Zerstörte Fensterscheibe
In Wurzen wurde erneut eine Flüchtlingswohnung attackiert. In der Folge kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Ausländern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Massenschlägerei Woher kommt die Gewalt in Wurzen?

Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Freitagabend in Wurzen suchen Politik und Öffentlichkeit nach Gründen für die immer wiederkehrende Gewalt in der sächsischen Kleinstadt. Oberbürgermeister Jörg Röglin macht Versäumnisse in der Sozialarbeit für die Vorfälle verantwortlich. Andere sehen in den rechten Strukturen im Muldentalkreis die Ursache des Problems. Die Gewaltbereitschaft sei zudem ein Generationenproblem.

Zerstörte Fensterscheibe
In Wurzen wurde erneut eine Flüchtlingswohnung attackiert. In der Folge kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Ausländern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Landtagsabgeordnete der Linken, Kerstin Köditz, hat die Entpolitisierung der gewalttätigen Auseinandersetzungen in Wurzen kritisiert. Die Extremismusexpertin sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN, sie teile zwar die Meinung des Wurzener Oberbürgermeisters Jörg Röglin, die Sozialarbeit im ländlichen Raum müsse gestärkt werden. Aber die Gründe für den neuerlichen Vorfall in versäumter Sozialarbeit zu suchen, sei der falsche Weg.

Rechte Strukturen in Wurzen

Das lange Ignorieren rechter Strukturen in und um Wurzen kommt für Köditz einer stillschweigenden Zustimmung gleich. 27 Vorfälle mit fremdenfeindlichem und rechtsextremem Hintergrund zählt Köditz seit Februar 2015 in Wurzen. Dabei stehe Wurzen wirtschaftlich gut da. "Die Arbeitslosenzahlen gehen zurück, die Abwanderung stagniert", erklärt Köditz und lobt die Flüchtlingsbetreuung der Stadt.

Es reicht aber nicht, etwas für Flüchtlinge zu tun, wenn gegen den Rechtsextremismus nichts getan wird.

Kerstin Köditz Extremismusexpertin der Linke-Fraktion im Sächsischen Landtag

Neonazis als Stadtpolizei

Für Ingo Stange vom Netzwerk für demokratische Kultur reiht sich der Vorfall vom Freitagabend in eine Kette von Überfällen auf Flüchtlinge ein. Er spricht von einer geplanten Aktion.

Schon seit einiger Zeit versammeln sich Neonazigruppen und spielen Stadtpolizei.

Ingo Stange Netzwerk für demokratische Kultur e. V.
Ingo Stange
Ingo Stange vom Netzwerk für demkoratische Kultur fordert von der Stadt Wurzen, mehr Druck auf die Ermittlungsbehörden auszuüben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der rechten Szene gebe es immer wieder Nachwuchs, sagt Stange. "Wir wissen, dass heute Kinder von Neonazis aus den 1990er-Jahren aktiv sind. Diese Kameradschaften versuchen, hier wieder Fuß zu fassen."

Stange bedauert, dass es bisher wenig Ermittlungserfolge gegeben hat und fordert von der Stadt, mehr Druck auf die Behörden auszuüben.

Forderung nach mehr Sicherheitskräften

Der Stadt Wurzen macht Köditz den Vorwurf, auf die zahlreichen Vorfälle der letzten Jahre nicht reagiert zu haben. "Wurzen braucht ein Sicherheitskonzept." Eine stärkere Präsenz der Polizei sei notwendig. Die Vorfälle in Wurzen sollen laut Köditz auch im Innenausschuss des Sächsischen Landtages Thema sein. Dort soll der Innenminister am Donnerstag über den Ermittlungsstand Auskunft geben. Zudem will Die Linke einen Antrag einreichen, in dem unter anderem die Stationierung der Bereitschaftspolizei in Wurzen gefordert wird.

Polizeireform anpassen

Auch Kai Ritter von der CDU-Stadtratsfraktion in Wurzen fordert mehr Sicherheitspersonal. MDR SACHSEN erklärte er, dass die Polizeireform von 2011 den neuen Gegebenheiten angepasst werden müsse. Dazu habe die Wurzener CDU einen Brief an Innenminister Roland Wöller verfasst, der den Forderungen Nachdruck verleihen soll.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.01.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2018, 20:26 Uhr

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142 Kommentare

18.01.2018 11:56 Mediator an HERBERT WALLASCH, Pirna(137) 142

Sie reden Unsinn!

