Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht in der Pressekonferenz.
Vor der Sommerpause wird Kanzlerin Merkel noch einmal persönlich: Sie spricht darüber, wie sie den Alltag in der DDR erlebte und klagt über fehlende Kontakte zwischen Ost- und Westdeutschen. Bildrechte: dpa

19.07.2019 | 15:16 Uhr Angela Merkel: Ost-West-Kontakte an vielen Stellen nie entstanden

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht in der Pressekonferenz.
Vor der Sommerpause wird Kanzlerin Merkel noch einmal persönlich: Sie spricht darüber, wie sie den Alltag in der DDR erlebte und klagt über fehlende Kontakte zwischen Ost- und Westdeutschen. Bildrechte: dpa

Angela Merkel ist nicht dafür bekannt, ihre Ostbiografie in den Mittelpunkt zu stellen. Bei der letzten Pressekonferenz vor der Sommerpause lässt sie sich zu einer langen Antwort auf eine Journalistenfrage nach der ostdeutschen Unzufriedenheit verleiten.

Enkel weit weg

Merkel wirbt um Verständnis für die Älteren, diejenigen, die die DDR noch bewusst erlebt haben und sich entsprechend eingerichtet hatten, weil sie mussten. "Man hat Techniken entwickelt, die braucht es heute nicht mehr", sagt Merkel und erwähnt Hamsterkäufe von bestimmten Lebensmitteln oder Tauschbörsen (im Youtube-Link ab 1:15 Std.).

Städte wie Hoyerswerda hätten große Teile der Jugend verloren, die dort wohnen Gebliebenen würden ihre Enkel in Bayern oder Stuttgart aus der Ferne aufwachsen sehen. Das erzeuge eine Stimmung, die man nicht in Cent und Euro wieder gutmachen könne.

Kein Dax-Unternehmen

Leider habe allerdings bis heute kein einziges großes Dax-Unternehmen seinen Sitz in den ostdeutschen Bundesländern. Kritisch sieht die Kanzlerin auch den fehlenden Austausch zwischen Ost- und Westdeutschen: "Kontakt zwischen Ost- und West ist an vielen Stellen nie entstanden." An Schulen gebe es Partnerschaften nach ganz Europa, aber Berlin-Hellersdorf sei für Schüler in Neukölln "immer noch weit weg". Denkbar wäre aber beispielsweise auch mal eine Partnerschaft nach Vorpommern, fügte Merkel hinzu.

Quelle: MDR/st

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6 Kommentare

21.07.2019 11:00 Mediator 6

Wer ständig nur das Negative sieht und es sich wie Salz in eine Wunde reibt, der wird natürlich irgendwann miesepetrig, verbittert und zeigt dann die entsprechenden Reaktionen wie Hass, Mißgunst, Frust usw.

@Siegfried(5): Im Osten ist man auch nie um Ausreden verlegen, warum der Staat DDR es wirtschaftlich zu nichts gebracht hat. Die Russen haben teilweise schrottreife und zerbombte Industrieanlagen demontiert. Und deswegen ging 40 Jahre nichts vorwärts?

@UweZi(4): Was frustriert sie daran, wenn Stasi-Mitarbeiter in einer Demokratie plötzlich als das angesehen werden was sie waren: Teil des Unterdrückungsapparates des SED Regimes. Merkel vorzuwerfen, dass sie sich in der DDR systemkonform verhielt und sich in die allgegenwärtigen Organisationen rund um die DDR einbrachte ist lächerlich. Wer nimmt freiwillig und ohne Not die Rolle eines Außenseiters ein? Wem die Politiker nicht passen die an der Macht sind, der hätte ja andere wählen können oder selbst in die Politik gehen können.

20.07.2019 17:28 Siegfried 5

@ 4 vollkommend richtig wir mußten alles abzahlen an die Russen was der Westen nicht mußte sondern diese konnten in Wohlstand leben von den Amis, das muß man denen mal entlich unter die Nase reiben aber ob die das verstehen wir glauben es nicht die sind viel zu abgehoben und zu arokant und übrigens noch dazu mit der Einheit ( was keine ist ) haben die Wessis überleben können !

20.07.2019 16:16 UweZi 4

@SED-Folgen, die sind es eben historisch gesehen nicht. Es sind die Folgen eines sinnlosen Krieges unserer Ahnen. Und die historischen Folgen einer Aufteilung Deutschlands unter den Siegermächten. Und jeder überhebliche Westdeutsche, der so tut als wäre sein Wohlstand sein Verdienst sollte erst einmal darüber nachdenken wie er dastände, wäre die Verteilung Deutschlands damals andersherum gelaufen.
Frust im Osten entstand vielleicht auch daraus, daß SED und Stasimitglieder geächtet wurden, uns aber eine ehemalige FDJ Sekretärin für Agitation und Propaganda regiert, ein ehemaliger sächsischer Ministerpräsident Funktionär beim Rat des Kreises war und ein Parteisekretär / Kampfgruppenkommandeur jahrelang Bürgermeister in Görlitz war. Und das viele Nachwendeversprechen auch nach 30 Jahren noch nicht erfüllt sind.

20.07.2019 10:56 Hans Frieder Leistner 3

Wer glaubt denn, daß ein großes Unternehmen wie z.B. Siemens seinen Hauptsitz und Zentrale einfach verlegt? Das kostet nicht nur Geld sondern auch gewaltigen bürokratischen und technischen Aufwand. Die Bundesregierung kann Geld verschleudern aber kein Unternehmen. Die stehen auch ihren Aktionären in der Pflicht. Es ist für die Arbeitnehmer wichtiger, daß Produktionsstätten in den mitteldeutschen Ländern geschaffen wurden.

20.07.2019 08:24 Spottdrossel 2

Dem Bundesbürgerinnen im Beitrittsgebiet ist in vielen Fällen die Tiefe der russischen Seele näher als die Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit westlicher Wirtschaft.

19.07.2019 16:58 S E D - Folgen 1

Was soll denn die Klage darüber, dass kein DAX-Unternehmen östlich der Werra seinen Sitz hat?

Dort hat sich 40 Jahre lang keine Marktwirtschaft entwickelt und somit ist auch keine Firma entstanden, die zur Spitzengruppe der deutschen Wirtschaft hat aufschließen können. Dafür hat der Arbeiter- und Bauernstaat schon gesorgt.

Hat denn irgendjemand geglaubt, ein westdeutsches Unternehmen würde aus lauter Gnade und Barmherzigkeit und Freude über
die Wiedervereinigung seinen Stammsitz nach Mitteldeutschland verlegen? Das wäre doch naiv!

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