Hätte es keine Privatinitiative gegeben, hätte es der tatverdächtige Lkw-Fahrer wohl nach Marokko geschafft und wäre womöglich untergetaucht. Diese Aussage könnte man jetzt natürlich als Behördenversagen interpretieren.

Ein DNA-Profil von Sophia wurde erstellt und den Behörden in Spanien zur Verfügung gestellt. Wie lange dauert es in der Regel, bis die DNA abgeglichen ist?

Sobald der genetische Fingerabdruck erstellt wurde – welches meist aus Gewebeteilen oder Körperflüssigkeiten gewonnen wird – werden aus dem Zellkern sogenannte DNA-Merkmalssysteme geholt, die bei jedem Menschen anders sind. Hier bei uns dauert die Extrahierung der Merkmalssysteme – wenn es schnell gehen soll – rund acht Stunden. Die gefundenen DNA-Merkmalssysteme werden dann in Buchstaben-Zahlen-Kombination umgewandelt – und das haben jetzt die Ermittler in Spanien. Der Code wird dann mit dem genetischen Fingerabdruck, also den DNA-Merkmalssystemen verglichen, die von der Frauenleiche erstellt wurden. Gibt es da eine Übereinstimmung, gilt die Leiche als identifiziert.

Quelle: MDR/bb/sm/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 27.06.2018 | 13:20 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2018, 18:37 Uhr

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5 Kommentare

28.06.2018 17:05 Petra Stein 5

Den einzigen plausiblen Grund, den ich mir noch vorstellen kann, ist dass die Spanier jetzt selbst ihre Datenbanken und Kriminalfälle checken - und wenn sie selbst noch weitere (mögliche) Verbrechen finden, dann ist das mit der Auslieferung womöglich auch hinfällig. --- aber dies ist natürlich Spekulation und so etwas könnte man doch auch der Öffentlichkeit mitteilen?

Hätte die Leipziger Polizei nur schneller reagiert, hätte man diesen Mann binnen weniger Stunden fassen können: Die Fahrzeugnummer lag ja vor, also hätte man den Fahrer feststellen und noch am nächsten Tag irgendwo auf dem Weg nach Frankreich anhalten können, um ihn zumindest mal zu befragen.

28.06.2018 05:28 Bentin 4

Von verkohlte Urmenschen und Hingerichteten aus dem Mittelalter wurden DNA problemlos ermittelt und jetzt aktuell in Spanien kommen sie nicht voran? Weil sie nicht wollen oder die Fachleute im Sommerurlaub sind? Hier stimmt doch was nicht.

28.06.2018 00:01 Mehr Respekt bitte 3

Langsam aber sicher wird dieser Fall immer mehr unverständlich und unwürdig, kommt einem das im wahrsten Sinne des Wortes spanisch vor! Nun sind wir im vielbeschworenen geeinten Europa und nicht etwa in Südamerika! Von Anfang an scheint eine gewisse Trägheit seitens der verantwortlichen Behörden vorzuliegen. Mittlerweile empfinde ich das als skandalös. Es geht ja nicht nur um die Angehörigen, die endlich Gewissheit haben wollen. Denn gesetzt den wohl eher unwahrscheinlichen Fall, dass es sich bei der toten Frau nicht um die vermisste Sophia handelt, stellt sich die Frage wo die denn abgeblieben ist, womöglich sogar noch lebt! Dann handelt es sich definitiv nicht um einen tragischen Verkehrsunfall mit einer dabei verbrannten Frau bzw. um eine irgendwohin verschwundene Abenteuerin! Unabhängig von dem sicherlich etwas blauäugigen Verhalten von Sophia fehlt mir da etwas der notwendige Respekt und Betroffenheit angesichts ihres Schicksals, dieser brutalen Gewalt gegen eine Frau!

27.06.2018 19:56 Morchelchen 2

Was brauchen wir dazu denn noch eine Stellungnahme von einer Reporterin? Woher hatten die Auffinder der angekohlten Frauenleiche denn die nötigen Angaben, wenn nicht von dem Festgenommenen? Es sei denn, er hätte bereits eine andere Frau umgebracht... Dort hätte ja keine Polizei jemals gesucht ohne die nötigen Hinweise. So muss ich genau so resigniert den Satz meines Nachbarn anfügen, den der all zu häufig gebraucht in diesen irren Zeiten: "Mensch, ich
glaube, mein Schwein pfeift!" Schönen Abend noch!

27.06.2018 19:54 Petra Stein 1

Es entsteht alles in allem der Eindruck einer Polizei, die erst effektiv zu arbeiten beginnt, wenn man sie "motiviert", z.B. indem man ihr bereits Ergebnisse vorlegt. Und ich meine damit nicht die spanischen Behörden. - Ähnliches konnte ja auch im Fall Susanna beobachtet werden.

Eine Chronologie der Ereignisse, die auch die Polizeiarbeit einbezieht, wäre sehr erhellend. Das betrifft letztlich uns alle: Inwieweit können wir uns im Ernstfall auf unsere "Freundin und Helferin" verlassen? In welchen Fällen bleibt uns nichts als die Eigeninitiative, wenn ein Angehöriger verschwunden ist? Wenn man dieses Wissen im Vorhinein besitzt, kann das durchaus Leben retten, z.B. indem man rechtzeitig Videoaufnahmen sichert, bevor sie gelöscht werden etc.

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