1. Arbeitgeber in D interessiert ihre politische Meinung i.d.r nicht, solange sie damit nicht den Betriebsfrieden stören. Wer ausländische Kollegen beleidigt oder diskrimminiert, der verstößt gegen seine Arbeitnehmerpflichten und kann zu recht abgemahnt werden.

2. Wo sehen sie ein logisches Verhalten, wenn Eltern zum angblichen Schutz ihres Nachwuchses die Positionen von Rechtsextremisten übernehmen? Kinder und Jugendliche müssen zu starken autarken Persönlichkeiten erzogen werden und nicht zu fremdenfeindlichen Angstkläffern. Rechtsradikale werden übrigens schnell zu Bedrohung für Eltern und Kinder, wenn diese sich offen gegen fremdenfeindliche Positionen aussprechen.
Kindern sollte man darüber hinaus realistische Bedrohungsszenarien vermitteln. Dazu gehört, dass die Tochter viel wahrscheinlicher vom Onkel, Freund oder Sporttrainer vergewaltigt wird wie von einem Flüchtling.

18.01.2018 10:19 ralf meier 141

@MuellerF Nr 86: Sie werten also einen Messerangriff, der immer das Risiko einer schweren oder sogar tödlichen Verletzung mit sich bringt, als 'Überreaktion' und können diese sogar nachvollziehen weil hier 12 gegen 30 waren .

So ungefähr stelle ich mir das Rechtsbewußtsein eines guten Menschen vor.

Ihre Behauptung 'Ich heiße Gewalt generell, Waffengewalt noch viel weniger gut' kann ich da allerdings nicht ganz nachvollziehen.

18.01.2018 09:14 der_Silvio 140

@139 Mediator; "Du scheinst ja ein sehr seltsames Rechtsempfinden zu haben, wenn du der Meinung bist irgendeine Auseinandersetzung rechtfertigt Selbstjustiz."

Da sprechen sie ja genau das richtige Thema an.
Das absolute Fehlverhalten der Wurzener verurteilen sie (zu recht) lang und breit.
Zu dem bewaffneten Angriff seitens der Ausländer kommt von ihnen jedoch kein Wort.
Daher meine Frage an sie; ist es legitim, daß die 'Flüchtlinge' diesen bewaffneten Angriff gestartet haben? Von Notwehr braucht man nämlich nicht anfangen. Und rechtfertigen kann man diese Attacke auch nicht.
Dazu können sie ja nochmals den von mir in #134 erwähnten Artikel des MDR lesen.

17.01.2018 22:36 Mediator an Udo K(131) 139

Lieber Udo, versuch doch nicht krampfhaft das Verhalten von Menschen zu rechtfertigen die man nur als Rechtsextremisten bezeichnen kann.

Du scheinst ja ein sehr seltsames Rechtsempfinden zu haben, wenn du der Meinung bist irgendeine Auseinandersetzung rechtfertigt Selbstjustiz. Mit einem Handy kann man durchaus auch die Polizei rufen statt sich nur an Hasspostings aufzugeilen.

Hast du etwas auch immer eine Sturmhaube dabei, falls sich eine Provokation zu einer Auseinandersetzung eskalieren lässt und sich daraus eine Rechtfertigung für einen rassistischen Angriff herbeifabulieren lässt? Du verzeihst mir, dass ich da nicht von normalen deutschen Bürgern sprechen kann sondern da eher Kriminelle am Werk sehe.

17.01.2018 22:01 Udo K 138

@ Susan 136
Ihr Beitrag zeigt eine äußerst oberflächliche Betrachtung der Situation insgesamt.
Sie bekunden offen, dass die Messerangriffe berechtigt waren.
Mit genau dieser Haltung den Flüchtlingen gegenüber bestärken Sie diese in der Richtigkeit ihrer Straftaten.
Zum Rest Ihres Beitrages sei gesagt, dass Sie verallgemeinern und eben nicht die Tatsachen sehen wollen.

