illegal abgelagerter Müll vor einem Wertstoffhof in Leipzig
Ob das Ordnungsamt, wie angekündigt, Streife gelaufen ist und dabei Müllsünder ertappt hat, war am Sonnabend nicht in Erfahrung zu bringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warnstreik im Öffentlichen Dienst Wachsende Müllberge vor Leipzigs Wertstoffhöfen

illegal abgelagerter Müll vor einem Wertstoffhof in Leipzig
Ob das Ordnungsamt, wie angekündigt, Streife gelaufen ist und dabei Müllsünder ertappt hat, war am Sonnabend nicht in Erfahrung zu bringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor Leipzigs Wertstoffhöfen sind seit Freitag erneut wachsende Berge von Sperrmüll zu beobachten. Grund ist der Warnstreik im Öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Mitarbeiter der Stadtreinigung Leipzig bis Sonnabend zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Konsequenz: Restmüll- und Biotonnen wurden nicht geleert und 15 von 17 Wertstoffhöfen blieben geschlossen. Die Folge waren zugemüllte Zufahrten zu den bestreikten Abgabestellen.

Zwar erklärte die Stadt, dass die Ablagerung des Sperrmülls eine Ordnungswidrigkeit darstellt und dies mit einem Bußgeld bis zu 100.000 Euro geahndet wird. Das schien aber die Bürger nicht zu stören, die trotzdem ihren Unrat vor die geschlossenen Tore kippten.

Warnstreik im Öffentlichen Dienst Müllberge vor Leipzigs Wertstoffhöfen

illegal abgelagerter Müll vor einem Wertstoffhof in Leipzig
Am Wertstoffhof Dieskaustraße ließen die Bürger trotz des Warnstreikschildes ihren Müll einfach vor dem Tor liegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
illegal abgelagerter Müll vor einem Wertstoffhof in Leipzig
Am Wertstoffhof Dieskaustraße ließen die Bürger trotz des Warnstreikschildes ihren Müll einfach vor dem Tor liegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
illegal abgelagerter Müll vor einem Wertstoffhof in Leipzig
Viele Leipziger wussten gar nicht, dass auch am Sonnabend gestreikt wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sperrmüll vor Tor eines Wertstoffhofes
Gleiches Bild in der Zwickauer Straße am dortigen Wertstoffhof. Bildrechte: MDR/Duy Tran
Sperrmüll vor Tor eines Wertstoffhofes
Das Ordnungsamt hatte angekündigt Streife zu laufen, doch die Müllsünder in der Zwickauer Straße wurden offenbar nicht ertappt. Bildrechte: MDR/Duy Tran
Sperrmüll vor Tor eines Wertstoffhofes
Müll so weit das Auge reicht und das ganze höchst illegal entsorgt. Bildrechte: MDR/Duy Tran
Sperrmüll auf einem Gehweg vor einem Wertstoffhof
Der Müllberg in der Lößniger Straße wächst und wächst. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
An einem Tor hängt ein Schild mit der Aufschrift 'Warnstreik'. Daneben stapelt sich Sperrmüll.
Auch hier wurde das Warnstreikschild nicht beachtet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Auto parkt an einem Gehweg, auf dem sich Sperrmüll stapelt.
Trotz Verbots fuhren immer wieder Menschen an die Wertstoffhöfe und lagerten illegal ihren Müll ab. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
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Die meisten Leipziger waren genervt, die am Sonnabend ihren Müll ordnungsgemäß entsorgen wollten. Dass die Stadtreinigung zwei Tage bestreikt werde, habe man nicht gewusst.

Er wächst und wächst

Mann
Daniel Reichelt hat das schnelle Wachstum des Müllberges dokumentiert. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Daniel Reichelt wohnt in unmittelbarer Nähe zum Wertstoffhof in der Lößniger Straße in Leipzig. Bereits in der vergangenen Woche konnte er das Schauspiel eines wachsenden Sperrmüllberges beobachten. Warum die Menschen ihren Müll ablagern, obwohl gestreikt wird, versteht er nicht. Es sehe nicht schön aus, sei unangenehm und er fühle sich in seiner Straße unwohl.

Es ist den Leuten egal, dass da Warnstreik steht, auch im Sinne der Solidarität. Hier wird nicht gewartet, bis das vorbei ist. Sondern die Menschen sehen da ist schon was abgeladen und packen ihren Müll oben drauf.

