Straßenbahn in Leipzig
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Warnstreikwelle Leipziger Nahverkehr wird bestreikt

In Leipzig werden am Freitag nicht nur Kindereinrichtungen, Sparkassen und die Stadtreinigung bestreikt. Auch bei den Leipziger Verkehrsbetrieben und ihren Töchtern stehen die Räder von Bussen und Bahnen still.

Straßenbahn in Leipzig
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In Leipzig dreht sich seit 3 Uhr morgens kein Rad von Bus und Bahn. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Leipziger Verkehrsbetriebe und deren Töchter Leipziger Stadtverkehrsbetriebe und Leobus dazu aufgerufen, die Fahrzeuge in den Depots stehen zu lassen. Bislang hätten 300 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Im Laufe des Tages rechne man mit rund 700 Streikenden. Die Arbeitsniederlegungen sollen den Angaben zufolge bis 14:00 Uhr dauern.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe teilten mit, dass Fahrgäste mit erheblichen Einschränkungen rechnen müssen. Aktuelle Informationen zu Ausfällen werden über die Verkehrsmeldungen sowie den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt.

(K)ein Angebot der Arbeitgeber

Die Gewerkschaft begründete ihren Streikaufruf mit den bislang erfolglosen Verhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Sachsen. In der Tarifverhandlung am 9. April habe es keine Grundlage für einen Neuabschluss gegeben. Laut Verdi schlugen die Arbeitgeber unter anderem die Kürzung von Funktionszulagen, eine schlechtere Berechnung von Überstunden und die Streichung von Zeitzuschlägen vor.

Mit dem von der Arbeitgeberseite ernsthaft als Angebot bezeichneten Verschlechterungskatalog werden die Leistungen der Beschäftigten herabgewürdigt. Das können wir nur als gezielte Provokation verstehen, die wir mit unseren Mitteln beantworten werden.

Gerd Doepelheuer Verdi-Verhandlungsführer

Das fordert die Gewerkschaft

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen unter anderem die Reduzierung der Arbeitszeit auf 38 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Weitere Forderungen sind:

  • Mindestruhezeit von zwölf Stunden zwischen den Diensten
  • Berufskraftfahrerqualifizierung während der Arbeitszeit
  • Verkürzung der Stufenlaufzeiten in der Vergütungstabelle
  • Keine Kürzung der Jahressonderzahlung bei Krankheit und keine Rückzahlung beim Ausscheiden aus dem Unternehmen
  • Materielle Übernahme des Tarifergebnisses des öffentlichen Dienstes
  • Bonusregelungen für Verdi-Mitglieder

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.04.2018 | ab 16:30 Uhr Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2018, 08:00 Uhr

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18 Kommentare

14.04.2018 16:49 Ralf.sachsen 18

Tariferhöhungen für die Mitarbeiter sind in Ordnung!
Aber der bürgerfernen 1. Riege im Leipziger Rathaus ist doch der Hausmüll ihrer Mitbürger völlig egal! Die fahren doch am Wochenende in ihre ferne Heimat gen Nord und Westen.
Die meckern doch höchstens wenn der Handwerker nicht kommt, aber wie dessen Mitarbeiter ohne Bus und Bahn auf Arbeit kommt ist denen egal!

13.04.2018 16:02 SachsoniaLE 17

"Bonusregelungen für Verdi-Mitglieder"

Das heißt das alle anderen nicht Mitgliedern aus der Wäsche schauen können, tolle Gewerkschaft!

13.04.2018 13:01 Radfahrer2 16

Gut das gestreikt wird! Bin zwar selbst betroffen und musste mir deswegen ein Fahrrad ausleihen, aber die Forderungen von Verdi sind absolut berechtigt!
Ruhezeiten von mindestens 12h fördern die Sicherheit und ermöglichen den Arbeitnehmer ein Leben außerhalb der Arbeit zu haben. Wenn Schulungen der Arbeitnehmer nötig sind, so haben diese natürlich während der Arbeitszeiten stattzufinden! Diese machen diese ja nicht einfach aus Spaß an der Sache!
Das Angebot vom Arbeitgeber ist eine absolute Frechheit. Setzen wohl mal wieder darauf, dass sich die öffentliche Meinung gegen die Arbeitnehmer richtet.
Natürlich ist es furchtbar, dass der öffentliche Verkehr zusammenbricht, aber das liegt am Arbeitgeber der nicht die Menschen, welche den steigenden Umsatz erwirtschaften, gerecht an diesem beteiligt.

