Eine Spritze liegt auf einem Impfpass.
Bildrechte: imago/Christian Ohde

Aktuelle Debatte Fragen und Antworten zur Masern-Impfpflicht bei Kindern

Derzeit wird über die Einführung einer Masern-Impfpflicht für Kinder diskutiert. Die SPD im Bundestag will die Impfung von Kindern gegen Masern zur Pflicht machen und erarbeitet dazu derzeit einen entsprechenden Vorschlag. Aber wie sinnvoll ist das? Die Pflicht für Impfungen gegen Masern sind umstritten - auch weil sie Erwachsene nicht mit einschließt. MDR SACHSEN beantwortet wichtige Fragen.

Eine Spritze liegt auf einem Impfpass.
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Wie steht das Robert Koch Institut zur Masern-Impfpflicht für Kinder?

Das Robert Koch Institut (RKI) sieht eine Impfpflicht für Kinder zur Vorbeugung einer Masernerkrankung skeptisch und verweist auf einen Gastbeitrag des Institutsprofessors Lothar Wieler, der bereits 2017 in der Ärztezeitung veröffentlicht wurde. Darin heißt es, dass eine Impfpflicht das Masernproblem nicht lösen könne, da nicht ungeimpfte Kinder das Problem immer wiederkehrender Erkrankungswellen seien, sondern Jugendliche und junge Erwachsene. Und die würde man mit einer Impfpflicht nicht erreichen.

Wie hoch ist die Impfquote bei Kindern?

Bundesweit liegt die Impfquote nach Angaben des RKI bei Schulanfängern bei 97 Prozent für die erste Masern-Impfung, für die zweite Impfung liegt sie bei rund 93 Prozent. Laut RKI geht man davon aus, dass ab einer Impfquote von 95 Prozent ein sogenannter Herdenschutz gilt. Das heißt, dass dann der Schutz so hoch ist, dass auch die Ungeschützten geschützt sind.

Wie hoch ist die Impfquote bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen?

Nach Ergebnissen einer Studie des Robert Koch Instituts sind bei den 18- bis 44-Jährigen mehr als 40 Prozent nicht gegen Masern geimpft. Diese Altersgruppe wird aber bei Forderungen für eine Impfpflicht nie erwähnt.

Warum ist die Impfquote in dieser Altersgruppe so gering?

Vielen ist die Empfehlung der Ständigen Impfkommission gar nicht bekannt, dass die nach 1970 Geborenen die Impfung nachholen oder vervollständigen sollten, wenn in ihrem Impfausweis nicht zwei Impfungen vermerkt sind. Außerdem gehen junge Erwachsene auch selten zum Arzt. Deshalb wären Wieler zufolge Informationskampagnen besser geeignet, um die Impflücke zu schließen.

Wie viele Menschen sind 2018 an Masern erkrankt?

Im vergangenen Jahr erkrankten laut RKI bundesweit 543 Menschen an Masern. In Sachsen wurden acht Fälle, in Sachsen-Anhalt zehn Fälle und in Thüringen ein Fall registriert.

Wie viele Masernerkrankungen enden tödlich?

Todesfälle durch Masern werden in der Todesursachenstatistik der Gesundheitsberichterstattung des Bundes erfasst. Für den Zeitraum 2007 bis 2015 finden sich dort insgesamt 42 Todesfälle aufgrund von Masern bzw. SSPE. Das sind etwa drei bis sieben Todesfälle pro Jahr.

Was ist eine SSPE genau?

Die SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) ist eine Spätkomplikation, die in der Regel vier bis zehn Jahre nach der Maserninfektion einsetzt. Nach Angaben der Ärztezeitung verläuft die Erkrankung in vier Stadien und beginnt mit der Veränderung der Persönlichkeit, verläuft über Krampfanfälle, Demenz und Teilnahmslosigkeit bis zum Koma. Vom Einsetzen der Symptome bis zum Tod vergehen meistens ein bis drei Jahre. Die SSPE trifft statistisch gesehen eins von 3.300 Kindern unter fünf Jahren und endet tödlich. Besonders gefährdet, an Masern zu erkranken, sind Kinder unter einem Jahr, da sie noch nicht geimpft werden können und der sogenannte Nestschutz nicht so nachhaltig ist.

Welche Nebenwirkungen birgt eine Masern-Impfung?

