Fragen und Antworten Fakten zum Thema Unister

Der Fall ist mysteriös und klingt wie ein Wirtschaftskrimi: Der Selfmade-Millionär und Gründer des Leipziger Internetunternehmens Unister, Thomas Wagner, stürzt mit einer Privatmaschine in Slowenien ab. An der Absturzstelle werden Bargeld und Unterlagen eines Finanz-Deals gefunden. Kurz darauf meldet die Holding Insolvenz an, ebenso mehrere Tochterunternehmen. Schon seit Jahren wird über wirtschaftliche Schwierigkeiten spekuliert. Hier ein Überblick.

Was ist bislang über den Absturz bekannt?

Zum Absturz könnte Vereisung an der einmotorigen Maschine beigetragen haben. Entsprechende Probleme hatte der 73 Jahre alte Pilot der slowenischen Flugkontrolle gemeldet. Das Wetter sei extrem schlecht gewesen. Die Maschine habe außerdem über keinerlei Enteisungssystem verfügt. Slowenische Medien spekulierten, dass die gecharterte Privatmaschine deutlich oberhalb der für diesen Typ üblichen Flughöhe von 5.000 Metern unterwegs gewesen sein dürfte. Die Untersuchungen des Wracks laufen noch, auch unter Beteiligung deutscher Behörden.

Wer befand sich an Bord?

Nach ersten Erkenntnissen machte sich Wagner mit der privat gecharterten Piper auf den Rückweg von Venedig nach Leipzig. Neben ihm sollen der 39 Jahre alte Mitgesellschafter Oliver Schilling und ein 65 Jahre alter Finanzberater aus Dortmund mit an Bord gewesen sein. Bei dem Pilot handle es sich um einen 73-jährigen Deutschen. Nach Angaben der slowenischen Polizei ist das forensische Institut Ljubljana derzeit mit DNA-Vergleichen beschäftigt, die Klarheit bringen sollen. Die Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Identitäten können erst festgestellt werden, sobald das Institut biologisches Material von den Familien der Opfer erhalten hat.

Warum war Wagner in Italien?

Wie Unister mitteilte, wollte sich Wagner in Venedig mit potenziellen Investoren treffen. Der Deal in Italien schien schief gegangen zu sein. Nach Angaben der slowenischen Polizei deutet vieles darauf hin, dass der Unternehmer in Italien um eine sehr große Summe Geld betrogen wurde. Der Unister-Chef habe bei der italienischen Polizei Anzeige erstattet und habe sich anschließend auf den Rückflug nach Leipzig begeben. Die Kriminalpolizei in Nova Gorica bestätigte nach dem Absturz: "Unsere Behörde kann mit Sicherheit bestätigen, dass im Rahmen der Ermittlungen kein Geldkoffer gefunden wurde. Doch unter den persönlichen Gegenständen befand sich Bargeld in Höhe von 10.000 Schweizer Franken." Woher das Geld stammt, ist weiterhin unklar.

Warum gerät der Konzern durch dem Tod Wagners in Schieflage?

Die letzte veröffentlichte Bilanz der Unister Holding stammt von 2011. Ihr alleiniger Geschäftsführer war Wagner, der alle Fäden in den Händen hielt. 2002 hatte er Unister als 23-Jähriger in Leipzig ursprünglich als Studententauschbörse gegründet und das Start-up auf einen rasanten Wachstumskurs geführt. 2015 war dann von Stellenstreichungen die Rede. 30 Millionen Euro sollten pro Jahr eingespart werden. Ein expliziter Insolvenzgrund - wie Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung - wurde bislang nicht genannt. Wie Unister auf seiner Homepage mitteilte, war das Unternehmen nach dem Unfalltod Wagners in der Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. Durch die Einsetzung von Lucas Flöther als Insolvenzverwalter "konnte nun die Handlungsfähigkeit schnell wieder hergestellt werden".

Womit verdient das Unternehmen Geld?

Unister vermittelt über seine zahlreichen Portale Pauschalreisen, Flüge, Dienstleistungen und Mietwagen im Wert von fast zwei Milliarden Euro jährlich. Wie die Tagesschau berichtet, hat sich das Unternehmen im Bereich der Reisevermittlung zum Marktführer in Deutschland entwickelt und zwar "weit vor Großkonzernen wie TUI, Thomas Cook und auch deutlich vor direkten Konkurrenten wie Holidaycheck oder Expedia".

