03.04.2020 | 06:15 Uhr Milliardenprogramm soll Sachsens Mittelstand durch Coronavirus-Krise bringen

Die sächsische Landesregierung will rund sechs Milliarden Euro an Krediten aufnehmen. Damit soll unter anderem ein neues Darlehensprogramm für den Mittelstand finanziert werden, dass sich an Unternehmen mit 11 bis 249 Angestellten richtet. Erwartbare Steuerausfälle sollen damit abgefedert werden und Teile des Geldes direkt in die krisengeplagten Unternehmen fließen. Ihnen soll so durch die Coronavirus-Krise geholfen werden.

Hilfspaket mit Geldscheinen
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MDR SACHSEN hat mit Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Mangold und Wirtschaftsminister Martin Dulig über Details des neuen Darlehensprogramms gesprochen.

Sachsen

Ein Mann im Alter zwischen 40 und 50. Er trägt ein dunkles Sakko und einen blauen Schlips. Seine Augen sind blau und seine Haare braun mit grauen Schläfen. Er gibt ein Interview und schaut knapp an der Kameralinse vorbei. Es handelt sich um Martin Dulig, den Wirtschaftsminister von Sachsen. 6 min
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Wie wird das Darlehensprogramm für Unternehmen mit elf bis 249 Beschäftigten aussehen?

Unser Ziel ist es, das Nachrangdarlehensprogramm, das wir für die kleinen Unternehmen aufgesetzt haben, jetzt auch für die nächste Gruppe von Unternehmen - ich nenne sie mal den stabilen Rückgratsmittelstand - aufzusetzen.

Hartmut Mangold Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums

Laut Mangold wir das neue Darlehensprogramm für drei Jahre tilgungsfrei sein. Diejenigen Unternehmen, die ohne große Verluste durch die Krise kommen, sollen das Darlehen später tilgen. Der Tilgungszeitraum werde dabei so festgelegt, dass das Unternehmen die Schulden ohne große Probleme abbezahlen kann, so Mangold. Bei Unternehmen, die durch die Coronavirus-Pandemie besonders angeschlagen sind, könne von einer späteren Tilgung abgesehen werden. Zusätzlich müsse das Darlehen zehn Jahre lang nicht verzinst werden, so der Staatssekretär.

Nachrangdarlehen Ein Nachrangdarlehen wird in der Buchführung des Unternehmens, welches das Darlehen bekommt, als Eigenkapital und nicht als Fremdkapital verbucht. Das hat für die Unternehmen den Vorteil, dass bei der Aufnahme eines neuen Kredits in der Zukunft, die Kreditwürdigkeit des Unternehmens nicht heruntergestuft wird.

Wie berechnet sich das neue Darlehen?

Ein Beispiel: Geschäftsschließungen und damit einhergehende Verluste bleiben für vier Monate bestehen. Wie Hartmut Mangold erläuterte, muss das Unternehmen dann schildern, wie viel Geld es in dieser Zeit benötige, um über die Runden zu kommen.

Dieser Betrag ist dann die Summe, die wir als Darlehen ausreichen können.

Hartmut Mangold Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums

Für diesen Betrag soll es eine Obergrenze geben. Wie hoch die Grenze ist, wurde bislang nich beziffert.

Ab wann können Unternehmen das neue Darlehensprogramm beantragen?

Es wird weniger schwierig werden, dieses neue Programm an den Start zu bringen, weil wir ja bereits ein Programm bei der Sächsischen Aufbaubank am Laufen haben, auf dessen Struktur wir hier aufbauen können.

Hartmut Mangold Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums

Ein genaues Datum für den Start des Programms gebe es noch nicht. Staatssekretär Mangold rechnet jedoch damit, dass das Programm bereits in zwei Wochen starten könnte.

Müssen Unternehmer sich sorgen, wenn sie nach der Antragsstellung keine Eingangsbestätigung bekommen?

Anträge für Darlehensprogramme, Zuschüsse oder Soforthilfen können nach aktuellem Stand bis zum 31. Mai eingereicht werden. Alle Anträge, die bis dahin eingereicht worden sind, würden auch bearbeitet, so der Staatssekretär. Man gehe davon aus, dass die meisten Anträge in den kommenden zwei Wochen eingehen werden.

Niemand muss sich Sorgen machen, dass er hinten runter fällt. Unser Förderprogramm wird so aufgestockt, dass es keinen Förderstopp geben wird.

Hartmut Mangold Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums

Wie viele Anträge sind bereits bewilligt worden?

Nach Angaben von Hartmut Mangold seien bei dem bereits bestehenden Darlehensprogramm 11.000 Anträge bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) eingegangen. Davon seien circa 3.500 Anträge bewilligt. Auch die Bundeszuschüsse sind stark nachgefragt. Nach Mangolds Angaben sind 23.000 Anträge bei der SAB eingegangen. 6.000 davon seien bewilligt worden, die meisten Antragssteller hätten ihre Auszahlung bereits bekommen.

Werden Lebenshaltungskosten von Solo-Selbstständigen ebenfalls mit übernommen?

In unserem Darlehen ist auch abgebildet, dass sie ihren Unternehmerlohn, den sie durchschnittlich im Monat gehabt haben, da auch einberechnen können.

Hartmut Mangold Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums

Lag der Unternehmerlohn von vier Monaten im vergangenen Jahr bei mehr als 5.000 Euro, seien Solo-Selbstständige dazu berechtigt, am neuen Darlehensprogramm teilzunehmen, so Hartmut Mangold. Lediglich ein Nachweis darüber, dass monatlich so viel Geld verdient wurde, müsse nachgewiesen werden. Zudem mache sich der Freistaat dafür stark, dass auch Freiberufler und Kreative zusätzlich durch den Rettungsschirm des Bundes geschützt werden.

Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.04.2020 | ab 19:00 Uhr nach den Nachrichten

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