Zeitzeuge Victor Gregg (links) und Moderator Alexander Menden
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zeitzeuge in Dresden im Gespräch "Holzschuhe retteten mir das Leben"

Der Brite Victor Gregg hat die Bombenangriffe am 13. und 14. Februar 1945 auf Dresden als Kriegsgefangener miterlebt. Im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden erzählte er seine Geschichte. Das Interesse war riesig, der Saal zum Bersten gefüllt.

von Lucas Görlach

Zeitzeuge Victor Gregg (links) und Moderator Alexander Menden
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Victor Gregg ist 99 Jahre alt. Er ist Kriegskind des Ersten Weltkrieges, wie er selbst sagt. Geboren wurde Gregg 1919 in London. Im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden blickt der weißhaarige Mann mit den wachen Augen auf sein Leben zurück. Auch auf dieses eine Ereignis, dessen "Grauen", wie er es beschreibt, er nie vergessen konnte: die Bombardierung Dresdens.

Zum Tode verurteilt

Im Jahr 1944 sprang Victor Gregg zusammen mit Tausenden jungen Männern als Teil der Operation "Market Garden" aus Flugzeugen ab, um die deutschen Verteidigungslinien zu umgehen. Bei der Schlacht von Arnheim wurde er jedoch gefangen genommen und kam in ein Arbeitslager nahe Dresden. Während der Arbeit in einer Seifenfabrik gelang es ihm und seinem Kameraden Harry einen Kurzschluss auszulösen, der im Gebäude ein Feuer entfachte, berichtet Gregg. Daraufhin wurden die beiden Männer wegen Sabotage zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung war für den Morgen des 14. Februar 1945 angesetzt.

"Die Ouvertüre zur Hölle"

Dresden nach dem Luftangriff vom 13. Februar 1945 Zerstörung Bombardierung Zweiter Weltkrieg
Bei Luftangriffen am 13. und 14. Februar 1945 wurde Dresden schwer zerstört. Bildrechte: IMAGO

Am Vorabend wurden sie zusammen mit 200 anderen Männern in ein Gebäude gesperrt und sich selbst überlassen. Dann hörten sie den Fliegeralarm. Victor Gregg erzählt von diesem Abend, an dem auch Harry starb, immer noch fassungslos von der Gewalt und der Zerstörung, die er miterlebte. Er erzählt vom Flammenmeer und den orkanartigen Winden, die Menschen ins Inferno hineinsogen. Und von seinen Holzschuhen, die er im Winter als Strafe für zwei Fluchtversuche tragen musste. In dieser Nacht retteten sie ihm das Leben.

Die Sohlen der Holzschuhe waren so dick, dass ich über die heiße rote Glut und die brennenden Trümmer laufen konnte, die überall verstreut lagen.

Victor Gregg aus dem Buch "Dresden - A Survivor’s Story"

Nach der ersten Angriffswelle stieß Gregg zu einer Gruppe von Versprengten, die von einem deutschen Offizier angeführt wurde. Zusammen mit den Männern musste er in den Tagen nach der Bombardierung die Keller der Dresdner Altstadt aufbrechen, um nach Überlebenden zu suchen. In unzähligen Kellern fanden sie nur sechs Menschen, die überlebt hatten. Ein Grauen, das man sich nicht vorstellen könne, wenn man nicht dabei gewesen sei, sagt Victor Gregg am Vorabend des 13. Februar 2018 im Militärhistorischen Museum.

Gebanntes Zuhören

Das Publikum am Abend in Dresden, gebanntes Zuhören
Die Schilderungen von Victor Gregg wurden simultan übersetzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Interesse an den Erinnerungen des Überlebenden war so groß und der Saal so voll, dass einige Besucher davor abgewiesen werden mussten. Die Menschen, die den Zeitzeugen am Abend erleben konnten, lauschten gebannt und folgten seinen Schilderungen mit Interesse und manches Mal auch mit Entsetzen.

Es ist einfach Wahnsinn, was sich in den Kriegszeiten ereignet hat und wie glücklich wir uns schätzen können. Man sollte alles daran setzen, so etwas wie Krieg zu verhindern.

Ein junges Paar auf der Veranstaltung

Trotz allem konnte man Victor Gregg als einen Mann erleben, der nicht nur die Dinge aus seinen Erinnerungen heraus schildern kann, sondern auch seinen Humor nicht verloren hat. Als einen Mann, der - wie er sagt - viel Glück in seinem Leben hatte.

Bücher von Victor Gregg Seine Erlebnisse schildert Victor Gregg auch in seinen Büchern "Rifleman" und "Dresden: A Survivor’s Story".

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 15:46 Uhr

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2 Kommentare

13.02.2018 16:17 Morchelchen 2

Es ist typisch für dieses Land, dass man über die Erzählungen eines Ausländers berichtet, der selbst die Gräuel mit erlebte, anstatt mit ansässigen Zeitzeugen zu sprechen. Und irgendwie makaber, dass selbst die Privatsender jetzt auf "den Zug aufspringen" mit den nach unten gerechneten Opferzahlen. 25000 - das waren nur die in Dresden umgekommenen Flüchtlinge aus den Ostgebieten! Meine Bekannte würde sich sofort bei den Medien beschweren, wenn die noch leben würde. Die hat "dieses Inferno" (ihre Worte) damals überleben können. Aber hinterher, als es noch Tausende an Toten gab, nur deshalb, weil sie bei Verwandten im Erzgebirge unterkam. Sonst wäre sie mit verhungert...

13.02.2018 13:55 steve 1

Warum erwähnen sie nicht das selbst Victor Gregg die die Opferzahlen von 20000 Toten in Frage stellt?