Fragen und Antworten Lebensgefahr: Vorsicht beim Betreten von Eisflächen

Wenn bei knackender Kälte Seen verführerisch glitzern, ist die Verlockung groß, sich aufs Eis zu wagen. Aber wann ist es eigentlich sicher, Eisflächen zu betreten? Was sollte man beachten? Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft gibt Rat.

Ist jede Eisfläche gefährlich?
Eisflächen zu betreten, birgt prinzipiell ein Gefahrenpotential. Hundertprozentig sichergehen kann man nicht. Die DLRG empfiehlt, immer darauf zu warten, bis die Eisflächen freigegeben werden. Dann kann im schlimmsten Fall zwar immer noch etwas passieren, aber die Gefahr ist minimiert.

Wie müssen die Außentemperaturen sein, damit ein Gewässer zufriert?
Natürlich muss das Wasser, damit die Oberfläche gefriert null Grad haben. Die Temperaturen weiter unten können dann variieren. Bei vier Grad hat das Wasser die höchste Dichte. Es gibt aber keine Faustregel, nach wie vielen Tagen bei wieviel Grad ein Gewässer zufriert. Das hängt von den äußeren Faktoren ab, die variieren können und von den Gewässertypen.

Wie müssen denn die Außentemperaturen sein, damit ein Gewässer zufriert?
Natürlich muss das Wasser, damit die Oberfläche gefriert null Grad haben. Die Temperaturen weiter unten können dann variieren. Bei vier Grad hat das Wasser die höchste Dichte. Es gibt aber keine Faustregel nach wie vielen Tagen bei wieviel Grad ein Gewässer zufriert. Das hängt von den äußeren Faktoren ab, die variieren können und von den Gewässertypen.

Ab welcher Eisdicke kann man auf eine Eisfläche treten?
Die DLRG empfiehlt, dass man bei stehenden Gewässern ab einer Dicke von 15 Zentimetern auf’s Eis gehen kann. Bei fließenden Gewässern sollten es sogar 20 Zentimeter sein, damit diese eine Menschengruppe oder einen Sportler verlässlich halten kann.

Was sollte man tun, wenn man gerade ins Eis eingebrochen ist?
Dafür gibt es keine Patentlösung. Das wichtigste ist, möglichst Ruhe zu bewahren und auf sich aufmerksam zu machen. Also laut und deutlich um Hilfe zu rufen, so dass andere Personen an Land den Rettungsdienst rufen können. Man hat im Wasser nur sehr kurz Zeit zu handeln, weil die Handlungsfähigkeit durch die Kälte relativ schnell abnimmt. Man sollte versuchen, sich mit dem Oberkörper möglichst flach auf das Eis zu legen, vielleicht mit dem Fuß auf der gegenüberliegenden Seite Halt zu finden und sich herauszuschieben bzw. rauszurollen. Dann sollte man Richtung Land robben, am besten auf dem gleichen Weg wie hinzu, denn der hat ja zumindest schon einmal gehalten. Wenn man nicht allzu weit vom Land entfernt ist, kann man auch versuchen, das Eis wegzubrechen bis man wieder Boden unter den Füßen hat. Es gibt aber bei keiner der beiden Varianten eine Garantie, dass es erfolgreich sein wird.

Wie lange hält man es im Wasser aus, nachdem man eingebrochen  ist?
Das hängt davon ab, wie kalt das Wasser und auch wie fit man ist. Eine Faustregel ist, dass man es etwa so lange aushält bzw. handlungsfähig bleibt, wie das Wasser in Grad Celsius kalt ist. D.h. bei fünf Grad Wassertemperatur hat man etwa fünf Minuten Zeit. Danach ist man nicht unbedingt bewusstlos, aber man kann nicht mehr zugreifen, ist desorientiert. Also bei den aktuellen Temperaturen um die null Grad hat der Mensch nur sehr wenig Zeit, um zu handeln. Nach etwa 15 Minuten ist spätestens mit der Bewusstlosigkeit zu rechnen und nach 45 Minuten höchstwahrscheinlich mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand, in Folge dessen dann der Tod eintritt, wenn bis dahin nicht geholfen werden konnte.

Kann man am Kälteschock nach dem Einbrechen auch sofort sterben?
Es gibt den sogenannten Kälteschock. Also insbesondere, wenn der Kopf untertaucht, wird die Atmung vertieft. Das kann aufgrund der Nervreizung dann schon zu einem Stimmritzenkrampf oder einem Atemstillstand führen. Also es kann auch sein, dass eine Person gar nicht mehr nach oben kommt, nachdem sie ins Wasser gefallen ist. Wenn dieser Moment überwunden ist - das dauert zwei bis drei, maximal fünf Minuten - setzen nacheinander die drei Phasen der Unterkühlung ein, bei denen der Körper versucht die Blutzufuhr in die entfernt liegenden Gefäße zu reduzieren, um sich auf die lebenswichtigen Organe zu konzentrieren. Wenn der Körper aber weiter auskühlt, unter 28 Grad Kerntemperatur, dann setzen Herzversagen und Atemstillstand ein.

