Schwerpunkt Connewitz 50 Vermummte greifen Polizeiposten in Leipzig an

Eine Gruppe von 50 Vermummten hat am Mittwochabend die Polizeistation im Leipziger Stadtteil Connewitz angegriffen. Dabei entstand laut Polizei ein Sachschaden im fünfstelligen Bereich. Die Polizei ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs. In einem anonymen Bekennerschreiben wird der Angriff mit dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh begründet. Innenminister Markus Ulbig und Oberbürgermeister Burkhard Jung verurteilten den Angriff.

Wie die Polizeidirektion Leipzig mitteilte, näherte sich von der Biedermannstraße zunächst eine Gruppe von etwa 30 Personen "in Marschformation" der Wiedebachpassage, in der die Polizeistation untergebracht ist. Die beiden Beamten im Polizeiposten vermuteten zunächst, dass es sich um eine "nicht ungewöhnliche Spontankundgebung" handeln könnte. Doch dann seien aus der Gruppe Pflastersteine, Farbbeutel und Feuerwerkskörper auf die Glasfront geworfen worden. Das Sicherheitsglas hielt den Angriffen zwar stand, wurde aber stark beschädigt.

Zeitgleich sei eine weitere Gruppe über den Hinterhof auf das Gelände eingedrungen. Dabei steckten sie ein Polizeiauto in Brand. Auf den Zufahrtsstraßen zur Passage legten die Täter sogenannte Krähenfüße aus, um die Reifen der Polizeiautos zu zerstören. Die Attacke hat nach Angaben der Polizei nicht länger als 30 Sekunden gedauert. Verletzt wurde niemand.

Anonymes Bekennerschreiben aufgetaucht

Unterdessen tauchte in der Nacht ein anonymes Bekennerschreiben im Internet auf. Darin wird der Angriff mit dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh begründet. Der Asylbewerber aus Sierra Leone war am 7. Januar 2005 auf mysteriöse Weise in einer Polizeizelle in Dessau ums Leben gekommen.

Bulle dein Duldungsstatus ist aufgehoben und deine Aufenthaltserlaubnis erloschen wie das Feuer in dem Streifenwagen hinter der Wache und so wirst du von uns mit genau solcher Respektlosigkeit und Gewalt behandelt, wie Du Flüchtlinge behandelst.

Aus dem Bekennerschreiben

Ulbig und Jung verurteilen Angriff, Polizei fordert Maßnahmen

Sachsens Innenminister Markus Ulbig hat die Attacke auf die Leipziger Polizeistation scharf verurteilt. "Dieser Auswuchs von Gewalt gegen eine Gruppe der Gesellschaft ist nicht hinnehmbar. Der Rechtsstaat wird alles unternehmen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen", erklärte der CDU-Politiker am Donnerstag. Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte, den "brutalen und feigen Anschlag" scharf zu verurteilen.

Die sächsische Polizeigewerkschaft (GdP) sieht nach dem Anschlag eine "neue Qualität der Bedrohung für Polizisten". Sie fordert einen Dialog zwischen Innenministerium, Stadtverwaltung und der Polizei. Zu hinterfragen sei, woran es liege, dass sich neben Berlin und Hamburg auch in Leipzig eine "manifeste militante autonome Szene entwickelt", heißt es in einer Presseerklärung. Weiter heißt es: "Tragen eine vom Ordnungsbürgermeister Rosenthal (DIE LINKE) ständig praktizierte Toleranz gegenüber von Rechtsverstößen bei Versammlungen aus seinem politischen Lager und beispielsweise die Anwesenheit von Landtagsabgeordneten (Juliane Nagel, Enrico Böhme/ DIE LINKE) bei einer unangemeldeten, gewalttätig verlaufenden Demonstration in der Silvesternacht in Connewitz zur Enthemmung und zur Bildung einer solchen militanten autonomen Szene bei?"

Wir stehen Seite an Seite mit der Polizei und ich wünsche den Polizisten, die hier angegriffen wurden, viel Kraft, dass sie mit dieser Belastung fertig werden. Wir werden den Polizeiposten so schnell wie möglich wieder herrichten. Die große Mehrheit der Connewitzer ist froh, dass die Polizei im Stadtteil vor Ort präsent ist, und das wird auch so bleiben.

Burkhard Jung, Oberbürgermeister Leipzig

Immer wieder Konflikte in Connewitz

Im Stadtteil Connewitz kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der linken Szene und der Polizei. Von dem im Februar 2014 wieder eröffneten und jetzt angegriffenen Polizeiposten in der Wiedebachpassage fühlte sich die Szene provoziert. Schon kurz nach seiner Eröffnung wurde er attackiert. Jugendliche versuchten unter anderem, einen Polizisten mit einer Bierflasche auf den Kopf zu schlagen. An einem Polizeiauto wurden die Reifen zerstochen. Und auch eine Videokamera in einem leerstehenden Haus in Leipzig-Connewitz sorgte im vergangenen Jahr für reichlich Unmut.

