Wirtschaftsprozess in Leipzig Unister-Manager zu Bewährungsstrafen verurteilt

Es war der größte Wirtschaftsprozess des Jahres. Knapp ein Jahr wurde am Landgericht Leipzig verhandelt. Nun stehen die Urteile fest. Die beiden angeklagten Ex-Manager des Reiseanbieters Unister erhalten Bewährungs- und eine Geldstrafe. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich beide des Betrugs strafbar gemacht haben.

Mit den Urteilen ist das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft fast gänzlich gefolgt. Der ehemalige Finanzchef Daniel K. erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und muss zusätzlich 8.000 Euro Geldstrafe zahlen. Der frühere Leiter des Flugbereichs der Unister-Gruppe, Holger F., wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich beide Angeklagte wegen des sogenannten Runterbuchens von Flugtickets des Betrugs strafbar gemacht haben. Daniel K. sei zudem wegen des unerlaubten Vertriebs von Versicherungen und des Hinterziehens von Versicherungssteuer schuldig, heißt es in der Urteilsbegründung.

Schon vor der Urteilsverkündung hatte einer der Anwälte Revision angekündigt. Der Rechtsstreit um Unister und seine Reiseportale wie fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de könnte also noch den Bundesgerichtshof in Karlsruhe beschäftigen.

Jahrelange Ermittlungen

Der Vorsitzende Richter eröffnet am Landgericht Leipzig den Prozess gegen drei frühere Manager des Leipziger Internet-Unternehmens Unister
Im Januar 2017 ist der Prozess gegen drei Unister-Manager eröffnet worden. 39 Verhandlungstage später fiel das Urteil gegen zwei von Ihnen. Bildrechte: dpa

Fünf Jahre lang hatte die Staatsanwaltschaft Leipzig wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, Steuerhinterziehung und Versicherungsbetrugs ermittelt. Ende 2012 hatte es eine Razzia gegeben, in deren Folge gegen zwei Führungskräfte von Unister Haftbefehl erlassen worden war. Nach dem Tod von Unistergründer Thomas Wagner im Sommer 2016 hatten sich die Ermittlungen auf die beiden Angeklagten konzentriert.
Im Januar 2017 war dann der Prozess gegen insgesamt drei Unister-Manager eröffnet worden. Gegen die Zahlung einer Geldauflage wurde die Verhandlung gegen einen von ihnen im August 2017 eingestellt.

Vorwürfe zurückgewiesen

Unister hat die Vorwürfe des sogenannten Runterbuchens von Flugtickets wiederholt zurückgewiesen und erklärt, die Praxis sei in der gesamten Reisebranche üblich. Und auch die Verteidigung der beiden Unister-Manager konnte während der monatelangen Verhandlung den Argumenten der Staatsanwaltschaft nicht folgen und plädierte auf Freispruch. Die Vorwürfe hätten nicht belegt werden können, hieß es vergangene Woche in dem Plädoyer der Verteidigung. Zudem habe kein einziger der angeblich geprellten Kunde Anzeige erstattet.

Letzter Unister-Geschäftsbetrieb verkauft

Anfang Dezember wurde der letzte Geschäftsbetrieb des zahlungsunfähigen Internet-Unternehmens Unister verkauft. Der Online-Vermarkter Ad Up Technology sei zum 1. Dezember an die Axel Springer Teaser Ad GmbH gegangen, teilte Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit. Die 22 Arbeitsplätze in Hamburg blieben erhalten, hieß es. Ad Up Technology ist spezialisiert auf die Vermarktung von Online-Portalen.

Mit dem Verkauf des letzten operativen Geschäftsbetriebs sei das Insolvenzverfahren bei dem Leipziger Unternehmen aber noch lange nicht abgeschlossen, so Flöther. Es könne noch Jahre dauern, bis ermittelt sei, wie viel Geld die Gläubiger noch von Unister zurückfordern könnten. Erst dann könne die Holding abgewickelt werden.

Unister hatte im Juli 2016 Insolvenz angemeldet, nachdem Gründer und Gesellschafter Thomas Wagner tödlich mit dem Flugzeug verunglückt war.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen und Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.12.2017 | ab 07:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 04.12.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: AFP/MDR/kk/dk/bb

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2017, 21:17 Uhr

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3 Kommentare

05.12.2017 16:43 Bernd L. 3

Ein Skandalurteil gegen eine Betrügertruppe und eine schwache Justiz (der Staatswanwalt sollte nachdenken, ob er den richtigen Beruf hat).

05.12.2017 08:50 maruth 2

was bitte ist runterbuchen? Einen Satz zur Erklärung bitte.

05.12.2017 07:14 Kritiker 1

Ein trauriger Witz, dieses Urteil! Jeder Kleinkriminelle wird härter angefasst, aber wenn man im großen Stil betrügt, scheint das nicht so schlimm zu sein, zumal die Nachfolger immer noch ungehindert nach der gleichen Methode arbeiten. Unsere Justiz sollte mal dringend auf den Prüfstand!