Wie ist es, wenn man in fließende Gewässer einbricht?
Hier besteht durch die Strömung die Gefahr, dass man unter das Eis gerät. Hier sind die Überlebenschancen relativ gering.
Unsere Einsatztaucher, die auch regelmäßig unter das Eis müssen, um zu retten, berichten davon, dass man das Einstiegsloch, durch das man gefallen ist, tatsächlich nicht mehr sehen kann. Man weiß dann nicht mehr, wo man hin muss und da ist relativ schnell der Punkt erreicht, an dem man sich selbst nicht mehr helfen kann.

Was muss man beachten, wenn man als Ersthelfer vor Ort ist?
Auch hier gilt, so schwer es auch ist, Ruhe zu bewahren und die 112 zu verständigen. Und zwar mit einer konkreten Ortsangabe und Infos dazu, was gerade passiert ist. Und dann muss man sich sehr gut überlegen, inwieweit man es sich zutraut zu helfen. Es ist Fakt, dass der Gesetzgeber von niemandem verlangt, sich in Gefahr zu begeben. Es ist auch niemandem geholfen, wenn dann zwei Personen eingebrochen sind und gerettet werden müssen.

Wenn man die Möglichkeit hat den Eingebrochenen vom Land aus zu erreichen, dann sollte man die ergreifen. Ich denke da an den Modegeschmack der jungen Frauen, die Schals tragen, die zwei bis drei Meter lang sind. Das wäre zum Beispiel eine Möglichkeit. Also irgendwas hinreichen, nachdem man greifen kann. Eine Leiter oder ein umgedrehter Schlitten ginge auch. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit sich selbst auf das Eis zu begeben. Dann aber bitte flach liegend, um das eigene Gewicht zu verteilen und ohne den Kontakt zum Land zu verlieren. Entweder, in dem man angeleint wird (das birgt allerdings wieder andere Gefahren) oder indem man eine liegende Menschenkette bildet. Die leichteste Person dabei nach vorn, denn je dichter man an die Einbruchsstelle kommt desto dünner ist wahrscheinlich das Eis. Diese Person wiederum sollte dann mithilfe eines Schals oder Gürtels, also ohne direkten Körperkontakt, probieren, den Verunfallten herauszuziehen. Aber wie schon gesagt, auch wenn man noch bei Bewusstsein ist, heißt das nicht, dass man noch in der Lage ist, sich festhalten zu können.

Woran erkenne ich, in welchem Zustand die eingebrochene Person ist?
Solange sie noch zittert, ist das relativ gut. Dann befindet sie sich noch im ersten Stadium der Unterkühlung. Also im Abwehrstadium. Diese Personen werden liegend gelagert. Man versucht sie möglichst gar nicht zu bewegen und in den Windschatten zu bringen - im Idealfall natürlich in einen warmen Raum. Außerdem sollte man sie aus ihrer nassen Kleidung herausbekommen und in trockene Decken wickeln.

Wenn die Person nicht mehr zittert, also im Erschöpfungsstadium angekommen ist, dann ist ihr Bewusstsein eingetrübt. Sie kann ihre Gliedmaßen nicht mehr richtig bewegen. Auch diese Person wird idealerweise nur liegend gelagert und transportiert. Hier muss die Kleidung aufgeschnitten werden, denn diese bekommt man im liegenden Zustand nicht ausgezogen. Der Passant, der auf so eine  Person trifft, hat da relativ wenig Handlungsspielraum. Man kann natürlich schauen, ob Pkw in der Nähe sind, die einen Verbandskasten inklusive Rettungsdecke an Bord haben. Man kann auch die eigene Jacke ausziehen und die Person damit einpacken bzw. einen Windschutz bauen und die verunglückte Person dort liegend lagern. Wenn sie noch bei Bewusstsein ist, ist ein warmes Getränk sehr hilfreich. Natürlich kein Kaffee oder Alkohol.

Auf keinen Fall sollte man die Person aufstehen und sich bewegen lassen. Auch nicht die Gliedmaßen massieren. Denn in der Körperschale, entfernt vom Herzen, kühlt sich das Blut am schnellsten ab und verbleibt auch dort, weil sich der Körper darauf konzentriert die lebenswichtigen Organe im Zentrum zu versorgen. Wenn man dann dafür sorgt, dass dieses Blut zurück zum Körperkern läuft, also beispielsweise indem man sie eine Runde laufen lässt, kann es zum After-Drop-Effekt kommen, dem sogenannten Bergungstod. Das heißt, auch eine Person, die sich schon außerhalb des Wassers befindet, könnte dann einen Herzstillstand erleiden.

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 11:47 Uhr

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