Nagel: "Es ist eigentlich relativ entspannt"

Ende Dezember geriet eine "Schneeballschlacht" in Connewitz wie so oft außer Kontrolle. Und auch in der Silvesternacht musste die Polizei einschreiten, als aus einer spontanen Demonstration heraus eine Polizeistation angegriffen wurde. Die Beamten waren zum Jahreswechsel nicht nur wegen der schon üblichen Ausschreitungen in erhöhter Alarmabereitschaft. In einem im Internet verbreiteten anonymen Schreiben war offen zu Gewalt an 50 Einrichtungen und Personen aufgerufen worden, darunter auch einige Polizeistationen in Leipzig.

Die Landtagsabgeordnete der Linken, Juliane Nagel, aus Leipzig sieht trotz der Vorfälle kein erhöhtes Gewaltpotenzial in Connewitz. "Es ist eigentlich relativ entspannt", sagte Nagel MDR SACHSEN. Eine Erklärung, wie man solche brutalen Übergriffe wie auf den Polizeiposten verhindern kann, hat sie nicht. Sie wolle aber im Februar - ein Jahr nach Inbetriebnahme des Polizeipostens - eine Anfrage einbringen, welchen Nutzen der Posten hat. "Ich möchte wissen, ob es hilfreich ist, diesen Posten zu halten oder ob hier Ressourcen verschwendet werden."

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2015, 10:15 Uhr

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43 Kommentare

11.01.2015 09:15 Hans-Joachim Krause 43

Da haben wohl die Eltern der Chaoten bei der Erziehung etwas falsch gemacht .Kinder,die elterliche Liebe und Zuneigung erhalten haben,werden kaum,friedliches zusammenleben der Menschen verhindern wollen.Friedliebende Bürger von Connewitz,unterstützt Alle,die fürein Lebenswertes Connewitz sind.PS.Frau Nagel treten sie zurück.IhreÄusserungen sind unerträglich.

10.01.2015 23:34 Max Barrett 42

Lese ich die Kommentare, bin ich doch sehr über die Aussagen: Was wäre, wenn die Straftaten von der Rechten ausgegangen wären, "die Republik wäre außer sich"... überrascht.
Schon vergessen, dass dieses Land Konzentrationslager mit industriell getakteten Vernichtungsmaschinerie hervorbrachte?
Klar gäbe es einen Aufschrei in der Republik, wenn sich in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen usw. wieder der enthemmte volksdeutsche Pöbel ausleben würde.

Das Pegida gerade in Sachsen so viele Leute auf die Straße bringt, dass wundert mich hingegen weniger.
Danke daher an die ca. 35 000 Menschen, die heute in Dresden gegen Pegida und für eine weltoffene Stadt auf die Straße gingen!

10.01.2015 18:17 am Rande gefragt, die Scheinheiligen 41

Ach, siehe da. In solchen Fällen wird der "Lügenpresse" also geglaubt. Warum auf einmal? Und, nennt nicht gerade ihr, die hier mit schaumigem Mund schreiben, linke immer "Gutmenschen"?

10.01.2015 14:48 Angie Willikens 40

So sauber sind die Peggys auch nicht. Sie haben schließlich einen Kriminellen und Vorbestraften zum Vorbild.

09.01.2015 19:20 supram 39

Wenn das Pegida Leute gemacht hätten, hätten die Politiker die Bundeswehr in Marsch gesetzt und den Notstand ausgerufen!

09.01.2015 18:10 boehmi 38

Es muss zur Katastrophe kommen. Politik muss erkennen das hier was nicht stimmt.

09.01.2015 15:33 Weiche, oh Dativ! 37

@35. Jeremias: "Nun Herr Ulbig, wer zweierlei Recht zulässt, hofiert dem Unrecht." ... hofiert DAS Unrecht. Alles andere ist sinnlos - in jeder Beziehung.

09.01.2015 11:47 Maria A. 36

Susan - weder geringe, noch höhere, Bildung schützt vor falschen Rückschlüssen! In jeder Gesellschaftsordnung gab und gibt es Unterschiede durch Geburt, Leistung und Glücksumstände! Mit derart verquasten Gleichschaltungsthesen sind wir in Kindheit und Jugend genügend agitiert worden, um daran zu glauben. Sobald eine Gesinnung, egal welche, Macht gewinnt, wird die ausgenutzt. Das liegt in der Natur des Menschen! Sie sollten das realistisch sehen-auch Linke verüben Straftaten, denunzieren und sabotieren.
Mit dem Finger auf angeblich Schlimmere zeigen, hilft den Opfern GAR nicht! In Paris nicht und auch nicht beim Sachschaden in Leipzig. Wie man nach dem Massaker in Frankreich überhaupt dazu "Lust" haben konnte - entzieht sich dem Vorstellungsvermögen der in Gedanken mittrauernden deutschen Bürger...

09.01.2015 09:34 Jeremias 35

Nun Herr Ulbig, wer zweierlei Recht zulässt, hofiert dem Unrecht.

09.01.2015 08:38 Gerd 34

Ich würde vorschlagen---Arbeitslager für diese Chaoten,egal ob rechts oder links.Oder wie @3schreibt, endlich mal durchgreifen.
Aber dann wird ja die Polizei in diesem sogenannten Rechtsstaat bestraft und nicht der Täter.

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