17.01.2018 21:23 HERBERT WALLASCH, Pirna 137

An @ 136 - Susan - Nicht jeder Kommentar wird veröffentlicht. Ob sie als eventuelle Mutter noch genau so denken würden? Denken und reden ist auch in dieser Gesellschaft etwas vollkommen Anderes, allerdings ist die Selbstzensur bedingt wegen des öffentlichen Ansehens und eventueller negativer ökonomischer Auswirkungen wirkungsvoller als zu DDR-Zeiten. Bewußter Egozentriker oder Einzelperson kann man nur sein und es sich leisten, wenn man ökonomisch unabhängig ist, allerdeings versucht man uns Anderes einzureden.

17.01.2018 19:46 Susan 136

Um mal mit Blick auf die Kommentare hier was Allgemeines festzustellen: Der Bildungsstand, das Bewusstsein und die psychische Verfassung in diesem Land sind ein einziger Jammer. Es ist wie im Kindergarten: "Mami, die bösen schwarzen Jungs da sind schuld, nicht wir!" Manche merken es offenbar nicht, wie dumm es ist, einerseits vor irgendeinem abkassierenden sog. Arbeitgeber zu buckeln und im Gegenzug, um diesen Frust zu kompensieren, nach unten treten. Da sagte doch mal einer: "Sklaven wollen nicht frei, sondern selbst selbst Sklaventreiber sein." Und die Sklaven sieht man hier offensichtlich in den Flüchtlingen. Die sollen sich nicht wehren, sollen gehorchen, sich verprügeln, treten und bespucken lassen. Und wenn sie zurückhauen, geht das Geheule in Herrenmenschenmanier los. Und dann brüstet man sich, wie toll "deutsch" man sei, so als gäbe es gar keine Klassenunterschiede in diesem Land. Hauptsache man fühlt sich nicht so jämmerlich und nur irgendwo dazugehörig. Wie in einer Anstalt.

17.01.2018 17:31 Mediator an Bernd(129) 135

Interkulturelle Kompetenz konnte man in der DDR sicherlich deutlich weniger erlernen als in der BRD.

Fremde wurden vom Regime mißtrauisch beäugt, überwacht und wenn möglich von der Bevölkerung getrennt. Die Vertragsarbeiter waren mehr Handelsobjekt zwischen der DDR und ihren Bruderstaaten. Rassistische Übergriffe gegen sie gab es zu Hauf und die STASI hatte Mühe mit der Zensur den schönen Schein der sozialistischen Brüderlichkeit aufrecht zu erhalten.

NAZI wird man übrigens nicht durch Arbeits- und Perspektivlosigkeit alleine. Da gehören schon einige Charakterdefizite und eine Umgebung die dies befördert dazu. Mir wäre neu gewesen, dass es nach 1989 eine innerdeutsche oder europäische Grenze gab, die die Perspektivlosen auf der Suche nach Arbeit zurück gehalten hat.

17.01.2018 17:22 der_Silvio 134

@13 Mediator; "Zu dem Überfall auf das Haus der Flüchtlinge gibt es recht klare Aussagen aus der Nachbarschaft. Ansonsten hilft auch der gesunde Menschenverstand weiter."

Nicht zu vergessen der Angriff der jugendlichen Ausländer mit Knüppeln, Messern und Elektroschocker, wie der MDR nannte es in seinem Artikel "Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Ausländern in Wurzen" berichtete.

Gewaltpotential gibt es auf beiden Seiten genug, da nützen Vorverurteilungen niemandem.

17.01.2018 17:17 Udo K 133

Im Artikel geht es nach den neuesten Ereignissen in Wurzen um Rechtsradikale.
Zwei Deutsche wurden durch mehrere Messerstiche teilweise schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht.
Einer der Verletzten sagte laut LVZ:
„Wenn nicht wir, die beiden Deutschen, im Krankenhaus gelandet wären, sondern die Ausländer – der Aufschrei wäre groß gewesen“, behauptet der 16-Jährige. Er ist enttäuscht, dass die in seinen Augen Schuldigen einfach so bei Freunden in Leipzig unterkommen können: „Was, wenn wir mit Messern zugestochen hätten?“ Ende Zitat -----

Darüber sollte auch mal nachgedacht werden.
Das scheint für die Diskussion in Wurzen aber keine Rolle zu spielen, es wird einfach negiert und nur über Rechtsradikale diskutiert.
Auf diese Weise wird man aber Rechtsradikale niemals wirksam bekämpfen, sondern deren Zahl erhöhen.