Daniel Reichelt Anwohner

Der Müllberg wächst und wächst

Blick aus einem Fenster auf eine Straße hinab.
Die Lößniger Straße am Freitagabend. Die ersten Müllsünder haben ihren Unrat vor dem geschlossenen Tor abgekippt. Anwohner Daniel Reichelt dokumentierte das langsame Wachsen des Müllbergs. Bildrechte: Daniel Reichelt
Blick aus einem Fenster auf eine Straße hinab.
Die Lößniger Straße am Freitagabend. Die ersten Müllsünder haben ihren Unrat vor dem geschlossenen Tor abgekippt. Anwohner Daniel Reichelt dokumentierte das langsame Wachsen des Müllbergs. Bildrechte: Daniel Reichelt
Sperrmüll vor Tor eines Wertstoffhofes
Immer noch Freitag, zwei Stunden später. Der Müllberg hat an Volumen gewonnen. Bildrechte: Daniel Reichelt
Wachsender Müllberg in Leipzig
Sonnabendnachmittag: Der Sperrmüll in der Lößniger Straße hat den Gehweg unter sich begraben und wächst allmählich die Straße entlang. Bildrechte: Daniel Reichelt
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Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.04.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.04.2018 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2018, 21:01 Uhr

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6 Kommentare

16.04.2018 19:07 Patriot 6

Man sollte mal juristisch prüfen lassen, ob die Wertstoffhöfe während der Öffnungszeiten die Annahme verweigern dürfen - und ob Streiks überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar sind, da viele andere im ganzen Leben nicht streiken dürfen. Lohnerhöhungen durch Streiks sind zudem gewaltige Inflationstreiber. Andere verlieren dadurch ihre ersparten Notgroschen und hetzen ein Leben lang der Inflationsspirale hinterher. Das ist eine Umverteilung von unten nach oben und damit nicht zu akzeptieren. Vielleicht wollen die Müllberge zum Denken anregen.

15.04.2018 16:10 B an S (@Kom.2) 5

Richtig, Streikrecht abschaffen und zurück ins 18. Jahrhundert. Was waren das noch für Zeiten, als der nervende Arbeitnehmer keine Rechte hatte. Die Maschienen dampften und der Gewinn stimmte, zumindest für den Fabrikbesitzer. Lässtigen Arbeitnehmern war es nicht möglich, die "öffentliche Ordnung" zu stören. Vielleicht könnte man ja auch noch mal darüber nachdenken, ob Kinderarbeit doch nicht soo schädlich ist.

15.04.2018 16:03 Und wieder versagt der Rechtsstaat 4

Ich konnte gestern den Bericht über den oben genannten Wertstoffhof im MDR verfolgen. Noch während der Interviews fuhren Autos vor und luden Müll ab. Mir ist es ein Rätsel, warum, wenn dies vor der Kamera passiert, die Leute nicht direkt angesprochen werden und warum nicht die Daten der Nummernschilder an die Polizei weitergegeben werden und Anzeige erstattet wird. Mir ist auch unklar, warum man nicht einfach ein Zivilfahrzeug vom Ordnungsamt vor die Tore der Höfe hinstellt und jeden zur Kasse bittet, welcher dort seinen Müll abläd. Wieder mal ein kompelett Versagen der Ordnungsbehörden.

15.04.2018 11:24 part 3

Höher Löhne und Gehälter, egal in welcher Branche, bedeuten auch höher Sozialabgaben für das Gemeinwesen statt Alimentierung von Nierdriglöhnen durch Hartz IV und somit eine Belastung der Gemeinschaft zu Gunsten der Superreichen.

15.04.2018 05:55 S 2

Ich habe kein Verständnis für diese Streiks, weil es eben noch viele andere Berufe gibt, die wohl noch schlechter bezahlt oder noch schlechtere Bedinungen haben als bei der Stadtreinigung und sich eben "nicht beklagen" bzw. nicht streiken. Streiks sind eh nicht mehr zeitgemäß und gehören "abgeschafft", weil es die "öffentliche Ordnung stört und mehr Probleme schafft als es was nützt. Und ich denke wohl kaum, dass alle Mitarbeiter in einer Gewerkschaft sind, so dass diese hätten arbeiten müssen!!! Alle Wertstoffhöfe zu schließen ist völliger Quatsch!

14.04.2018 20:33 Beton 1

Mein Leipzig lob` ich mir...