Warnsystem Großteil der sächsischen Landkreise nutzt keine Warn-Apps

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz sieht Warn-Apps als zeitgemäßen Kanal für Meldungen im Katastrophenfall. Mit ihnen kommen Warnhinweise auf die Millionen in Deutschland aktiven Smartphones. Über vier Millionen Menschen haben mittlerweile eine Warn-App auf dem Telefon. Doch in Sachsen läuft die Nutzung durch die Behörden schleppend an.

Die Notfall-Informations- und Nachrichten-APP NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
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Sachsens Landkreise und kreisfreie Städte nutzen mehrheitlich noch keine sogenannten Warn-Apps für Smartphones. Das sächsische Innenministerium hatte mit einem Förderprogramm darauf abgezielt, die Warn-Software des Bundesamts für Bevölkerungsschutz - NINA - einzuführen. An der zweijährigen Testphase, die seit Juni läuft, beteiligt sich jedoch bisher nur Nordsachsen. Im Erzgebirgskreis ist die Einführung geplant. Zwei weitere Vorreiter in Sachsen sind der Landkreis Meißen und - voraussichtlich in Kürze - der Landkreis Görlitz. Hier hat man sich allerdings für eine andere App entschieden: BIWAPP.

Warn-Apps erst in zwei Landkreisen genutzt

Karte Sachsen WarnApps
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Alle weiteren Landkreise verweisen auf konventionelle Warnmethoden wie Sirenen, Lautsprecherfahrzeuge oder den Rundfunk. Die Bürger müssen sich folglich je nach Landkreis anpassen und nachfragen, ob und wenn ja welche App mit Informationen gefüttert wird.

Und bei Terror?

Bei Katastrophen auf Landesebene - wenn also mindestens zwei Landkreise betroffen sind - nutzt das Lagezentrum des sächsischen Innenministeriums das Notfallwarnsystem des Bundesamts für Bevölkerungsschutz NINA. Auch bei einem Amoklauf oder Terroranschlag würde der Freistaat also zentrale Maßnahmen ergreifen. Das versicherte das Innenministerium MDR SACHSEN im vergangenen Jahr. Aktuelle Informationen über die Nutzung der Warn-Apps und deren weitere Förderung gab es vom Innenminsterium nicht. Eine entsprechende Anfrage blieb bisher unbeantwortet.

Der Amoklauf in München im vergangenen Sommer hatte die Warn-Apps bekannt gemacht und sorgte für einen rapiden Anstieg der Anmeldungen. Über 250.000 Menschen hatten damals in der Region Warnungen und Verhaltenshinweise via KatWarn erhalten. 

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Hörfunk: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.08.2017 | 13:50 Uhr

Diese Warn-Apps gibt es:
KatWarn
... wurde vom Fraunhofer-Institut entwickelt. Die App gibt bundesweit Warnungen des Deutschen Wetterdienstes heraus. Mit der "Schutzengel"-Funktion landen die Informationen passend zum aktuellen Standort auf dem Handy. Zusätzlich können sieben Postleitzahlen angegeben werden, für deren Bereiche die Warnungen gewünscht sind. In Kooperation mit den jeweiligen Veranstaltern bietet Katwarn auch Infos zu Festivals oder Messen.
NINA
... wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entwickelt. Die Software wird von demselben satellitengestützten Warnsystem mit Daten gefüttert, das zum Beispiel auch Radiosender offiziell auf dem Laufenden hält. Der Bund selbst warnt allerdings nur bei großen nationalen Gefahren - etwa einem Raketenangriff. Er stellt Nina jedoch anderen Sicherheitsbehörden zur Verfügung, die dann etwa bei Unwetter, Hochwasser oder auch vor einer geplanten Bombenentschärfung warnen.
BIWAPP
... steht für "Bürger-Info- und Warn-App". Dieses private Angebot warnt nicht nur vor großen Katastrophen, sondern informiert auch über Schulausfälle, Verkehrsunfälle oder Fahndungen der Polizei. Das allerdings nur, wenn die jeweiligen Schulen, Ämter oder Polizeibehörden die App mit Informationen füttern. Außerdem können Nutzer einen Notruf absetzen. Dabei zeigt die App die aktuelle Adresse und Position an.
Deutscher Wetterdienst:
Wer lediglich über das Wetter informiert werden möchte, für den reicht Warnwetter, die App des Deutschen Wetterdienstes, aus. Sie warnt zum Beispiel bei Glatteis oder Sturm und informiert ausführlich über das aktuelle Wetter in Deutschland.
Damit nationale Warnungen auf allen Warn-Apps automatisch ausgespielt werden, plant das Bundesamt für Bevölkerungsschutz eine Kooperation zwischen "Biwapp" und "Nina".

Quellen: mdr/dpa/st

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 18:54 Uhr

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