13.04.2018 12:23 Radfahrer 15

@R. Wehner
Der kommunale Arbeitgeberverband Sachsen ist Verhandlungspartner von VERDI, welche die Beschäftigten der sächsischen Verkehrsbetriebe bei den Verhandlungen zum neuem TV-N Sachsen vertritt.

Dass die Mitarbeiter der Stadt Leipzig mal komplett streiken sollen, ist eine gute Idee. Diese sollte man mal an VERDI herantragen.

13.04.2018 12:17 Spottdrossel 14

Kein Bus und keine Bahn in Leipzig. Der Arbeitsalltag trorzdem ganz normal. Das beweist, die LVB sind überflüssig wie ein Kropf.

13.04.2018 11:38 R. Wehner 13

"Die Gewerkschaft begründete ihren Streikaufruf mit den bislang erfolglosen Verhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Sachsen. "

Einfach lächerlich. Was hat denn der normale Bahn- und Busfahrer mit der KAV zu tun? Nichts! Als ob heute noch Fahrer nach TVÖD-VKA bezahlt werden. Die Streikbegründung ist daher hanebüchen.

Eigentlich sollten die Mitarbeiter der Stadt Leipzig, zu den ich gehöre, mal komplett streiken. Von der Müllabfuhr bis zum Standesamt bis zum Jobcenter und den Bürgerämtern. Dann wäre der Sache mal wirklich geholfen.

13.04.2018 10:51 Radfahrer 12

Ich wünsche allen Streikenden, dass sie ihre Forderungen durchsetzen können.
Mir ist bekannt, dass die Leipziger Bus- und Bahnfahrer einige hundert Euro weniger bekommen als ihre Kollegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Von den West-Löhnen ganz zu schweigen.
Streik ist das einzige Mittel die berechtigten Forderungen durchzusetzen, freiwillig geben die Arbeitgeber keine Cent mehr als notwendig.
Viel Erfolg, haltet durch!

13.04.2018 10:41 Spürfuchs 11

Ich finde den Streik richtig, auch wenn er kurzfristig angesetzt wurde. Alle Arbeitgeber jammern zu "jeder" Zeit, dass sie kein Geld für Lohnerhöhung haben. Obwohl zur Zeit das Geld "fließt". Für viele Menschen ist es zu Selbstverständlichkeit geworden, das die Feuerwehr, der Rettungsdienst, die Müllabfuhr, die öffentl. Verkehrsmittel zu jederzeit u. immer in Anspruch genommen werden können. Die Menschen die dies alles ermöglichen sind auch nur "kleine" Angestellte die Miete,Strom,Gas usw. zahlen müssen-auch die damit verbundenen jährlichen u. stetigen Preiserhöhungen. Also steht denen definitiv auch mal eine Lohnerhöhung zu!!!

13.04.2018 10:38 Lucas 10

Finde es anmaßend wie außenstehende immer über so was urteilen. Natürlich ist das für alle sch**ße, die auf den Nahverkehr angewiesen sind. Aber Kommentare wie @2 sind unnötig. Wenn die Bahn immer teurer wird heißt das nicht, dass die Angestellten etwas davon haben. Und wir kennen den Betrieb nicht von innen, daher möchte ich mir nicht anmaßen wann man vom Streikrecht gebrauch machen sollte und wann nicht. Natürlich wäre es dennoch schön, wenn die betroffenen eher informiert werden würden.

13.04.2018 10:32 Blumenfreund 9

Diese Streiks müssten verboten werden. Sie bringen nur Unruhe und Unordnung. Sowas gibts nur im Kapitalismus.