Wie ist der Konzern strukturiert?

Unter dem Dach der Unister Holding GmbH sind zahlreiche Firmen vereint. Diese betreiben mehr als 40 Internetportale unter anderem zu den Themen Reisen, Nachrichten, Immobilien oder Partnervermittlung. Zu ihnen zählen beliebte Seiten wie fluege.de, ab-in-den-urlaub.de, news.de oder partnervermittlung.de. Insgesamt arbeiten aktuell rund 1.100 Beschäftigte für die Unternehmensgruppe.

Unister Firmen Übersicht
Bildrechte: MDR.DE

Wem gehört was bei Unister?

Bis zu seinem Tod hielt Wagner rund 40 Prozent der Anteile und war damit Hauptgesellschafter der Unister Holding. Der Rest verteilt sich nach Firmenangaben auf die vier Mitgründer - darunter Oliver Schilling, der ebenfalls beim Absturz ums Leben kam, dessen Bruder Christian Schilling, Sebastian Gantzckow und Daniel Kirchhof - sowie eine Firma namens Opus30. Dabei handelt es sich um eine in Leipzig ansässige Vermögensverwaltungsgesellschaft.

Wie geht es nach der Unister-Insolvenz weiter?

Bis zum 22. Juli haben die Unister-Holding, die Unister GmbH, die Urlaubstours GmbH, die U-Deals GmbH, die Unister Travel Betriebsgesellschaft mbH und die Unister Factory GmbH Insolvenzantrag gestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter von Unister, Lucas Flöther, will den Konzern im Gesamten erhalten. Das erklärte er am Mittwochabend im Interview mit dem MDR. Flöther sagte, das sei unabhängig davon, ob einzelne Konzernglieder den Weg der Insolvenz gingen. Zugleich betonte er, dass es bereits zahlreiche Kaufangebote für die Unternehmensgruppe gebe. Nahezu stündlich gingen Angebote ein. Es bestehe ein großes Interesse.

Wird es weitere Insolvenzen bei Unister geben?

Insolvenzverwalter Flöther schloss weitere Insolvenzen bei den Tochterunternehmen nicht aus. Damit könne mitunter aber auch ein geordneter Übergang geschaffen werden. Dass die großen Portale ab-in-den-urlaub.de und fluege.de Insolvenz anmelden müssen, glaubt Flöther allerdings eher nicht.

Worum geht es bei den Ermittlungen gegen Unister aus der Vergangenheit?

2012 geriet Unister ins Visier der Justiz. Wagner und drei weitere Manager wurden unter anderem wegen unerlaubter Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung angeklagt. Unister wies die Vorwürfe stets zurück. Jetzt hat das Landgericht Leipzig hat zwei Anklagen gegen mehrere Manager der Leipziger Unister-Gruppe zu einem Verfahren gebündelt. Es handele sich um Anklagen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden aus den Jahren 2013 und 2016. Im einzelnen gehe es um den Vorwurf des unerlaubten Betreibens von Versicherungsgeschäften sowie Steuerhinterziehung. Eine weitere Anklage liege wegen banden- und gewerbsmäßigen Computerbetrugs in 87.368 Fällen vor. Die Beschuldigten hätten bis Ende August Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, teilte ein Sprecher am Donnerstag mit. Ab wann gegen die verbliebenen drei Angeklagten verhandelt wird, ist offen. Wie das Gericht mitteilte, bedeutet der Tod von Firmengründer Wagner "grundsätzlich keine Veränderung der Verfahrenssituation für die anderen Verfahrensbeteiligten".

Nach Angaben der Geralstaatsanwaltschaft sollen Kunden der Internetportale regelmäßig zu viel Geld bei Reisebuchungen gezahlt haben. Unister habe etwa mit Fluggesellschaften nach dem Eingang von Kundenbuchungen teils deutlich günstigere Preise ausgehandelt, diese Rabatte aber nicht an die Kunden weitergegeben.

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2016, 18:27 Uhr

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2 Kommentare

22.07.2016 18:58 Dafür fiel die Mauer 2

Es fehlt nur das Ressueme, dass dieser Laden nur auf Betrug aufgebaut war.
Keinem Staatsanwalt vor Ort fiel das auf. Warum?

21.07.2016 13:15 martin 1

Die Schneeballgeschichte im Sommer,leicht verständlich und im Ergebnis klar.