20.05.2020 | 20:24 Uhr | Update Polizei stellt Liebesbetrüger in Zwickau und warnt vor Liebesfallen im Netz

Eine Grafik zeigt eine Frau mit gesenktem Kopf, die Tränen vergießt. Im Hintergrund sind undeutlich Umrisse von Menschen zu sehen, Euroscheine und ein Computerbildschirm. das Bild symbolisiert des Fall eines Internetbetrugs. Überwiegend Frauen ab 45 Jahren fallen auf ausländische Männer herein, die es nur auf das Geld der Frauen abgesehenhaben. Lovescamming oder Romancescamming nennt man das auch.
Mehr als Dreiviertel aller Opfer von Liebesbetrug im Internet waren in Sachsen voriges Jahr Frauen. Bittere Tränen und Probleme lassen sich verhindern, wenn man trotz vieler Liebesschwüre genau hinsieht und stutzig wird, sobald die vermeintliche Liebe Geld will. Bildrechte: MDR/Imago Images

In Zwickau hat die Polizei Liebesbetrüger festgenommen und sogenanntes Love-Scamming aufgedeckt. Das Opfer war ein 40 Jahre alter Mann. Er hatte über mehrere Wochen hinweg eine 21 Jahre alte Tschechin kennengelernt, die sich von ihm mehrfach Geld lieh - angeblich für Medikamente und einen Autokauf. Insgesamt erschlich sie sich so 25.000 Euro und drei Handys samt Verträgen.

Bankangestellter in Zwickau wurde misstrauisch

Als der Zwickauer am Dienstag wieder Geld für seine mutmaßliche Freundin von der Bank abheben wollte, wurde eine Angestellte misstrauisch. Sie rief die Polizei. Die Beamten nahmen vor der Filiale die Tschechin und drei weitere Personen fest. Die junge Frau und ein 23 Jahre alter Tscheche gelten laut Polizei als Tatverdächtige. Bei Wohnungsdurchsuchungen der Beiden stellten die Beamten mehr als die Hälfte des Geldes, die drei Handys und einen hochwertigen Pkw sicher.

Polizei empfiehlt: Trotz Herzklopfen Hirn einschalten

Aus aktuellem Anlass warnt das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) hat vor derartigen Liebes-Abzocken im Internet. Dabei geht es um sogenannten Vorschussbetrug, auch Love- oder Romance-Scamming genannt. Zwar sei die Gesamtzahl der Fälle leicht gesunken, jedoch die Schadenssumme um fast ein Viertel (23,7 Prozent) gestiegen, teilte das LKA mit.

Es geht den Tätern nur ums Geld, eine persönliche echte Verbindung war und ist nie vorgesehen.

Landeskriminalamt Sachsen

In Sachsen sind im vorigen Jahr insgesamt 299 solcher Fälle bekannt geworden (14 Fälle weniger als 2018). Davon haben sich 252 Liebesbetrügereien 2019 ereignet sowie 47 Fälle, bei denen bereits 2018 Menschen in Sachsen Opfer im Internet wurden. Sie haben ihre Fälle aber erst 2019 angezeigt.

Nüchterner Blick auf die Zahlen

  • 229 dieser 299 polizeilich registrierten Liebes-Fallen wurden vollendet und haben eine Gesamtschaden von 3.559.518 Euro verursacht.
  • Das waren rund 681.000 Euro mehr Schaden als 2018 - trotz leicht gesunkener Fallzahlen.
  • 76,5 Prozent der Geschädigten sind Frauen, die meisten zwischen 45 und 65 Jahren alt.
  • Insgesamt hat die Polizei 77 Tatverdächtige ermittelt.
  • Die Dunkelziffer in Sachsen dürfte laut LKA deutlich höher liegen.

Viele Opfer schämen sich, diesen Betrug anzuzeigen. Das wissen leider auch die Täter.

Feststellung des LKA Sachsen

So läuft der Betrug mit der Liebe ab

Die Masche laufe immer gleich ab, hat das LKA festgestellt. Über soziale Netzwerke nehmen die Täter Kontakte zu den Opfern auf, meist sind Frauen die Betroffenen. Dann werde über Wochen und Monate eine Vertrauensbasis aufgebaut und eine erfundene Notlage vorgespielt, um Mitleid bei den Betroffenen auszulösen. Die Opfer überweisen dann leutselig Geld z.B. über Western Union nach Ghana, Nigeria, den USA, Großbritannien, der Türkei oder nach Russland. Bei Internetbekanntschaften mit Russland handelt es sich laut LKA meist um angeblich heiratswillige Frauen, die dann ihre männlichen Opfer abzocken.

Achtung: Wenn das erste Date vom Geld abhängt

Meist sei der oder die Angebetete aufmerksam, gebildet und erzähle interessante Lebensgeschichten. Nur ein persönliches Treffen fehlt. Das wird von einer Geldüberweisung abhängig gemacht, entweder für ein Visum oder für ein Flugtickets oder es gibt eine Notlage, dass ein enger Angehöriger erkrankt ist und ihn nur eine teure Operation retten könne. Es wurden auch Fälle polizeibekannt, da wurden angeblich notwendige Hilfen bei Wertsachen erbeten oder vorgegaukelt, der Pass sei gestohlen worden. 

Hier sollten Betroffene und deren Angehörige/Freunde stutzig werden:

  • Vorsicht vor knappen Mails in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat. Sie dienen als Lockmittel.
  • Nicht von den Sprachfähigkeiten beeindrucken lassen. Viele Betrüger kommunizieren sehr gut in Englisch oder auch in perfektem Deutsch.
  • Seriös wirkende Mails wecken erst das Interesse. Nach kurzer Zeit überhäufen die Scammer ihre Opfer mit Liebesschwüren, wollen alles wissen: Hobbys, Ex-Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube spielt eine Rolle.
  • Betrüger schicken ihren Opfern oft angebliche Bilder von sich. Die sind meist in schlechter Qualität, weil sie illegal heruntergeladen wurden. Ausnahmen sind Täterinnen: Sie locken ihre männlichen Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie leicht bekleidet zu sehen sind.
  • Die Täter sprechen oft von Geschäftsreisen oder Schwierigkeiten der Familie und einer Verbindung nach Westafrika wie Nigeria, Ghana oder dem Senegal, aber auch nach Russland und Südostasien. Frauen geben häufig vor, in Osteuropa, Südostasien oder Lateinamerika zu leben.
  • Vorsicht, wenn die neue Internetliebe Geld verlangt. Weigern sich Betroffene zu zahlen, suchen die Betrüger andere Wege der Bereicherung, erpressen ihre Opfer oder drohen mit Selbstmord. Beispielsweise sollen (gefälschte) Schecks in Deutschland eingezahlt werden oder Briefe an Dritte verschickt werden. Die Betrüger bitten um Ausweiskopien und verwenden die Daten für weitere Betrügereien.
  • Wer an seiner neuen Internetbekanntschaft zweifelt, sollte sich an einen Freund oder eine Freundin wenden und deren Meinung anhören.
  • Tipp: In Suchmaschinen den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" eingeben.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.05.2020 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

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