Entscheidung im Dezember Medienpädagogik in Sachsen: SAEK vor ungewisser Zukunft


Schüler der Schillerschule arbeiten mit einem Tablet.
YouTube, WhatsApp, Instagram und Co. – Der richtige Umgang mit Medien ist wichtiger denn je. Bildrechte: dpa

Der Vertrag für die sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) läuft zum 1. Juli 2021 aus und bislang ist unklar, ob die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) die Zusammenarbeit mit den Medienkompetenzzentren im Freistaat fortsetzen wird. Deshalb haben sich nun mehrere Hundert Einzelpersonen und Initiativen mit einem offenen Brief an den Medienrat der SLM gewandt. Sie befürchten massive Einschnitte in die Medienpädagogik im Freistaat.

Bis zu 20.000 Nutzer

Seit zwanzig Jahren sorgen die SAEK-Zentren in Sachsen für Medienpädagogik an Schulen und in der Erwachsenenbildung. Die Einrichtungen gibt es an acht Standorten in Sachsen, darunter Leipzig, Dresden, Görlitz und Plauen. Hinzu kommt ein mobiles SAEK-Projekt. Robert Helbig ist mit seinem Bildungsunternehmen "Edmedien" in Sachsen unterwegs für die Medienbildung. Im Auftrag der Landesmedienanstalt setzt er SAEK-Projekte um. Mit den Angeboten, Veranstaltungen und Workshops erreichen die SAEK-Projekte jährlich bis zu 20.000 Menschen, sagt er. "Es geht dabei auch um das Internet und um Themen wie Hass im Netz und Fake News. Wie kann man damit umgehen? Wie kann man Quellen verifizieren? Welche Kompetenzen brauchen Jugendliche da?"

Robert Helbig, Medienpädagoge
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir machen ganz viel Elternarbeit und Lehrerfortbildung, also wirklich die komplette Bandbreite der Medienbildung. Da geht es einerseits um eine kritische Auseinandersetzung mit Medien, andererseits aber auch um die kreative Auseinandersetzung.

Robert Helbig edmedien

Jung und Alt

Eine Arbeit, die wichtiger ist, denn je, findet er. "Die Medienwelt ist so komplex geworden, die Dinge verändern sich so wahnsinnig schnell, dass alle sowohl Kinder und Jugendliche, als auch Erwachsene, bis hin zu Senioren da einfach gewisse Kompetenzen brauchen." So gibt es in Leipzig etwa auch eine Seniorenredaktion, die sich einmal pro Woche trifft. "Mit denen sprechen wir über Internetthemen: Worauf muss ich beim Einkaufen im Netz achten? Bis hin zu einem eigenen Blog oder die Bearbeitung von Fotos." Die Nachfrage an SAEK-Projekten sei hoch, sagt Helbig. Durch die Förderung sind sie für die Schulen kostenfrei. Der Bedarf sei bei weitem nicht zu decken.

Demokratie braucht Medienbildung

Robert Helbig edmedien

Finanzierung auf dem Prüfstand

Die SAEK-Projekte werden von der Landesmedienanstalt ausgeschrieben und überwiegend vom Rundfunkbeitrag mit rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr finanziert. Weitere Mittel kamen bisher von privaten Rundfunkanbietern. Die allerdings steigen als Mitgesellschafter aus. Nun steht das gesamte System auf dem Prüfstand.

Institutionelle-, statt Projektförderung

Statt die SAEK-Projekte zu finanzieren, will die SLM in Zukunft auf einzelne Projektförderungen setzen. Eine Entwicklung, die auch Rüdiger Steinmetz, Mitglied des Medienrats der SLM, für gefährlich hält. "Ich bin der Überzeugung, dass das bisherige ein ausgezeichnetes Konzept war, das natürlich weiterentwickelt werden muss. Man darf ein so lange eingeführtes Konzept nicht einfach ungeprüft aufgeben." Ein Modell für die Vergabe von Kurzzeit-Projekten hält er nicht für sinnvoll. "Das würde eine Vielzahl von Projekten bedeuten. Diese Projekte sind mit der Gießkanne verstreut. Wir brauchen die Bündelung. Wir brauchen keine Projektförderung, sondern eine institutionelle Förderung von Ankerzentren, die diese Medienkompetenzzentren darstellen."

Rüdiger Steinmetz, Medienrat SLM
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man kann und sollte und muss dieses eingespielte Modell weiterführen.

Rüdiger Steinmetz Mitglied des Medienrats der SLM

Zeit läuft ab

Dennoch gebe es bislang keine Auseinandersetzung mit dem Thema, sagt Steinmetz, weder innerhalb der SLM, noch mit den externen Betreibern. Ein halbes Jahr vor Ende der laufenden Förderperiode sei immer noch unklar wie es weitergeht. Markus Heinker, Präsident der Medienrates der Sächsischen Landesmedienanstalt, versichert:

Robert Helbig, Markus Heinker, Präsident der Medienrates der SLM
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Die SLM wird ihre Medienkompetenzförderung unverändert mit unverminderter Intensität fortsetzen, auch über 2021 hinaus.

Markus Heinker Präsident des Medienrates der SLM

"Weiße Stellen auf der Karte"

Das derzeitige System sei jedoch unausgewogen. "Die punktuelle Versorgung, die wir im Moment haben, führt dazu, dass es weiße Flecken in Sachsen gibt, in der die Medienkompetenzförderung der SLM sehr gering bis gar nicht vorhanden ist." Man wolle daher zukünftig eine gleichmäßige Verteilung der Medienkompetenzförderung der SLM sicherstellen. Heinker begründet das auch mit dem Verwaltungsaufwand. Rund 50.000 Euro würden durch das Vergabesystem jährlich verbraucht.

"Keine Schließung"

Ein weiteres Problem sei die Aufgabenteilung zwischen Kultusministerium und Landesmedienanstalt. Das Kultusministerium ist für Schülerinnen und Schüler zuständig. Die Landesmedienanstalt für die übrigen Bereiche, wie etwa die Erwachsenenbildung, auf die man sich in Zukunft verstärkt konzentrieren will. "Von einer Schließung der SAEK kann nicht die Rede sein", so Heinker.

Voraussichtlich am 14. Dezember will der Medienrat eine Entscheidung über die Zukunft der Medienbildung treffen.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 02.12.2020 | 19 Uhr

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