Fahrrad-Sternfahrt in Leipzig, Pegau und Lützen Protest gegen die Deponie

Helm auf, Transparent festschnallen und in die Pedale treten: In Leipzig, Pegau und Lützen haben sich am Mittag 200 Radfahrer auf den Weg zum Werbener See gemacht - allerdings nicht für eine vergnügliche Radtour. Die Sternfahrt hat die Bürgerinitiative "Zukunft statt Braunkohle - Region Lützen" gestartet und das Datum mit Bedacht gewählt: Es ist der Tag der erneuerbaren Energien.

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Bildrechte: MDR/Bibiana Barth

Rund 200 Radfahrer haben sich am Sonnabend in Leipzig, Pegau und Lützen sich gegen eine geplante Mineralstoffdeponie in den Sattel geschwungen. Die könnte südlich vom Werbener See, kurz hinter der sächsischen Landesgrenze in Sachsen-Anhalt entstehen. Eine riesige Halde, auf dem der Müll der Umgebung gesammelt und aufgetürmt wird. Direkt nebenan soll sich in 20 Jahren der Domsener See befinden.

Asbest, Asche und Hausmüllschlacke

Tatsächlich hören sich die Zahlen des Projekts gigantisch an: Die Deponie ist für einen Zeitraum von 30 Jahren auf einer Fläche von rund 37 Hektar geplant. Dort sollen belastete Erde und verschiedene Mineralstoffe eingelagert werden, darunter Asbestabfälle sowie Rost- und Kesselasche und zusätzlich noch Hausmüllschlacke. Die Größe der Deponie entspricht in etwa der von 52 Fußballfeldern. Nach Abschluss soll sich dann ein 50 Meter hoher Berg in dem Gelände erheben, gefüllt mit siebeneinhalb Millionen Tonnen Abfall.

Die Bewohner der angrenzenden Gemeinden wollen den drohenden Müllberg verhindern. Gleich drei Sorgen treiben sie um: Die Stoffe seien viel zu gefährlich, die Deponie könne in den neu entstehenden See abrutschen und sie sehen eine unzumutbare Belastung auf sich zukommen, wegen des zusätzlichen LKW-Verkehrs. Lokalpolitiker und Umweltverbände haben sich bereits auf die Seite der Bewohner geschlagen.

Gefahr für Mensch und Umwelt?

Der zukünftige Betreiber, die Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH, hält allerdings dagegen. In einer Antwort an den MDR heißt es: "Von der Deponie und den angedienten Abfällen geht absolut keine Gefahr für Mensch und Umwelt aus." Ebenso wenig sei der geplante See in Gefahr. Eine Mehrbelastung durch Staub und Lärm hat der Burgenlandkreis in einem Gutachten ausschließen lassen. Das alles überzeugt die Kritiker aber nicht.

Und der Streit könnte sich noch hinziehen. Denn der Bund für Umwelt- und Naturschutz Sachsen und der BUND Sachsen-Anhalt sind gegen den Planfeststellungsbeschluss des Burgenlandkreises vor Gericht gezogen. Ziel sei es, eine neue Studie zur Umweltverträglichkeit sowie ein neuen Planfeststellungsbeschluss mit Einbeziehung der sächsischen Kommune zu erwirken. Nach eigenen Angaben hat die Bürgerinitiative bereits 18.100 Euro Spendengelder zur Finanzierung der Klagen gesammelt. Wann die Deponie kommen könnte, ist völlig unklar.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen : MDR SACHSENSPIEGEL | 29.04.2017 | 19:00 Uhr

MDR 1 RADIO SACHSEN | 29.04.2017 | 11:00 Uhr

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1 Kommentar

01.05.2017 12:25 Steinbock 1

So wird Deutschland sehr weit kommen. Schmeisst den Dreck irgendwo hin ... nur nicht vor meine Haustür.

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