Die Masern-Impfung ist nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gut verträglich. Nebenwirkungen sind selten. Bei etwa fünf von 100 Geimpften kommt es in den ersten drei Tagen nach der Impfung durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten an. Es kann außerdem kurzzeitig zu Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Da es sich um eine Lebendimpfung handelt, können ein bis vier Wochen nach der Impfung bei etwa zwei bis fünf von 100 Geimpften leichte Masern-Symptome beobachtet werden, die nicht übertragbar sind. Dazu gehören Fieber und ein schwacher masernähnlicher Ausschlag. Auch eine leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse ist möglich. Bei Jugendlichen und Erwachsenen können Gelenkbeschwerden auftreten. Selten wird eine leichte Hodenschwellung beobachtet. Solche Impfreaktionen sind in der Regel vorübergehend und klingen ohne Folgen wieder ab.

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es bei Fieber zu einem Fieberkrampf kommen, der in der Regel ohne Folgen bleibt. Allergische Reaktionen auf den Impfstoff sind selten möglich, ebenso länger andauernde Gelenkentzündungen. In Einzelfällen kann sich vorübergehend die Zahl der Blutplättchen verringern, die für die Gerinnung zuständig sind. Sehr selten sind auch Gehirnentzündungen, die weltweit in wenigen Einzelfällen beobachtet wurden. Ein Zusammenhang mit der Impfung konnte allerdings nicht belegt werden.

Quelle: MDR/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 25.03.2019 | 19:30 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 12:21 Uhr

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4 Kommentare

26.03.2019 10:36 Es gibt Risiken! 4

Im ganzen Leben gibt es Risiken. Kinderkrankheiten gehörten, gehören und werden dazu gehören. Wenn Geimpfte an Masern erkranken, wie das bei den letzten Fällen gewesen ist, habe ich keine Fragen mehr. Besonders übel ist, daß am Versagen der "Schutzimpfung" den Betroffenen die Schuld gegeben wurde und nicht die Wirkungslosigkeit dieser unnötigen, da offenbar nutzlosen Medikation. Erinnert sich noch wer an den Schweinegrippe-Hype, woran die Pharmaindustrie prächtig verdiente? Erst an der Herstellung des Impfstoffes, dann an der Entsorgung desselben. Weil nicht gleich die gesamte Bevölkerung diesem Wahn zum Opfer fiel...

25.03.2019 19:30 Roland He 3

Bereits im Jahre 1900 gab es in Deutschland eine Impfpflicht für Kleinkinder. Ich besitze noch ein Originaldokument von der Impfung meines Großvaters. Später gab es in der DDR auch eine Impfpflicht. In meiner Schulklasse ist im 3.Schuljahr ein Mädchen an Kinderlähmung gestorben. Ein Jahr später gab es dann eine Impfe gegen dies schreckliche Krankheit. Wer hier von unseren Volksvertretern immer noch der Meinung ist, es muss jedem freigestellt werden, ob er sein Kind impfen lässt, spielt mit der Gesundheit eines ganzen Volkes und er sollte zurücktreten. Auch wenn vieles in der DDR nicht in Ordnung war - Gesundheit und Bildung war noch aus heutiger Sicht vorbildlich organisiert, auch wenn es in den 80ziger Jahren manchmal Engpässe bei Medikamenten gab.

25.03.2019 18:44 jackblack 2

Impfpflicht gab es in der DDR, aber da in der DDR ALLES schlecht war geht das natürlich nicht, das wäre Diktatur, dann lieber Freheit und andere anstecken.

25.03.2019 16:46 na so was 1

Masernimpfung für Kinder > was soll daran falsch sein. Nur weil es die DDR nicht mehr gibt, kann das doch beibehalten werden. Oder wieviel Prozent an Kindern hat es damals geschadet ? 0,001 % ? Es können auch Probleme herbeigeredet werden, wo keine sind. Warum wird sich nicht darum gekümmert, dass genügend intakte Schulen und Kindergärten, qualifizierte und genügend Lehrer und Erzieher in KIGA`s vorhanden sind. Neueste Feststellung, die Hälfte der Schulen haben zu langsames Internet (die Verantwortlichen wissen das aber erst seit 24.03.2019). Da ist dann noch die Sache mit der Schulpflicht. Zur Zeit wird ja auf die Kinder und Jugendlichen "eingedroschen", dass auch freitags Unterricht ist und da könnte man nicht zu einer Umweltdemo gehen und die Schule schwänzen. Die Regierenden haben jahrelang zugelassen, dass Unterricht mangels Lehrer ausfiel. Schulpflicht einhalten und ordentliche Bedingungen schaffen, das ist Aufgabe der Regierenden.

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